Der tiefe Fall einer belgischen Symbolfigur

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Victor Hissel Foto: dpa
Der Lütticher Anwalt und Aktivist gegen Kindesmissbrauch Victor Hissel wird wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilt. Foto: dpa

Aachen/Lüttich. Der Lütticher Rechtsanwalt Victor Hissel ist wegen Besitzes von kinderpronografischem Material in zweiter Instanz zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Der Lütticher Appellationshof sieht es als erwiesen an, dass Hissel zwischen 2005 und 2008 Internetseiten besucht habe, auf denen Fotos mit pädophilen Handlungen zu sehen sind. Geld habe Hissel für das Herunterladen allerdings nicht ausgegeben. Belgischen Zeitungsberichten zufolge soll Hissel mehr als 7500 Bilder kinderpornografischen Inhalts im Internet angesehen haben.

Hissel gehört zu den prominentesten Strafverteidigern in Belgien, seit er im Prozess gegen den Mörder und Kinderschänder Marc Dutroux die Eltern zweier Opfer in der Nebenklage vertrat. Im Moment vertritt er unter anderem den dreifachen Aachener Mörder Bruno W., dessen vorübergehende Freilassung aus einem Gefängnis in Verviers er vergangene Woche erwirkte.

Während des Prozesses gegen Marc Dutroux war Hissel zu einer Symbolfigur für den Kampf gegen die Unfähigkeit von Polizei und Justizbehörden geworden. 1998 hatte er sein Mandat niedergelegt, weil er wegen seines Engagements wiederholt bedroht und eingeschüchtert worden sein soll. „Hissel war ein bekannter Aktivist gegen Kindesmissbrauch, er hatte die Aura eines Helden”, sagte Dirk Depover von der Kinderschutzorganisation „Child Focus” vergangenes Jahr in einem Interview. Dass der Mann, der vor Gericht für die Verurteilung des Kinderschänders Dutroux kämpfte, selbst offenbar pädophile Neigungen hat, war für viele in Belgien ein Schock.

Nachdem dies öffentlich geworden war, versuchte Hissels Sohn 2009, ihn mit einem Messer zu ermorden und verletzte ihn schwer. Der Sohn hatte später vor Gericht als Motiv angegeben, sein Vater habe sein Leben verpfuscht. Das Gericht kam zu der Überzeugung, der Sohn sei bei Ausübung der Tat nicht zurechnungsfähig gewesen.

In erster Instanz war Hissel vergangenen Herbst zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Dagegen war er in Berufung gegangen. Ihm steht nun noch die Möglichkeit offen, auch gegen das Urteil in zweiter Instanz vorzugehen, indem er bis zum 7. Juni das oberste belgische Gericht anruft, den Kassationshof in Brüssel. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Hissel, über diese Möglichkeit noch nicht entschieden zu haben. Trotz Hissels Verurteilung bleibt er zunächst Verteidiger von Bruno W., zumindest bis der Kassationshof, würde der Fall dort weitergehen, Hissels Schuld in letzter Instanz bestätigte.
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