Wassenberg - Die Geschichte vom heilbringenden Wasser

Die Geschichte vom heilbringenden Wasser

Von: Martin Thull
Letzte Aktualisierung:
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Ein schöner Ort: Zum Birgelener Pützchen führt ein Weg im Naturpark Maas-Schwalm-Nette, der mit dem Deutschen Wandersiegel ausgezeichnet worden ist. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Sage niemand, das Oktogon des Aachener Doms sei einmalig. Ein Oktogon weist auch die Wallfahrtskapelle „Birgelener Pützchen“ im Wassenberger Wald auf, allerdings ist dieses Achteck erst im 20. Jahrhundert gebaut worden. Der Ursprung der Kapelle geht aber auf die Anfänge des Christentums im Norden des heutigen Bistums Aachen zurück.

 Der Überlieferung nach wurden hier um das Jahr 700 durch den heiligen Lambertus die ersten Christen am südlichen Niederrhein getauft und wenige Jahre später auf einer nahe gelegenen Anhöhe, auf der heute die Friedhofskapelle steht, eine kleine Holzkirche erbaut. Aachener aufgemerkt: das war vor Karl dem Großen.

Das Wasser des Pützchens – „Pütz“ bedeutet Brunnen – gilt als heilbringend und soll durch viele Mineralien, darunter Siliziumdioxid, besonders Augenleiden lindern. Eine andere Überlieferung berichtet vom heiligen Willibrord, der um das Jahr 705 in Birgelen die Bergkirche, die an der Stelle der heutigen Friedhofskapelle stand, gegründet haben soll. Wie auch immer, dieser Wallfahrtsort kann auf eine lange Tradition verweisen. Die uralte Bergkirche wurde 1825/27 durch einen klassizistischen Neubau im Dorfkern ersetzt, der 1935/37 erweitert und 1965 neu gestaltet wurde.

Wie es zur Errichtung eines ersten Bildstocks mit einem Bildnis der Gottesmutter Maria an dieser Taufstätte kam, berichtet eine alte Legende: Ein Herr von Schlickum war bei der Jagd im Birgelener Wald von einer Bärin lebensgefährlich verletzt worden. Um die Wunden auszuwaschen, suchte sein Jagdgenosse nach Wasser und fand zwischen den Wurzeln einer Eiche eine saubere Quelle. Mit diesem Wasser wusch er die Wunden seines Gefährten aus. Das vermeintliche Wunder geschah: Das Leben des adeligen Herrn wurde gerettet. Zum Dank ließ der wundersam Gerettete kurz darauf am Baum über der Quelle ein Marienbild in einem wetterfesten Kasten anbringen. Immer wieder gab es neue Berichte von weiteren Heilungen und Gebetserhörungen. Die Folge: Zahllose Menschen suchten seit dieser Zeit den Bildstock am Pützchen auf.

Nachdem Birgelen und Wassenberg die Zeit der Revolutionskriege 1793/94 glimpflich überstanden hatten, ließ eine vermögende Frau aus Wassenberg 1795 anstelle des alten Bildstocks ein steinernes Bethäuschen errichten. Der Brunnen wurde um 1850 eingefasst und eine Kapelle darüber gebaut. Der achteckige Hauptraum der Kapelle, also das Oktogon, wurde im Jahre 1933 an die kleine, rechteckige Kapelle aus dem Jahr 1863 angebaut. 1936 wurde der heute noch vorhandene Altar mit dem Gnadenbild im Pützchen aufgestellt.

Die erste urkundlich belegte Pilgerfahrt zum Pützchen erfolgte 1718. Jeweils am ersten Sonntag im Mai findet seit 1928 an der Kapelle der „Pützchenssonntag“ statt. In der Karwoche gehen zahlreiche Pilgergruppen den Kreuzweg zum Birgelener Pützchen. Auf Anregung von Pfarrer Willi Steinrath (1926 – 2009) finden sich jeden Sonntag, Dienstag und Freitag gegen 16 Uhr Gläubige zum Rosenkranzgebet am Pützchen ein.

Infolge einer Brandstiftung im Juli 2009 wurden die Kapelle und der Altar stark beschädigt. Im Frühjahr 2010 konnte der Altar wiederhergestellt und die Brandschäden am Gebäude beseitigt werden. Da es in jüngster Zeit wiederholt zu erheblichen Zerstörungen am Pützchen gekommen ist, wurde die Kapelle 2010 mit einem schmiedeeisernen Türgitter versehen. Mit vorübergehendem Erfolg: im Mai 2013 haben nächtliche Randalierer erneut erhebliche Schäden in der Wallfahrtskapelle angerichtet. „Um Geld ging’s diesmal nicht, der Opferstock ist unversehrt. Es ging um reine Zerstörungswut“, sagte Frajo Beckers, Vorsitzender des Kapellenvereins.

Die Unbekannten hinterließen ein Trümmerfeld. Marmortafeln, auf denen Gläubige der Gottesmutter für Gebetserhörung oder Heilung von schwerer Krankheit danken, lagen zerschlagen am Boden. Die Hoffnung auf himmlischen Schutz allein reicht offenkundig nicht aus.

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