Die Region ist auf der Jagd nach potenten Investoren

Von: Robert Esser
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Clever bedacht: Die terrassena
Clever bedacht: Die terrassenartige Aufstockung für die ehemalige Bahndirektion am Kölner Rheinufer hat Architekt Gerhard Wittfeld mit seinem Aachener Team entwickelt. Im kommenden Jahr entstehen 25 000 Quadratmeter hochwertiger Büroflächen. Foto: Michael Jaspers/Kadawittfeld

Aachen. Wenn der Branchenriese Hochtief einfliegt, geht so mancher in Deckung. Nicht so Gerhard Wittfeld. Der Aachener Architekt traf Entscheider des Konzerns vergangenes Jahr auf Europas größter Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München.

Zufall kann das bei 1700 Ausstellern und knapp 40.000 Besuchern auf 64.000 Quadratmetern in sechs Hallen kaum gewesen sein. Dass der Messestand „aachen1a”, an dem die Industrie- und Handelskammer 27 Unternehmen und Organisationen unter einem Dach an der Isar versammelt, Bemerkenswertes für Projektentwickler, Investoren, Finanzierer, Architekten und Planer bietet, scheint sich herumgesprochen zu haben.

Apropos Dach: Genau darum ging es Hochtief. „Wir haben dann einen Entwurf für die seit Jahren verwaiste, ehemalige Bundesbahndirektion am Kölner Rheinufer eingereicht - eines der wohl gewaltigsten Gebäude unter Denkmalschutz im Schatten des Doms”, erinnert sich Wittfeld. 25 000 Quadratmeter exklusive Büroflächen entstehen, dazu vier terrassenförmige Dachgeschosse, deren Kontur an das im Weltkrieg zerstörte Mansardendach erinnert. Ein Multimillionen-Projekt. 2013 wird gebaut. Mal sehen, wen man dieses Jahr trifft, wenn die Expo Real am kommenden Montag, 8. Oktober, für drei Tage die Tore öffnet.

„In München treffen Angebot und Nachfrage zusammen”, bringt IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting das Prinzip Expo Real auf den Punkt. „Dort werden Kontakte geknüpft und Projektideen geboren”, erklärt er. Klingt einfach, ist aber schwierig. Von Australien bis Zypern. Und auch für die hiesige Euregio Maas-Rhein. So will man endlich auf dem weitläufig verwaisten, grenzüberschreitenden Gewerbegebiet Avantis zwischen Aachen und Heerlen durchstarten. Die Wirtschaftsförderer erwarten, dass nun dank vereinfachter Auswahlkriterien mehr Interessenten auftauchen. Im Mittelpunkt des Messeauftritts aus dem Dreiländereck steht ein weiteres Mal das RWTH-Campus-Projekt und das Angebot der Logistikregion. Langsam kommt das Zwei-Milliarden-Euro-Vorhaben, das Wissenschaft und Wirtschaft verknüpft, in Fahrt. Der erste Gebäude-Komplex im Cluster Logistik misst 14 000 Quadratmeter und soll schon im Frühjahr 2014 fertiggestellt sein.

Als Investor auf weiteren 10 000 Quadratmetern Mietfläche wurde die „ante4C GmbH” ausgewählt, ein Konsortium aus der deutschen Landmarken AG und der niederländischen CZP Investments B.V. Bauunternehmer ist das Aachener Unternehmen Nesseler Grünzig.Für Landmarken-Vorstand Norbert Hermanns ist die Expo Real von enormer Bedeutung: „Die Messe ist der Schmelztiegel der Branche. Hier erfährt man, welche Projekte laufen, wo Potenzial drin steckt - und wovon man besser die Finger lassen sollte”, sagt der erfahrene Projektentwickler. Nirgendwo konzentriere sich die Immobilienwelt so fokussiert wie auf der Expo Real. Die Branche sieht Hermanns im Aufwind, was sich auch in der Zahl der Aussteller widerspiegelt; fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Einen regelrechten Boom verzeichnet man beim Bau von Studentenwohnungen. Hermanns und Wittfeld realisieren 2013/14 ein Wohnheim mit 175 Appartments im Aachener Pontviertel. Der Clou: Das Gebäude frisst dank Erdwärmeheizung und Solarthermie auf dem Dach 30 Prozent weniger Energie als ökologische Standards verlangen. „Dazu haben wir wachsende und schrumpfende Wohnungen konzipiert. Die Basis besteht aus 23 Quadratmeter großen Modulen, die je nach Bedarf aneinander gekoppelt werden können”, erklärt der Architekt. Er freut sich auf München. 2011 ist er auf der Münchener Messe zu vier Architektur-Wettbewerben eingeladen worden, drei hat Wittfeld mit seinem 70-köpfigen Team gewonnen. „Insgesamt ist die Bauszene in der Aachener Region wirklich stark”, sagt er. Darauf sollten Kunden fliegen. Hoch. Tief im Süden.

Wer profitiert vom Messeauftritt unter dem Logo „aachen1a” in München?

Rötting: Es ist ein klassisches Public-Private-Partnership-Projekt, bei dem beide Seiten gewinnen. Während sich die Unternehmen von der Messepräsenz Kontakte für künftige Geschäfte versprechen, sucht die Region nach Investoren für die vielfältigen Angebote im Gewerbeflächen- und Gewerbeimmobilienbereich. Die letzten Jahre haben bewiesen, dass dies durchaus Erfolg verspricht. Wir sind mit 27 Unternehmen und Institutionen aus der Euregio Maas-Rhein an unserem Gemeinschaftsstand vor Ort.

Gibt es einen thematischen Schwerpunkt? Womit wollen Sie die Aufmerksamkeit in unser Dreiländereck lenken?

Rötting: Wir konkurrieren mit starken Nachbarn, können in Aachen aber etwas einzigartiges aufweisen: den RWTH-Campus. Nachdem das erste Cluster Logistik im Bau ist, rechnen die Verantwortlichen mit weiteren Interessenten. An die Entwicklung der Logistikwirtschaft knüpft unsere ganze Region große Erwartungen. Mit einem Güterverkehrszentrum in Düren soll dieser Wirtschaftsfaktor in Zukunft noch weiter gestärkt werden.

Dauerbrenner sind die Entwicklung der Burg Vogelsang und der Neustart für das bislang enttäuschende Gewerbegebiet Avantis zwischen Aachen und Heerlen.

Rötting: Ich bin davon überzeugt, dass beide Projekte 2012 besser aufgestellt sind denn je. Das wird die Suche nach potenten Partnern in München enorm erleichtern.
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