Digitales Lernen in die Grundschulen bringen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Emily und Constantin, neun Jahre alt, beim Programmieren: Die Luchs-Klasse der Grundschule Oberforstbach in Aachen durfte im vergangenen Schulhalbjahr schon mal den Minicomputer „Caliope“ ausprobieren. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist kein Hexenwerk: Emily und Constantin sitzen beide an einem Laptop und bringen erst einer Comic-Katze das Laufen und Fußballspielen bei, anschließend lassen sie LED-Lichter mit einer Begrüßung und einem Smiley laufen. Sie programmieren.

Was vielen Lehrern und Eltern den Schweiß auf die Stirn treibt, geht den beiden Neunjährigen aus Aachen-Oberforstbach ganz lässig von der Hand. Hier einen Befehl aktivieren, dort die Schrittzahl erhöhen, da einen passenden Hintergrund einfügen, schließlich den Text für das Laufband eingeben. Nach einem halben Jahr Digitalkunde in der dritten Klasse ist das alles kein Problem mehr.

Im November startete anlässlich des nationalen IT-Gipfels ein Projekt im Saarland, das Grundschulen mit dem Minicomputer „Caliope“ ausstattet. Ziel des initiierenden Beirats Junge Digitale Wirtschaft (BJDW) beim Bundeswirtschaftsministerium ist es, digitale Bildung in der Schule zu verankern – und zwar nicht erst in den weiterführenden Schulen, sondern in den dritten Klassen der Grundschulen.

Der digitale Aufholbedarf

In zwei Jahren könnten auch die Schulen in NRW zum Zuge kommen. „Beim Thema ‚Digitale Bildung‘ hat Deutschland massiven Aufholbedarf!“, heißt es mahnend in einer zum IT-Gipfel herausgegebenen Stellungnahme. Und weiter: „Die Schule bereitet mit den derzeitigen Lehrplänen nur ungenügend auf diese Realität vor, bisherige Informatik- und medienpädagogische Elemente sind nicht ausreichend. (…) Schon in der Grundschule sollten die Kinder mit einfacher Software umgehen können.“

Die Luchs-Klasse der Grundschule Oberforstbach kann das jetzt schon von sich behaupten. Denn Andera Gadeib, Aachener IT-Unternehmerin und Mitglied des BJDW, hat den Schülerinnen und Schülern den „Caliope“ in diesem Schulhalbjahr zum Ausprobieren gegeben.

„Programmieren ist so wichtig wie eine Fremdsprache“, findet sie und hat das auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingeflüstert. Gadeib: „Beim Stichwort Digitalisierung glauben immer noch viele, dass es reiche, Medienkompetenz in den Schulen zu vermitteln. Doch das war vor fünf Jahren aktuell. Wir müssen das aktive Gestalten des Digitalen in allen Fächern verankern – und zwar nicht erst in den weiterführenden Schulen.“

Bevor die Luchs-Kinder jedoch den sternförmigen Minicomputer in die Hand nehmen konnten, waren Nadine Bergner und Carsten von den Driesch vom Schülerlabor Informatik „Info Sphere“ der RWTH Aachen bereits immer freitags für zwei Stunden im Sachkunde-Unterricht bei ihnen, um als Co-Teacher Digitalkunde zu unterrichten.

Natürlich ganz anschaulich – und tatsächlich zunächst mit Stift, Papier, Pappe und Kartons. Zunächst sollten die Kinder Bilder zeichnen, wie sie sich einen Informatiker vorstellen und was der genau macht. „Dann haben wir Binärzahlen eingeführt – ganz losgelöst vom Computer“, berichtet von den Driesch. In Kartons waren Gummibärchentütchen versteckt, die Kinder „errechneten“, in welchem Karton ein Tütchen sein muss. Dann ent- und verschlüsselten sie Briefe.

Auch das kein Hexenwerk und sogar mit der miserablen IT-Ausstattung einer jeden Grundschule locker zu machen. Bergner kennt einen weiteren Vorteil, den das „InfoSphere“ allen Schulformen, auch Grundschulen ab Klasse 3, bietet: „Die Form des Co-Teaching – egal ob in der Schule oder bei uns im Schülerlabor – nimmt den Lehrern und Lehrerinnen die Angst vor der Materie.“

Die hat Maria Schiefer, Schulleiterin an der Grundschule Oberforstbach, nicht. Sie will „ihre“ Kinder bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten und dazu gehört heutzutage auch der Umgang mit Computern. „Allerdings ist es dann irgendwann schon eine Frage der technischen Ausstattung. Mit den zwei vorgesehenen Rechnern pro Klasse – ganz sicher nie die neuesten Modelle – ist das nicht zu machen.“

Sie organisierte bei den Eltern ausrangierte, aber funktionstüchtige Laptops, so dass in der Luchs-Klasse immer zwei Kinder an einem Rechner arbeiten konnten. Dort animierten sie Bilder zu einem zwölfteiligen Kurzfilm über Kaiser Karl und nutzten kurz vor den Sommerferien auch die Möglichkeiten des „Caliope“. Seitdem kann Emily bei einer Autofahrt selbstsicher sagen: „So eine LED-Pizza-Werbung mit aufsteigendem Dampf kann ich auch programmieren.“

Dass durch die geschenkten Computer auch drei verschiedene Betriebssysteme im Klassenraum zugegen waren, war vor allem für die Erwachsenen eine Herausforderung. „Die Kinder gehen mit solchen Bedingungen ganz entspannt um“, wundert sich auch IT-Expertin Gadeib darüber, dass weder die Jungen noch die Mädchen irgendwelche Berührungsängste gegenüber Digitalem hatten. „Wenn sich Grundschüler zutrauen, zu programmieren, können sie auch die große Digitalisierung stemmen“, ist sie überzeugt.

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