Köln/Düsseldorf - Die Japanische Evangelische Gemeinde bietet Zusammenhalt und Trost

Die Japanische Evangelische Gemeinde bietet Zusammenhalt und Trost

Von: Gabriele Fritz (epd)
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Köln/Düsseldorf. Sie ist klein, doch sie hält seit Jahren gut zusammen. Die etwa 30 Mitglieder umfassende Japanische Evangelische Gemeinde für den Köln-Bonner Raum bewährt sich umso mehr in Zeiten der Krise.

„Es ist so gut, dass wir hier unsere Gemeinde haben”, sagt Reiko Müller-Shiba vom Gemeindevorstand. Japaner seien auch angesichts der jüngsten Katastrophen wie Erdbeben, Tsunami und Reaktorbedrohung ein eher stilles Volk, das aber stark zusammenhalte. „Wir haben jetzt die gleichen Gedanken, das gibt uns viel Kraft und Mut”, sagt die seit fast 41 Jahren in Deutschland lebende Japanerin.

Das enge Netz hat die japanischen Gemeindeglieder im Rheinland, von denen einige selbst aus dem westfälischen Gütersloh nach Köln zu den Gottesdiensten und Treffen anreisen, schnell zur Tat schreiten lassen. Nach einem Gedenkgottesdienst, zu dem die an der Kölner Dietrich-Bonhoeffer-Kirche beheimatete Gemeinde bereits zwei Tage nach dem Erd- und Seebeben am 11. März einlud, werden nun Geld- und Sachspenden gesammelt

„Unter anderem dringend benötigte Taschenlampen mit Dynamofunktion und Batterien wollen wir nach Miyagi und in weitere benachbarte Präfekturen bringen”, berichtet Müller-Shiba.

Ein Versand über den Postweg in die von Erdbeben und Tsunami völlig zerstörten Gebiete sei bislang unmöglich, schildert sie. Alles sei zerstört, auch das Telefonfestnetz. Doch ein Gemeindeglied ihrer Stammkirche in Japan, der United Church of Christ Japan (UCCJ), sei bereits von Tokio aus in die betroffenen Gebieten an der Nordostküste unterwegs. Mit dessen Hilfe sollen die in Deutschland gesammelten Materialien und Spenden zu den Notleidenden kommen.

„Menschen, die am Atomkraftwerk von Fukushima weiter arbeiten, müssen ihre Familien in den Notunterkünften zurücklassen”, berichtet Müller-Shiba weiter. Auf Bitten einer dort gelegenen japanischen Kirchengemeinde wollten sie nun diese Männer besonders in ihren Gebeten berücksichtigen.

Auch die Worte des katholischen Stadtdechanten Rolf Steinhäuser von Düsseldorf im Rahmen eines ökumenischen Gedenkgottesdienstes am vergangenen Wochenende seien in diesem Zusammenhang tröstlich gewesen, sagt sie. Denn er habe deutlich gemacht, dass Gott überall und für alle Welt da sei.

Die Bedeutung der seit Jahrzehnten bestehenden japanischen Kirchengemeinden im Rheinland als funktionierendes und integrierendes Netzwerk bestätigt der Landespfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland für die „Gemeinden anderer Sprachen und Herkunft”, Markus Schäfer, in Düsseldorf. Neben einer sogenannten freien christlichen Gemeinde in Düsseldorf gebe es eben noch seit 33 Jahren die UCCJ-Gemeinde Köln/Bonn, die mit der rheinischen Landeskirche zusammenarbeitet. „Das ist eine kleine, sehr wertvolle Gemeinde mit regem Engagement”, sagt Schäfer.

Auch wenn die Mitgliederzahl der beiden japanischen evangelischen Gemeinden von jeweils etwa 30 für Außenstehende klein erscheint, spiegelt sie lediglich den Anteil der Christen unter den Japanern von unter einem Prozent wider. Auch in Japan seien evangelische Gemeinden nicht größer, sagt der Düsseldorfer Theologe.

Die große Mehrheit der Japaner gehöre zu den Buddhisten oder Shintoisten. Bundesweit leben schätzungsweise 30.000 Japaner in Deutschland, 12.000 von ihnen in Nordrhein-Westfalen. Allein 8.000 leben in Düsseldorf.

Die Evangelische Kirche im Rheinland stellte gemeinsam mit ihrer Nachbarkirche, der Evangelischen Kirche von Westfalen, und dem internationalen Kirchenbund Vereinte Evangelische Mission (VEM) 30.000 Euro als Nothilfe zur Verfügung. Sie wollen damit unter anderem den Wiederaufbau von mindestens 40 beschädigten und zerstörten Kirchen in den Katastrophengebieten unterstützen. Die Diakonie Katastrophenhilfe kündigte Hilfsmaßnahmen über den Kontakt mit evangelischen Gemeinden in Japan an.

Das tatkräftige Engagement der Köln-Bonner Gemeinde für ihre notleidenden Landsleute scheint, zumindest für Außenstehende, die Sorgen um die eigenen Angehörigen in den Hintergrund zu drängen. „Die Leute erzählen nicht so viel”, umschreibt Reiko Müller-Shiba die zurückhaltende Mentalität der Japaner. Doch sie berichtet von einer Frau aus der Gemeinde, deren gesamte Verwandtschaft väterlicherseits in Fukushima lebt. Und von ihrer eigenen Cousine aus Sendai habe sie seit dem Erdbeben nichts mehr gehört, sagt sie.

Ein politisches Statement mit Blick auf die japanische Energiepolitik will die Japanische Evangelische Gemeinde Köln/Bonn nicht abgeben. Doch für sich persönlich stellt Müller-Shiba klar: „Ich bin immer schon eine Gegnerin von Atomkraft gewesen.”
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