Diözese Aachen ist „in geistlicher Hinsicht ruiniert”

Von: Bernd Mathieu
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wo hört Kritik auf, wo beginnt Beleidigung? Was ist noch sachlich und fundiert, was dagegen unsachlich und nicht mehr an Fakten orientiert?

Man wundert sich manchmal, wie Politiker, Journalisten, Funktionäre, Sportler miteinander umgehen und gegeneinander agitieren. Aber die katholische Kirche?

Nicht gerade zimperlich liest sich das, was man da in der katholisch orientierten Zeitschrift „Die Neue Ordnung” findet. Da befasst sich in einem Beitrag unter der Überschrift „Eine Frage der Wahrheit” der Chefredakteur des Magazins, Wolfgang Ockenfels, mit der „islamischen Bedrohung”. Das christlich-jüdische Erbe Europas sei das „bevorzugte Aggressionsobjekt und Eroberungsprojekt” der islamischen Welt.

Westliche Politiker werden in diesem Kontext als „pausbäckig naiv” bezeichnet. Und dann kommt plötzlich das Bistum Aachen ins Spiel. Wörtliches Zitat: „Wie sehr die Begriffe der Toleranz und des Dialogs innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland unter die Räder der ,political correctness gekommen sind, zeigt ein Beispiel aus der Diözese Aachen. Die ist nicht nur finanziell so gut wie bankrott, sondern vor allem in geistlicher Hinsicht ziemlich ruiniert. Was sie geradezu ermutigt, den Vorreiter in Sachen Islamisierung zu spielen.”

Ockenfels mokiert sich über die „Feiertagsfreude in der verkümmernden katholischen Welt von Aachen” anlässlich der Grundsteinlegung der neuen Moschee und kritisiert massiv den Aachener Regionaldekan Josef Voß mit dessen Formulierung vom „Gott und Vater aller Menschen”. Für Ockenfels ein Indiz dafür, dass im Bistum Aachen „Islam und Christentum doch irgendwie auf dasselbe hinauslaufen”. Der zuständige Regionaldekan habe sich derart „eifrig” an der Gründung der neuen Moschee beteiligt, indem er „den bei diesem Anlass erforderlichen Satz von sich gab”.

Wolfgang Ockenfels ist in der katholischen Kirche nicht irgendwer. Das macht seine Formulierungen umso bemerkenswerter. Der 1947 geborene römisch-katholische Geistliche, Sozialethiker und Dominikaner war früher Redakteur beim „Rheinischen Merkur” und ist seit 1992 Chefredakteur der katholischen Zeitschrift „Die Neue Ordnung”.

Ockenfels hat eine Professur für Christliche Sozialwissenschaften an der Theologischen Fakultät Trier und ist Consultor (Berater) beim Päpstlichen Rat „Justitia et Pax” in Rom sowie geistlicher Berater beim Bund katholischer Unternehmer in Deutschland - also kein Unbekannter in katholischen Kreisen.

Er behauptet in dem Beitrag ebenfalls, dass katholische Dialogbeauftragte es bevorzugten, „eher den Bau einer Moschee zu fördern als die Errichtung einer katholischen Kirche zu tolerieren, in der die alte, inzwischen von Rom gebilligte Messe zelebriert wird”. Auch das kann man als klare Breitseite gegen die Leitung des Bistums Aachen verstehen.

„Einfach unverschämt”

Welche Brisanz dieser Vorgang hat, zeigt sich an der Tatsache, dass sich das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) offiziell gegenüber Ockenfels dazu geäußert hat. ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper bezeichnete die Äußerungen Ockenfels über die Diözese Aachen in einem Brief an ihn als „schlicht und einfach unverschämt”. Weiter: „Ich weiß nicht, was solche vergiftenden Schmähungen in der ,Neuen Ordnung zu suchen haben.” Dies sei eine „offene Verachtung gegenüber einer katholischen Diözese und den sich hier engagierenden katholischen Christen”.
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