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Die Ganoven wollen nur eins: Den Autoschlüssel

Von: Sarah Sillius
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Sie kommen meist in der Nacht
Sie kommen meist in der Nacht und haben ihr Ziel zuvor genau ausgespäht: Homejacker haben Konjunktur. Foto: imago/image broker/Niehoff

Aachen. Als Christiane H. am Morgen des 2. Juli aus dem Bett aufstand und die Treppe herunterkam, traute sie ihren Augen kaum. „Die Haustür stand auf, die Schubladen des Telefontisches waren aufgerissen, meine Handtasche und all unsere Schlüssel waren weg”, erinnert sie sich.

Als sie dann nach draußen ging, traf sie ihre Nachbarin. Die hatte Kundenkarten von ihr auf dem Gehweg gefunden. Dann sah Christiane H. die offene Garage - leer. Der darin geparkte Audi A.6 war verschwunden, und ihr wurde langsam klar: Hier waren Homejacker am Werk.

Wie bei diesem Fall in Aachen-Richterich kommen die Täter häufig zwischen zwei und fünf Uhr morgens. Mit Werkzeugen oder mit Gewalt dringen sie meist unbemerkt durch Fenster, Türen und Lichtschächte ins Haus oder in die Wohnung ein. In den meisten Fällen hebeln sie die Türen auf. So wie bei Familie H. Die Homejacker entwenden Autoschlüssel, manchmal auch weitere Sachen, und verschwinden wieder - mit dem Auto des Eigentümers, das er vor der Tür oder in der Garage geparkt hatte.

Lohnende Alternative

Homejacking: ein Delikt, das erst in letzter Zeit verstärkt auftritt. Das Landeskriminalamt in Düsseldorf vermutet: Die Wegfahrsperren in neuen Automodellen haben es den potenziellen Dieben schwer gemacht, ein Auto zu stehlen. Der Dreh mit dem geklauten Autoschlüssel scheint deshalb eine attraktive Alternative geworden zu sein.

Die Polizei unterscheidet zwischen versuchten und vollendeten Fällen. Bei vollendeten werden Autos von den Tätern gestohlen, bei versuchten konnten sie entweder nicht ins Haus gelangen, um die Autoschlüssel zu entwenden, sie fanden die Schlüssel nicht oder aber sie wurden von den Bewohnern beobachtet und flüchteten.

„Seit Anfang Mai gab es in der Städteregion 15 vollendete Fälle, insgesamt wurden 19 Autos gestohlen”, berichtet Sandra Schmitz von der Pressestelle der Polizei Aachen Mitte vergangener Woche. Dabei sei ein Sachschaden im sechsstelligen Bereich entstanden. Aktuelle Angaben über die Zahl der Fälle wollte die Staatsanwaltschaft Aachen aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen.

„Weil sich die Taten zwischen zwei und fünf Uhr morgens ereignet haben, schliefen die meisten Opfer zur Zeit des Einbruchs”, sagt Polizeisprecherin Schmitz. Nur in Einzelfällen hätten Betroffene die Täter beobachten, sie vom Diebstahl abhalten oder Hinweise an die Polizei weitergeben können.

Den Wachhund betäubt

Auch Christiane H. und ihre Kinder haben während der Tatzeit fest geschlafen, der Ehemann befand sich auf einer Dienstreise. Selbst der Hund der Familie hatte von dem Einbruch nichts bemerkt, was allerdings auf eine Krankheit des Tieres, und nicht - wie zuallererst vermutet - auf eine Vergiftung durch die Täter zurückzuführen war. Bei einem ähnlichen Fall in Monschau-Mützenich Ende Mai war nämlich ein wachender Schäferhund von den Einbrechern betäubt worden. In der Nacht zum 7. Juli gab es drei versuchte Fälle in Eschweiler-Hehlrath und einen vollendeten Fall in Aachen-Schmithof, bei dem ein BMW gestohlen wurde. Wegen der Häufung der Delikte in der Städteregion hat das Polizeipräsidium Aachen eine Ermittlungskommission eingerichtet, die sich speziell um Homejacking kümmert.

Die Fälle verteilen sich auf die gesamte Städteregion, nicht aber über deren Grenzen hinaus. Allerdings: Bevor sich die Delikte in Aachen, Alsdorf, Würselen, Herzogenrath oder Monschau häuften, hat es bereits eine Serie von Homejacking beziehungsweise von entsprechenden Versuchen im Kreis Heinsberg gegeben. Das berichtet Wilfried Peters von der Polizeipressestelle in Heinsberg: „Bis vor drei Monaten hatten wir verstärkt, fast täglich, mit solchen Fällen zu tun.”

Insgesamt habe es 25 Fälle von versuchtem Homejacking gegeben. Zum Autodiebstahl kam es dabei allerdings nur zweimal. An einem Tatort in Hückelhoven-Millich wurde ein Auto gestohlen, das später in den Niederlanden aufgefunden wurde. Bei einem anderen Delikt in Heinsberg wurde das dort gestohlene Cabrio wenige Meter vom Tatort wieder abgestellt und zurückgelassen. Mittlerweile ist im Kreis Heinsberg Ruhe eingekehrt. „Anscheinend haben die Täter hier nun alles abgegrast”, vermutet Peters.

„Im Kreis Düren ist das Delikt bislang gänzlich unauffällig”, versichert Willi Jörres, Pressesprecher der Polizei Düren. Vor zwei Wochen habe es lediglich einen Fall in Jülich gegeben, der allerdings etwas untypisch für das Profil der Homejacking-Fälle sei. „Hier wurde zwar ins Haus eingebrochen, der Schlüssel und das Auto geklaut, aber es handelte sich um ein Kleinfahrzeug.” Untypisch ist das, weil es die Täter vor allem auf hochwertige, größere Autos abgesehen haben, heißt es. Inzwischen wurden in der Städteregion aber auch ältere Autos gestohlen, wie etwa zwei kleine acht und neun Jahre alte Lieferwagen.

In der Regel machen sich die Täter in gehobener Wohnlage mit freistehenden Häusern auf Beutejagd. Dort, wo es eine gute Verkehrs-, am besten eine Autobahnanbindung gibt. Die Konzentration der Fälle in der Städteregion Aachen lässt vermuten, dass die Täter die geklauten Autos über die Grenze ins benachbarte Ausland verschieben. Die hohe Quote der dort vollendeten Fälle lässt zum anderen den Verdacht zu, dass es sich - im Vergleich zu den Autoklauern im Kreis Heinsberg - um professionelle Täter handelt. Die Vermutung, dass es sich um organisierte Banden handelt, will die Polizei noch nicht bestätigen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen sind Homejacker allerdings selten alleine unterwegs.

Wie kann man sich vor der Gefahr schützen? Polizeisprecherin Sandra Schmitz rät vor allem dazu, die Haustüren zu verschließen. Wenn Türen nur ins Schloss gezogen, aber nicht abgeschlossen sind, stoßen die Einbrecher beim Anbohren oder Aufhebeln der Türen auf kein großes Hindernis. Nachweislich hätten in vielen Fällen die vollendeten Taten verhindert werden können, wenn die Türen abgeschlossen gewesen wären, berichtet die Polizei Aachen. Auch im Fall von Familie H. aus Aachen-Richterich: „Wir haben zwar eine sichere Haustür, doch sie war nicht abgeschlossen”, ärgert sich Opfer Christiane H. im Nachhinein. Das wird der Familie nicht noch einmal passieren. „Wir sind alle sensibilisiert und in Hab-Acht-Stellung.”

Polizei bittet um Mithilfe

Denn: Vor dem Diebstahl erkunden die Täter ihre potenzielle Beute, den Parkplatz und Besitzer des Autos. Es soll keine übertriebene Sorge aufkommen. Allerdings appelliert die Polizei an die Bevölkerung, bei der Aufklärung der Fälle mitzuhelfen.

Verdächtige Beobachtungen, wie etwa das Ausbaldowern von ganzen Straßenzügen, sollten direkt bei der Ermittlungskommission 0241/957731050 oder der Kriminalwache 0241/957734219 gemeldet werden.

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