Der Stau bleibt rund um Köln ein treuer Begleiter

Von: Christian Deppe und Thorsten Pracht
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Ab heute achtspurig befahrbar:
Ab heute achtspurig befahrbar: Das 2,3 Kilometer lange Teilstück der A 3 zwischen Dellbrück und Mülheim ist fertiggestellt. Foto: dpa

Köln. Das dürfte so manchen Autofahrer freuen: Am Samstag wird in der Anschlussstelle Köln-Lövenich die Auffahrt auf die A 1 in Richtung Dortmund zumindest tagsüber wieder geöffnet. Für Pendler, die aus Aachen, Eschweiler oder Düren über die A 4 kommend in Richtung Norden fahren wollen, endet damit die Zeit der lästigen Umfahrungen noch nicht, da die direkte Überfahrt von der A 4 in Richtung Dortmund weiterhin gesperrt bleibt.

Daher tritt Laurenz Braunisch vom Landesbetrieb Straßenbau NRW auch auf die Euphoriebremse: „Das ist nur eine punktuelle Verbesserung.” Schließlich wird auf dem Kölner Autobahnring weiter fleißig gearbeitet.

Seit September 2011 ist die Überleitung im Kreuz Köln-West gesperrt. Grund dafür sind die Arbeiten am Lärmschutztunnel, in den die A 1 zwischen dem West-Kreuz und der Brücke über die Bahnstrecke Aachen-Köln gekleidet wird. Der Tunnel war die Voraussetzung dafür, dass die Autobahn an dieser Stelle überhaupt sechsspurig ausgebaut werden durfte. Anwohner hatten dies erwirkt.

Die seit fünf Jahren laufenden Arbeiten sollen Ende 2012 endlich abgeschlossen sein. Knapp 150 Millionen Euro werden sie dann verschlungen haben. „Ein Tunnel ist die effektivste Form der Lärmdrosselung, aber auch die teuerste”, erklärt Braunisch. Hinzu kommt, dass sich während der Bauphase die Ansprüche hinsichtlich der Sicherheitsausstattung verändert haben - es musste massiv umgeplant werden.

Schon am heutigen Donnerstag wird in der unendlichen Baustellen-Geschichte auf dem Kölner Autobahnring ein weiteres Zwischenziel erreicht. Auf der A 3 im Osten wird der auf acht Spuren erweiterte Abschnitt zwischen Dellbrück und Mülheim für den Verkehr freigegeben. Doch das ist eben nur eine Baustelle von vielen.

Im Radio ist der 52 Kilometer lange Ring ein Dauerbrenner. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Blechlawine zum Stillstand zu kommen, ist in NRW nirgends größer als hier. Denn als zentrale Schnittstelle von drei hochfrequentierten Autobahnen gehört er nicht nur zu den meistbefahrenen, sondern auch zu den stauanfälligsten Straßen der Bundesrepublik.

Die „Drehscheibe Europas” besteht aus Abschnitten der A 1, der A 4 und der A 3, deren Teilstück zwischen Leverkusen und Köln-Mülheim 1936 als erstes fertiggestellt wurde. Mit dem Bau der Rodenkirchener Rheinbrücke wurde 1941 die Verbindung zur heutigen A 555 zwischen Köln und Bonn geschaffen. Der Abschnitt zwischen den Kreuzen Köln-Süd und Köln-West wurde 1958 für den Verkehr freigegeben. 1965 schloss sich der Kreis mit dem Bau der A 1 im Kölner Westen und der Leverkusener Rheinbrücke.

Dass sich auf der A 3 und der A 4 der Verkehr nur wenig später teilweise fast mehr als verdoppelt hatte, verdeutlicht, in welchem Umfang der Ring schon damals Verteilerfunktion für die Verkehrsströme in und um Köln übernommen hatte. Schon in den 60er Jahren wurde über eine Erweiterung des Querschnitts von vier auf sechs Streifen nachgedacht und diese ab 1970 nach und nach überall umgesetzt. Die Spuren nahmen zu, der Verkehr auch. Als erster achtstreifiger Autobahnabschnitt in NRW wurde 2005 das Teilstück der A 3/A 4 zwischen Kreuz Köln-Ost und Dreieck Heumar für den Verkehr freigegeben.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat jüngst nachgezählt: Nur auf der Berliner Stadtautobahn ist sie auf mehr Autos gekommen als auf der A 3, wo zwischen Köln-Ost und Heumar täglich 166 000 Fahrzeuge hin und her fahren. Unter den Top Ten der Staufallen in NRW steht die Strecke auf Platz eins. Nach einer Studie gehen 9,4 Prozent der landesweiten Staus allein auf das Konto dieses Abschnitts. Auf dem gesamten Kölner Ring stehen demnach die Autos jährlich rund 1000 Stunden still.

Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Bis Herbst 2014 erhält das sechsspurige Teilstück der A 1 zwischen Bocklemünd und dem Kreuz Köln-Nord neue Standstreifen. Dann wechselt die Baustelle auf die andere Rheinseite, wo auf der A 3 zwischen Mülheim und der Anschlussstelle Leverkusen der nächste Ausbauabschnitt beginnt. Zudem warten auch noch die Autobahnkreuze Köln-Nord und -Süd auf ihre Modernisierung.

Mindestens 500 Millionen Euro werden auf diese Weise noch verbaut. „Es gibt noch eine Menge zu tun, und die Autofahrer auf der Strecke werden wohl noch so manches Päckchen zu tragen haben”, befürchtet Braunisch. Der Stau gehört auf dem Kölner Autobahnring also weiter zum Tagesgeschäft.
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