Deutscher Lehrerpreis auch für Gymnasium St. Leonhard in Aachen

Star Wars Alden Ehrenreich Solo Freisteller Kino

Deutscher Lehrerpreis auch für Aachener Gymnasium

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
Lehrerpreis
Die „Erfinderin“ der länderübergreifenden Videokonferenzen: Adriane Langela-Bickenbach. Foto: Harald Krömer
Lehrerin Adriane Langela-Bickenbach und Schulleiter Stefan Menzel
Schulleiter Stefan Menzel und die „Erfinderin“ der länderübergreifenden Videokonferenzen, Lehrerin Adriane Langela-Bickenbach, nahmen den mit 5000 Euro dotierten Preis am Montag in Berlin entgegen.

Aachen. Wer in Aachen Niederländisch lernt, muss sich nur mal eben über die Grenze begeben und kann seine Sprachkünste im echten niederländischen Leben ausprobieren. Ganze Schulklassen regelmäßig über die Grenze zu bringen, ist im normalen Schulbetrieb nicht wirklich drin. Das Gymnasium St. Leonhard kriegt es trotzdem hin.

Regelmäßig unterhalten sich die Niederländisch-Schüler mit „Kollegen“ ihrer Partnerschule, dem Sophianum im niederländischen Gulpen – per Videokonferenz. Für diese zukunftsweisende Initiative hat die Schule am Montag den Deutschen Lehrerpreis erhalten.

Das Projekt mit dem Titel „Glas“ wurde mit dem ersten Preis in der Kategorie „Unterricht innovativ“ ausgezeichnet. Schulleiter Stefan Menzel und die „Erfinderin“ der länderübergreifenden Videokonferenzen, Lehrerin Adriane Langela-Bickenbach, nahmen den mit 5000 Euro dotierten Preis am Montag in Berlin entgegen. Der Projektname „Glas“ steht für die Anfangsbuchstaben der Teilnehmer: Gulpen, Leonhard, Aachen und Sophianum. Beim Deutschen Lehrerpreis 2017 gingen insgesamt 21 Auszeichnungen an Pädagogen und Projekte aus neun Bundesländern. Der Lehrerpreis ist eine Initiative der Vodafone Stiftung Deutschland und des Deutschen Philologenverbands.

Adriane Langela-Bickenbach ist Lehrerin für Niederländisch und Englisch. Digitale Medien, ist sie überzeugt, bieten im Fremdsprachenunterricht riesige Chancen. Die Videokonferenzen am Leo versetzen Schüler in „authentische Situationen“, in denen sie die Fremdsprache benutzen. Echtes Leben eben. Mit echten Menschen als Gesprächspartner.

Wie in einer internationalen Firma

Mit Fördermitteln und Sponsorengeldern hat die Schule bereits 2014 einen Fachraum für die Videokonferenzen einrichten können, ausgestattet mit internetfähigem Computer, Webcam, Bildschirm und Whiteboard. Und wie in jeder Firma, die mit Partnern in aller Welt per Videoschalte konferiert, sitzen die Niederländisch-Schüler vom Leo um den Konferenztisch und reden.

Die Themen sind vorbereitet, die Fragen für den Einstieg auch. Schließlich geht es um Anfängerunterricht in einer Fremdsprache. Und in der Videokonferenz treffen zwei Lerngruppen mit zwei unterschiedlichen Lernzielen und zwei Muttersprachen aufeinander. „Aber Ängste werden ganz schnell abgebaut, und alle Teilnehmer in der Runde kommen zum Sprechen“, stellt die Lehrerin zufrieden fest. Die Schüler, erzählt sie, warteten mittlerweile immer ungeduldig auf die nächste Videokonferenz. Und das Wahlpflichtfach Niederländisch boomt wie noch nie an der Schule. „In diesem Jahr mussten wir erstmals Interessenten abweisen“, berichtet Langela-Bickenbach.

Bei den deutsch-niederländischen Videokonferenzen geht es um viel mehr als Sprache. Es geht auch um den Erwerb von kommunikativer und medialer Kompetenz – und um interkulturelle Handlungsfähigkeit, erläutert Langela-Bickenbach. Die jungen Leute aus Aachen lernen im Gespräch Alltag und Kultur ihrer Altersgenossen jenseits der Grenze kennen. Sie reden über Essgewohnheiten und über Festtage (Sinter­klaas und Nikolaus), sie reden über Schulfächer und Schulregeln – und über Mediennutzung. Die jungen Deutschen stellen zum Beispiel erstaunt fest, dass die Niederländer ganz selbstverständlich mit ihren Smartphones im Unterricht sitzen. Und die Niederländer staunen, dass die Deutschen keine dabei haben, und fragen nach, wie man in der Schule denn ohne Handy vernünftig lernen soll.

Der Projektname „Glas“ passt auch inhaltlich. „Wie mit dem Blick durch eine Glasscheibe hindurch kann man Gemeinsamkeiten und Unterschiede verständlich machen“, sagt die Initiatorin des Projekts.

Auch für Englisch und Spanisch

Die Videokonferenzen funktionieren auch in anderen Fächern ganz wunderbar. Im Englischunterricht an St. Leonhard gibt es mittlerweile auch Videokontakte zur Partnerschule in London. Und die Spanischlehrerin hat schon mehrfach Experten per Videokonferenz in den Unterricht geholt – sogar aus Mexiko. Die Kontakte der Schüler über die Grenzen hinweg haben sich indes längst verselbstständigt. Die jungen Leute stehen auch in ihrer Freizeit über die sozialen Netzwerke in Kontakt.

Bei aller Freude über die Auszeichnung und das Preisgeld sagt Adriane Langela-Bickenbach: „Für mich ist das Wichtigste, dass noch mehr Lehrer erfahren, wie sie ihren Schülern die Möglichkeit geben können, zeitgemäß zu kommunizieren.“

Prof. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, formuliert das am Montag bei der Preisverleihung in Berlin ganz ähnlich. Sie würdigt das „Glas“-Projekt als „kluge, im Lehrerteam entwickelte Idee, die kontinuierlich und unaufwändig zwischen Schülergruppen im In- und Ausland in der Schule umgesetzt werden kann“. Und weiter: „Ein Projekt, das sich ausgezeichnet dafür eignet, von anderen Schulen übernommen zu werden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert