bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Die kostenlose Konkurrenz aus dem Uni-Hörsaal

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Köln. Wer mit seinen Nachbarn Streit hat oder glaubt, vom Vermieter über den Tisch gezogen zu werden, der kann bei Benjamin Fadavian anrufen und fragen, was denn da zu machen ist. Kostet ja nichts.

Denn Benjamin Fadavian, 22 Jahre alter Jura-Student aus Aachen, bietet gemeinsam mit zwei Kommilitonen seit eineinhalb Jahren eine studentische Rechtsberatung in Zivilstreitigkeiten an, ohne dafür eine Bezahlung zu verlangen. Offenbar eine Art Marktlücke, denn Fadavian wird derartig mit Anfragen überhäuft, dass ihm und seinen beiden Kommilitonen mittlerweile 90 Jura-Studenten aus ganz Deutschland helfen, die Flut der Fälle zu bewältigen. Eine gute und soziale Idee also, könnte man annehmen.

Das findet Detlev Maschler überhaupt nicht. Maschler ist der Sprecher des Aachener Anwaltvereins, in dem Rechtsanwälte aus den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg und der Städteregion Aachen organisiert sind. Maschler sieht in Fadavians studentischer Rechtsberatung „einen klaren Verstoß gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz“. Nach diesem Gesetz darf rechtliche Beratungen nur durchführen, wer die „Befähigung zum Richteramt“ besitzt. In Deutschland sind das alle, die Jura bis zum Ende studiert haben. Soweit sind Fadavian und seine Kollegen noch nicht; aber vielleicht setzt neben dem finanziellen Aspekt genau diese Tatsache die Hemmschwelle herab, überhaupt Kontakt mit einem Rechtskundigen aufzunehmen. Sollte das wirklich ungesetzlich sein?

Vielleicht – vielleicht aber auch nicht. Denn das Rechtsdienstleistungsgesetz, mit dessen Vorschriften der Aachener Anwaltverein die Ablehnung der studentischen Rechtsberatung begründet, gestattet andererseits eine kostenlose Rechtsberatung dann, wenn sie unter Anleitung eines Juristen stattfindet. In der Tat haben Fadavian und seine beiden Kommilitonen Georg Dietlein und Arwin Fathi sich eine Art Beirat organisiert, der aus sieben Rechtsanwälten und einer Professorin besteht, der die Arbeit der Jura-Studenten betreuen soll. Anwaltvereinssprecher Maschler kann sich dennoch nicht vorstellen, dass aufgrund der Masse der Fälle, zwei bis drei pro Tag, zuletzt sogar noch mehr, die Rechtsanwälte in der Lage sind, sich jedes Falles in der angemessenen Weise anzunehmen. „Meinem Eindruck nach ist das eine gewerbliche Tätigkeit“, sagt Maschler.

Streitwert: bis zu 1000 Euro

An Fadavians Rechtsberatung kann sich nicht jeder wenden, im Wesentlichen werden zivilrechtliche Fälle bearbeitet: Ärger mit der Versicherung, mit dem Telefonanbieter, mit den Nachbarn, diese Dinge. Aber: nur mit einem Streitwert von bis zu 1000 Euro. Denn Fadavian gibt auch zu, dass nicht alle rechtlichen Fragen bezüglich der studentischen Rechtsberatung geklärt sind. Etwa die, wer haftet, wenn ein Mandant aufgrund einer falschen Beratung Geld verliert, zum Beispiel.

Wegen dieser ungeklärten Fragen, die auch der Aachener Anwaltverein stellt, haben die drei Studenten bereits Termine bei der Anwaltskammer Köln gehabt, die die Beratung eigentlich verbieten lassen wollte. Fadavian und seine Kollegen hatten das Glück, dass die Professorin aus ihrem Beirat, Barbara Dauner-Lieb, Lehrstuhlinhaberin an der juristische Fakultät der Uni Köln, sich des Streits annahm und bei der Kammer erwirkte, dass die drei zunächst mal weitermachen dürfen. Der Aachener Anwaltverein erklärte am Dienstag allerdings, dass er gedenke, gegen die studentische Rechtsberatung vorzugehen.

Dauner-Lieb sagt, dass „meine drei Jungs richtig super“ seien, „das Projekt ist toll“. Weil es auch und vor allem „die beste Vorbereitung auf das erste Examen und den späteren Beruf ist“. Also: erst mal weitermachen. Und vielleicht überlegt sich ja der Anwaltverein noch mal, ob er wirklich intervenieren sollte. Fälle bis zu 1000 Euro Streitwert nämlich sind wegen der geringen Honoraraussichten nicht unbedingt die Lieblingsmandate deutscher Rechtsanwälte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert