Berlin/Aachen - Die deutschen Zoos sehen sich in der Existenz bedroht

Die deutschen Zoos sehen sich in der Existenz bedroht

Von: Rena Lehmann
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Unser Symbolbild zeigt zwei Erdmännchen. Haben sie bald mehr Platz in größeren Gehegen? Deutsche Zoos beklagen das Gutachten des Landwirtschaftsministeriums.

Berlin/Aachen. Zoodirektoren in Deutschland laufen Sturm gegen ein neues Gutachten der Bundesregierung. Sie sehen sich in ihrer Existenz bedroht, weil die Vorgaben zu Käfig- und Gehegegrößen aus ihrer Sicht „völlig überzogen“ sind. Tierschützer und Zoobetreiber stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Inzwischen wird es aber immer unwahrscheinlicher, dass es vor der Bundestagswahl überhaupt noch zu einer Einigung über das Gutachten kommt.

Die Tierschutzpolitikerin Undine Kurth (Grüne) wirft dem Ministerium vor, sich nicht genügend um eine Einigung der Gutachter bemüht zu haben. „Wir haben nichts gegen Zoos. Sie sind Bildungseinrichtungen“, meint Kurth. Über den Tierschutz dürfe aber auch nicht „nach Kassenlage“ entschieden werden. Sie hält etwa die Haltung von Delfinen und Eisbären in Gefangenschaft für „fragwürdig“. Die Grünen waren mit dem Vorhaben gescheitert, die Delfinhaltung in Deutschland nur noch unter sehr strengen Auflagen zu erlauben.

Man sollte es nicht übertreiben, sondern „die Fachleute in den Zoos ausreichend dazu hören“, meint der tierschutzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Dieter Stier. Im Grunde sind zwar alle Parteien der Ansicht, dass die Vorgaben des letzten Gutachtens von 1996 inzwischen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse überholt sind. In Deutschland gibt es rund 400 Zoologische Gärten und ähnliche Einrichtungen, in denen Tiere gezeigt werden. Der Entwurf des mehr als 192 Seiten starken neuen Gutachtens regelt die Haltung exotischer Tiere teils bis ins Detail neu – vom Hamster bis zur Giraffe. „Das ist ein erster Schritt dahin, die Zootierhaltung unmöglich zu machen“, meint der Neuwieder Zoodirektor Mirko Thiel. Dem Entwurf zufolge müssten in Neuwied etwa die Stallungen für die Känguruh-Herde um 350 Quadratmeter vergrößert werden. Im zuständigen Bundesministerium für Landwirtschaft ist man bemüht, die Wogen zu glätten. Derzeit werde das Gutachten noch „überarbeitet“, heißt es.

Die Leiter Zoologischer Gärten in unserer Region haben von der Entwicklung noch nichts mitbekommen: Erwin Jansen, Leiter des Wildgeheges in Gangelt, hat eben- so wenig davon gehört wie Stefan Heffels vom Tierpark Alsdorf. Mounira Bishara-Rizk, Leiterin des Amtes für Veterinärwesen im Kreis Düren: „Bisher liegt uns zu der Thematik lediglich ein Entwurf vor, der aber noch im Detail geprüft werden muss.“

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