Aachen/Düsseldorf - Die Landeshauptstadt, von Baggern regiert

Die Landeshauptstadt, von Baggern regiert

Von: Christoph Classen
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„Leben - Gefühl - Stadt”: D
„Leben - Gefühl - Stadt”: Düsseldorf steht derzeit - wie am Schadow-Platz - voller Baukräne. Foto: Christoph Classen

Aachen/Düsseldorf. In der Innenstadt von Düsseldorf wird im Moment derart viel neu und umgebaut, dass sie dort sogar eine Führung zum Thema anbieten, „Düsseldorf - eine Stadt verändert ihr Gesicht” heißt die Tour.

Hätten sie den Rundgang „Düsseldorf - wir bauen die Stadt mal eben neu” oder „Düsseldorf - hier bleibt kein Stein auf dem anderen” genannt, wäre das auch nicht übertrieben gewesen, na ja, nur ein bisschen jedenfalls. In Düsseldorfs Zentrum tut sich eine Menge. „Ich kann Ihnen jetzt schon sagen: Düsseldorf wird schöner,” sagt Stadtführer Rudi Wolff. Die wichtigsten Projekte im Überblick.

Die Wehrhahn-Linie

In Düsseldorf gehen sie davon aus, dass die Zukunft mehr Verkehr mit sich bringt. Deswegen wird daran gearbeitet, das bestehende Stadtbahnnetz auszubauen und zu optimieren. Konkret wird im Moment die Wehrhahn-Linie gebaut, eine 3,4 Kilometer lange U-Bahn-Strecke unter der Innenstadt, die nach ihrem nordöstlichen Ausgangspunkt, dem Bahnhof Wehrhahn, benannt wurde. Von dort aus führt die Strecke über sechs U-Bahnhöfe bis zum S-Bahn-Haltepunkt Bilk. „Das wird die schönste U-Bahn Europas”, sagt Wolff.

Die Bauarbeiten begannen im Februar 2008. Die Fertigstellung ist für den Herbst 2014 avisiert, nach einer Testphase soll ab 2015 der Fahrbetrieb aufgenommen werden. 2010 wurde die Röhre vom Bahnhof Bilk bis zur Kasernenstraße gegraben, im vergangenen Jahr folgte der Schacht von der Königsallee bis zum Wehrhahn. Aktuell wird die dritte und letzte Röhre gegraben, sie führt von der Königsallee zur Heinrich-Heine-Allee. Die Strecke verläuft unter dem denkmalgeschützten Kaufhof-Gebäude. Damit es während der Bauarbeiten nicht absackt, wird der Boden mit gewaltigem Aufwand vereist, allein das wird rund 20 Millionen Euro kosten.

Insgesamt wird die Linie nach Fertigstellung wohl 750 Millionen Euro gekostet haben, ursprünglich war mit 650 Millionen Euro kalkuliert worden, wovon das Land NRW einen Anteil von 336 Millionen Euro übernimmt. Die Kostensteigerung von 100 Millionen Euro begreift die Düsseldorfer Stadtverwaltung als Erfolg - und verweist genüsslich auf Köln, wo die Kosten des U-Bahn-Ausbaus von 450 Millionen auf weit mehr als eine Milliarde Euro gestiegen sind, die Kosten der Stadtarchiv-Katas­trophe nicht eingerechnet.

Der Kö-Bogen

Auf dem Jan-Wellem-Platz nordöstlich von der Königsallee wachsen im Moment zwei Gebäude in die Höhe, in die nach Fertigstellung Einzelhandel, Büros und Gastronomie einziehen sollen. Der Komplex heißt Kö-Bogen, benannt nach dem Straßenzug, der am Rande des Hofgartens Richtung Königsallee verläuft. Gebaut wird nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind. Die beiden Gebäude werden fünf oberirdische Geschosse und eine Höhe von 26 Metern haben, im dritten Geschoss verbindet eine Brücke beide Gebäude miteinander.

Richtung Süden und Osten soll der Bau eine geschwungene Fassade bekommen, während die Nord- und Westseite gerade ausgeführt werden. Die Fassade wird mit Naturstein und Glas gestaltet. Der Komplex wird untertunnelt. Daneben wird unter den Gebäuden eine Tiefgarage gebaut, die Tiefgaragen von Schauspielhaus und Dreischeibenhaus sollen unterirdisch angeschlossen werden. Diese Maßnahmen sind unter dem Oberbegriff erster Bauabschnitt versammelt, die Fertigstellung ist für September 2013 geplant. Im zweiten Bauabschnitt soll die Tausendfüßler genannte Autohochstraße abgerissen und durch einen Tunnel mit identischem Verlauf ersetzt werden. Wo jetzt noch der Tausendfüßler steht, entsteht eine 400 Meter lange Fußgängerpromenade von Norden nach Süden, an deren Rändern Platanen stehen.

Der Kö-Bogen ist grundsätzlich ein privates Bauvorhaben, allerdings ist die Stadt an den Kosten zur verkehrlichen Erschließung beteiligt. Der Investor kalkuliert für die beiden Gebäude, die Tiefgarage und die Untertunnelung mit Kosten in Höhe von etwa 300 Millionen Euro. Die Stadt Düsseldorf geht davon aus, dass sie für den ersten Bauabschnitt 197 Millionen Euro aufwenden muss. 50 Millionen Euro hat sie allerdings mit dem Verkauf des Grundstückes an den Investor verdient. Der Tunnel im zweiten Bauabschnitt wird die Stadt voraussichtlich rund 133 Millionen Euro kosten.

Die von der SPD geführte Opposition im Stadtrat geht davon aus, dass aus den 133 Millionen „am Ende mindestens 200 Millionen Euro werden”, weil die Ausgaben für die Oberflächengestaltung noch gar nicht veranschlagt sind, sagt Martin Volkrath, Vize-Fraktionschef der SPD. Angesichts neuer Prognosen, die von deutlich weniger Einnahmen aus der Gewerbesteuer ausgehen, seien solche Summen „ein harter Schlag” für den städtischen Haushalt.

Der Tausendfüßler

Der Tausendfüßler ist seit der Fertigstellung 1962 ein wichtiger Bestandteil der Nord-Süd-Straßenführung. Den Spitznamen aus dem Tierreich haben die Düsseldorfer verliehen, weil die 536 Meter lange Hochstraße auf 21 Stützen ruht. 1993 wurde der Tausendfüßler unter Schutz gestellt und in die Liste der Technischen Denkmäler aufgenommen, einigen gilt er als Stil-Ikone der Düsseldorfer Architektur in den 60er Jahren. Dennoch wurde immer wieder über einen Abriss des Bauwerkes diskutiert, durch die Pläne für den Kö-Bogen erhielt die Debatte neuen Schwung. Im Juni 2012 erteilte das NRW-Verkehrsministerium die Genehmigung für den Abriss. Der sogenannte Ministerentscheid war notwendig geworden, nachdem das Denkmalpflegeamt des Landschaftsverbandes Rheinland fachliche Bedenken hatte, wenn der Düsseldorfer Stadtrat die Entscheidung für oder gegen die Autohochstraße per Mehrheitsentscheid alleine getroffen hätte.

Aktuell ist der Auftrag für den Abriss der Autohochstraße europaweit ausgeschrieben, bis Ende November soll er vergeben sein. Geplant ist, dass die Arbeiten im Februar 2013 beginnen.

Das Dreischeibenhaus

Das Dreischeibenhaus liegt in der Nähe des Hofgartens, direkt daneben werden gerade die Kö-Bogen-Gebäude hochgezogen. Deren Architekt Daniel Libeskind soll über das 1955 errichtete Dreischeibenhaus einmal gesagt haben: „Solche Gebäude kennt man schon, bevor man sie besucht.” Das 94 Meter hohe Büro- und Verwaltungsgebäude gehört jedenfalls zu den bedeutendsten Zeugnissen der Nachkriegsmoderne, als Symbol des Wirtschaftswunders. Seinen Namen hat das Haus der baulichen Gliederung in drei gegeneinander versetzte schmale Scheiben zu verdanken. Nachdem es von der Thyssen AG (später Thyssen-Krupp) gekauft worden war, wurde es auch Thyssen-Haus genannt.

Nachdem Thyssen-Krupp 2010 Düsseldorf verlassen hatte, wurde das Haus für geschätzte 100 Millionen Euro an eine Immobilien-Fonds-Tochter der Deutschen Bank verkauft. Ein Jahr später folgte der Weiterverkauf für jetzt 72 Millionen Euro an die Momeni Projektentwicklung GmbH. Das Unternehmen renoviert das Gebäude vollständig, auf 26 oberirdischen Etagen werden 30.000 Quadratmeter Bürofläche entstehen, Ende 2013 soll alles fertig sein.

Düsseldorf ist seit 2007 schuldenfrei

Seit September 2007 ist Düsseldorf de facto schuldenfrei. Zum einen hängt das damit zusammen, dass Düsseldorf vergleichsweise gewaltige Einnahmen aus Gewerbesteuern hat, zurzeit knapp eine Milliarde Euro pro Jahr. Vergleichbar große Städte wie Dortmund oder Duisburg generieren kaum mehr als 300 Millionen Euro aus Gewerbesteuern. Zum anderen hat sich Düsseldorf mit dem Verkauf städtischen Eigentums entschuldet, insbesondere wurde die Mehrheit der städtischen RWE-Aktien, die Mehrheit der Stadtwerke und des Stadtbahn-Schienennetzes verkauft. Insgesamt flossen so 1,15 Milliarden Euro.

1999 hatte die Stadt noch für 1,6 Milliarden Euro Schulden Zinsen zahlen müssen.

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