Die Angst vorm Einparken: Rentner zeigt, wies geht

Von: Denise Donnebaum, dpa
Letzte Aktualisierung:
Einparkkurs
Der 75-jährige Fahrlehrer im Ruhestand, Josef Steinkamp (l.), zeigt, wie man richtig einparkt. Steinkamp hat seit 1998 rund 250 ADAC Einpark-Kurse gegeben. Foto: dpa

Düsseldorf. Häme von Passanten, Stress mit hupenden Rivalen, und wenns ganz daneben geht: eine Schramme im Lack: Das Einparken in Großstädten gehört heutzutage zum Alltagskampf oder - krampf des mobilen Menschen.

Verzweifelten Autofahrern - und das sind Männer wie Frauen, Rentner wie Studenten - bietet der ADAC Nordrhein Hilfe mit einem „Einparkkurs”. Den entscheidenden Tipp gibt ihnen der pensionierte Fahrlehrer Josef Steinkamp: „Gegenlenken - und zwar immer dahin, wo ihr gleich hinwollt.”

„Ich möchte ihnen das Lachen verderben - den Leuten, die mit einem hämischen Gesichtsausdruck am Straßenrand stehen und sich auf das Schauspiel freuen, wenn eine ältere Dame einparkt”, sagt die 68- jährige Kurs-Teilnehmerin Edith Wright. Die Dolmetscherin im Ruhestand fährt seit einem halben Jahrhundert Auto, und doch fühlt sie sich beim Einparken manchmal unsicher. „Gut Parken ist chic”, findet sie.

Fünf Frauen und drei Männer haben sich zu einer Nachhilfestunde in Sachen Einparken um den 75-jährigen Steinkamp herum versammelt. Sie schauen gebannt auf seine Modellplatte mit Spielzeugautos. Zumindest bei der Trockenübung en miniature ist es ganz einfach: seitlich vorwärts, seitlich rückwärts oder direkt in die Lücke manövrieren - kein Fahrzeug kommt dabei zu Schaden. Dann aber geht es auf einem Düsseldorfer Parkplatz an die Praxis.

Wright startet ihren nicht eben kleinen Van mit Fahrradaufsatz am Heck und fährt mutig, wenn auch etwas ruckelig auf die Parklücke zu - die ist immerhin fast sieben Meter breit. Vier rote Verkehrshütchen begrenzen die Ecken der Test-Lücke. „Bis zum Anschlag lenken, nicht so schnell”, ruft ihr Fahrlehrer Steinkamp zu. Ein hinteres Verkehrshütchen fällt um. Wright versucht es noch einmal und noch einmal. Beim vierten Versuch schafft sie es. Die anderen sieben Kursteilnehmer applaudieren ihr aufmunternd zu.

Nicht nur ältere Damen machen mit. Der jüngste im Bunde, ein 20- jähriger Student, nimmt - auf Anraten seines Vaters - auch am Kurs teil. „Ich traue mich nicht in kleine Parklücken - seitdem ich aber in Düsseldorf lebe, muss ich nehmen, was kommt”, klagt der gebürtige Monheimer. Er hofft auf ein Erfolgserlebnis nach dem Kurs: „Mit einem Zug nur fünf Zentimeter vom Bordstein parken.”

Steinkamps Fazit: „Ein Drittel kapiert es sofort, ein Drittel muss nur etwas üben, und das letzte Drittel der Teilnehmer kommt wieder.” Steinkamp hat seit 1998 rund 250 Einparkkurse geleitet und tausenden Autofahrern die Angst vor der Lücke zu nehmen versucht. Bei seinen Schülern kommt immer wieder Gelächter auf, wenn der Rentner seine Ratschläge mit Anekdoten aus 50 Jahren Fahrlehrer-Erfahrung ausmalt.

Seinen Schülern rät er zum Beispiel dazu, sich durch hektische und hupende Autofahrer beim Parken nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Bloß nicht überlegen, was die sich denken. „So schnell denken Autofahrer nämlich nicht.”

Nach zwei Stunden nähert sich der Kurs dem Ende. Steinkamp steht mit den letzten zwei Verbliebenen am Rande der Sieben-Meter- Parklücke. „Irgendwann fährt mich noch einer über den Haufen, das sehe ich kommen”, sagt er und lacht. Auch diesmal hat sich seine Erfahrung bewahrheitet. „Ein Drittel hat es noch nicht ganz kapiert.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert