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Düngesaison: Es stinkt wieder zum Himmel

Von: Berthold Strauch
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Natürlicher Dünger vom Fass: Solche Aktionen rufen oft – nicht immer zu Recht – Proteste von Bürgern hervor, denen es zu kräftig stinkt. Foto: dpa

Aachen/Düren/Heinsberg. Ab Freitag dürfte es in der Region wieder mächtig zum Himmel stinken! Denn mit dem 1. Februar endet die Sperrfrist für Landwirte, während der sie nicht ungehemmt Gülle, Jauche und Mist von ihren Höfen auf Wiesen und Äckern verteilen dürfen. Somit könnte jetzt vielerorts gelten: Alle Schleusen werden geöffnet.

Vom 1. November – auf Wiesen ab 15. November – bis 31. Januar ist es den Landwirten nur unter strengen Auflagen erlaubt, ihren natürlichen Dünger zu verteilen. Und eine zunehmend skeptische Öffentlichkeit sorgt mit dafür, dass die einschlägigen Paragrafen tatsächlich eingehalten werden.

Die zuständigen Landwirtschaftskammern und ihre Kreisstellen erhalten immer wieder Beschwerdeanrufe und Protestmails, wenn Bürgern neben ihren Privatgrundstücken plötzlich übler Geruch von eindeutig landwirtschaftlicher Herkunft den Geruchssinn vernebelt wie zuletzt beispielsweise in Titz-Gevelsdorf im Jülicher Land, wo trotz scharfer Bürgerkritik alles astrein war und den Nachprüfungen standhielt – oder im beschaulichen Venwegen: In dem Stolberger Ortsteil war es Rolf Pommerening, engagiertes Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) und Lehrbeauftragter für Biologie an der Kölner Universität, der bei den zuständigen Stellen heftig Alarm schlug: Letzte Woche war es nach seinen Beobachtungen bereits binnen kurzer Zeit ein Wiederholungsfall, dass ein Landwirt auf schneebedecktem Grünland und bei klirrend kalten Temperaturen fleißig seine Güllefässer leerte. Zudem liegt die Fläche in einem Wasserschutzgebiet und grenzt direkt an einen kleinen Bachlauf.

„Das kann doch nicht sein!“, schimpfte Pommerening mit Blick auf die einschlägige Düngeverordnung. Das ist ein kompliziertes Regelwerk, das allerdings gleich zu Beginn keinen Zweifel aufkommen lässt, wie es scheint: „Die Ausbringung von tierischen Exkrementen sei verboten, „wenn der Boden gefroren ist“. Eigentlich alles klar, aber dann die Einschränkung: Das Verbot gelte nur, wenn die Eiseskälte des Winters „tiefer als zehn Zentimeter eingedrungen ist und der Boden im Tagesverlauf oberflächlich nicht auftaut“. Ist nur eines dieser beiden Kriterien erfüllt, dürften die Rückstände aus der Viehzucht von den Landwirten sehr wohl selbst auf schneebedeckten Landwirtschaftsflächen verteilt werden.

Doch auch hier gibt es ein entscheidendes Kriterium: Wenn die Wiese „durchgängig höher als fünf Zentimeter mit Schnee bedeckt ist“, müssen die Güllefässer geschlossen bleiben. Die einschlägigen Bestimmungen merken dazu an: Gemessen werde „an der Stelle, wo der Dünger hinfällt“. Da müssen die Bauern, die in der Kälteperiode ihren oft überquellenden Tank unbedingt leerfahren wollen, um ihre Höfe nicht von den braunen Fluten überschwemmen zu lassen, wohl stets einen Zollstock und ein Thermometer dabei haben, um nichts falsch zu machen . . .

Oder doch nicht? Wie sollte etwa der Nachweis erbracht werden, wenn die weiße Himmelspracht vom Winde verweht wird und plötzlich die Veto-Höhe von fünf Zentimetern überschreitet?

Der Deutsche Wetterdienst hilft den Landwirten da weiter: Die Meteorologen liefern die notwendigen Daten zur „Frosteindringtiefe“ für die jeweilige Region. Und die Experten geben den Bauern noch den guten Rat, die entsprechenden Tiefenmessungen ausdrucken zu lassen, damit im Falle des Falles der Nachweis geführt werden kann, dass alles im erlaubten Bereich gewesen ist.

Exakte Werte können die Wetterfrösche für jeden Punkt der Region allerdings gar nicht liefern. Denn ihr Messnetz ist äußerst dünn. Und so zählen beispielsweise die offiziellen Resultate, die die Station im Aachener Norden bei Orsbach erhebt, durchaus auch im etliche Kilometer entfernten Stolberg oder anderswo. Dort kann natürlich der Schnee sehr wohl schon mal deutlich höher liegen.

„Wer etwas falsch macht, den schützen wir nicht“, redet Ewald Adams, Leiter der Dürener Geschäftsstelle der Landwirtschaftskammer, Klartext. „Doch unser erster Ansatz ist auf jeden Fall die Beratung der Landwirte, damit sie sich richtig verhalten.“

Übrigens: Analysen seiner Experten bestätigten, dass auch in Venwegen die Bestimmungen eingehalten worden seien. Zudem war es Pferdemist, und der geht eigentlich fast immer!

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