Die Verschwörungstheorien des Hans-Peter K.

Von: Wolfgang Schumacher
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Eröffnete gestern den Prozess
Eröffnete den Prozess gegen K.: Gerd Nohl, Vorsitzender des Aachener Schwurgerichtskammer. Foto: Dagmar Meyer

Aachen. Hans-Peter K. sprach von Verschwörung. Dem 44-jährigen Alsdorfer wurde ein versuchter Mord an einer Angestellten (34) einer Rechtsanwaltskanzlei vorgeworfen, doch er sprach von Verschwörung. Am Mittwoch, vor dem Aachener Schwurgericht, bekam mancher im Saal den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu.

Am Landgericht wurde am Mittwoch der Prozess gegen Hans-Peter K. eröffnet. Für K. fing die Verhandlung damit an, dass er auf der Anklagebank Platz nahm und sofort begann, geschäftig in einem dicken Ordner zu blättern. Das Blättern war nur der Vorbote für die späteren ellenlangen Erklärungen bestehend aus einem unglaublichen Paragrafenwust und juristischem Halbwissen.

Das sollte belegen, dass der Personal- und Betriebswirt seit seinem Ausscheiden bei einem Energieunternehmen Ende der 90er Jahre sich seiner Meinung nach einer undurchdringlichen Wand „von kriminellen Machenschaften” der regionalen Justiz gegenübersieht. „Die Richter bilden eine kriminelle Vereinigung”, erklärte K. ungerührt und veranlasste Rechtsanwalt Andreas Fleuster, die Richter wegen der „Besorgnis der Befangenheit” abzulehnen.

K.s Zustand nennen Psychiater „eine paranoide Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis”, also Verfolgungswahn. So trug Ankläger Oberstaatsanwalt Albert Balke vor, der Beschuldigte habe seine Tat am 2. November 2009 in einer Aachener Rechtsanwaltskanzlei „im Zustand der Schuldunfähigkeit” begangen. Ein schwacher Trost allerdings für das mit zehn Messerstichen lebensgefährlich verletzte Opfer.

Sie konnte an jenem Nachmittag um 15.30 Uhr noch gerade von der Kanzlei im 3. Stock des Geschäftshauses aus den Notruf wählen, ihr Leben wurde durch eine Notoperation gerettet, K. unten auf der Straße verhaftet.

Ein bisschen Licht ins Dunkel der zunächst wirren Einlassungen vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl brachte am Ende die eigene Schilderung der konkreten Tatabläufe durch K. Ihm zufolge war es so: Er hatte sich währende der vergangenen Jahre immer tiefer in ein Geflecht von Abhängigkeiten zwischen Steuerberatern, Rechtsanwälten und Gerichten begeben. Er arbeitete fieberhaft an Büchern, die Betrügereien und Unterhandlungen von Konzernen oder auch nach seiner Meinung rechtswidrige Gebühren bei Banken behandelten und die er veröffentlichen wollte.


Der Aachener Rechtsanwalt sollte eines dieser Bücher bei einem Verleger unterbringen, schaffte das aber nicht so recht und ließ sich irgendwann bei anstehenden Terminen mit K. verleugnen. So auch am Tattag, als der dritte Termin abgesagt wurde. „Ich wollte das Mandat beenden”, erklärte K. dem Richter. Dann habe ein Wort das andere gegeben, er habe sich mit einer Angestellten des Rechtsanwaltes, dem Opfer der Tat, angeschrien.

„Warum hatten Sie das Messer dabei?”, fragte Richter Nohl. Das Küchenmesser mit einer Klinge von 23 Zentimetern „habe ich immer in dieser Tasche, in der alle meine Unterlagen sind”, sagte K. lapidar. Die Angestellte schrie er wohl an: „Was?, du Schlampe, du willst mich rausschmeißen?” Dann zückte er das Messer und stach zu.

2005 hatte es bereits einen ähnlichen Vorfall, der glimpflich ablief, im elterlichen Haus in Alsdorf gegeben. Da lief er mit einem Jagdmesser hinter seiner Tante her, die ihm vom Tode seines Vaters berichten wollte, wie sie nun im Zeugenstand sagte. Das interessierte ihn ganz und gar nicht, er wollte bei seinen „Ermittlungen” in Ruhe gelassen werden. Ein SEK holte ihn schließlich aus dem Haus, er kam nach Düren in die Psychiatrie. Hierüber, und das unterstreiche seine Verschwörungstheorien, gebe es keine Unterlagen mehr.

Der Prozess, bei dem es um die dauerhafte psychiatrische Unterbringung von K. geht, wird am Montag, 3. Mai, ab 9 Uhr fortgesetzt.

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