Der Vertrag der „Erbfeinde“ hält bereits seit 50 Jahren

Von: André Schaefer
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50 Jahre Elysée-Vertrag: Rund 200 Schüler verfolgten im Aachener Krönungssaal die von Nils Thieben (r.) moderierte Gesprächsrunde mit Ex-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (v. l.), Politologe Ingo Espenschied und Botschafter S.E. Maurice Gourdault-Montagne. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. An die historische Stunde der Vertragsunterzeichnung kann sich von den rund 200 Schülern im Aachener Krönungssaal natürlich niemand erinnern. Selbst ihren Eltern dürfte der Moment kaum noch präsent sein. Schließlich ist es bereits 50 Jahre her, dass Kanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles des Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichneten.

Dieses Jubiläum nahmen am Dienstag im Rahmen des Jugendpolitiktages die Schüler zum Anlass, über die Bedeutung des deutsch-französischen Tandems zu diskutieren.

Mehrmals im Jahr lädt die Konrad-Adenauer-Stiftung an verschiedenen Orten zum Jugendpolitiktag ein, diesmal zusammen mit der Europäischen Stiftung Aachener Dom zum zweiten Mal in Aachen. „Der 1200. Todestag Karls des Großen im kommenden Jahr ist ein passender Anlass, den 50. Geburtstag des Elysée-Vertrags an einem Ort wie Aachen zu würdigen, der bekanntlich eine deutsch-französische Geschichte besitzt“, sagte Melanie Piepenschneider, Leiterin der Stiftungs-Abteilung Politische Bildung.

Schulen aus Köln, Mönchengladbach und Jülich waren der Einladung ebenso gefolgt wie Schüler des Aachener Pius-Gymnasiums. „Ich finde es bemerkenswert, wie viele Schüler sich mit der historischen Bedeutung des Vertrags auseinandersetzen“, freute sich Piepenschneider.

Wem der historische Kontext nicht präsent war, dem half Jürgen Rüttgers, früherer NRW-Ministerpräsident und nun Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung „Bundeskanzler-Adenauer-Haus“, auf die Sprünge: „Wenn zwei langjährige Erbfeinde einen Freundschaftsvertrag unterzeichnen, ist das etwas Besonderes – erst Recht, wenn dieser Vertrag 50 Jahre später für Gesamteuropa noch eine enorme Bedeutung besitzt.“ Gerade die Generation von morgen müsse nun dafür sorgen, dass dieses Fundament weiter lebt, betonte er und appellierte an die Schüler, den Vertrag zwischen beiden Ländern auch in Zukunft als wichtigen Bestandteil eines vereinten Europas anzusehen.

In einem politischen Gespräch, moderiert von Nils Thieben, Juniorbotschafter des Deutsch-Französischen Jugendwerkes, skizzierten auch Frankreichs Botschafter in Deutschland, Maurice Gourdault-Montagne, sowie der Politologe und Journalist Ingo Espenschied ihre Vision von einer deutsch-französischen Partnerschaft im Jahr 2063. „Ich würde mir wünschen, dass wir in 50 Jahren von den vereinigten Staaten Europas sprechen können. Die deutsch-französischen Beziehungen werden dabei von enormer Bedeutung sein, denn beide sind zusammen in der Lage, in Zeiten der Krise voranzugehen“, betonte der Botschafter.

Weihbischof Gerd Dicke hatte die Schüler zuvor im Aachener Dom zum Wortgottesdienst begrüßt. Im Anschluss an die Diskussionsrunde nahm Espenschied die Schüler mit auf eine multimediale Zeitreise „50 Jahre Elysée-Vertrag“.

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