Köln - Der Kölner Dom und die größte Maschine des Mittelalters

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Der Kölner Dom und die größte Maschine des Mittelalters

Von: Christina Horsten, dpa
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Mittelalterlicher Kran auf dem Südturm des Doms
Ein mittelalterlicher Kran steht auf dem Südturm der Baustelle des Kölner Doms (Dombauarchiv, 1868). Fast 500 Jahre lang war nicht der Dom das Wahrzeichen Kölns - sondern der Kran, mit dem das weltberühmte Gotteshaus gebaut wurde. Foto: dpa

Köln. Dass dieser Stuhl einmal Teil eines Baukrans war, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen: Dunkles Holz, kunstvoll geschnitzt, leicht abgenutzte orange-blau-grüne Polster mit Rautenmuster. „Wunderbar”, findet Klaus Hardering, Leiter des Kölner Dombauarchivs.

Das geschichtsträchtige Souvenir ist aus dem Holz des Krans geschnitzt, mit dem beim Bau des Kölner Doms die einzelnen Steine in die Höhe gezogen wurden. Bis vor wenigen Monaten saß noch regelmäßig eine alte Dame in einem kleinen spanischen Dorf auf der Antiquität - jetzt ist das Stück zurück an seinem Ursprungsort in Köln.

Fast 500 Jahre lang stand der Kran im Zentrum von Köln auf der Baustelle des Domes, der heute zum Weltkulturerbe zählt. „Der Kran war die größte technische Maschine des Mittelalters”, sagt der Architekt und ehemalige Kölner Dombaumeister, Arnold Wolff. „Jahrhundertelang war er das Wahrzeichen der Stadt und zugleich ein Symbol, dass der Bau des Gotteshauses nur unterbrochen war.”

Die durch Treträder angetriebene Holzkonstruktion entstand wahrscheinlich um das Jahr 1350, als mit dem Bau des Südturms begonnen wurde. Der 25 Meter hohe Kran konnte bis zu zwei Tonnen schwere Ladungen hochheben. Als Anfang des 19. Jahrhunderts der Ausleger des Krans aus Sicherheitsgründen abmontiert werden musste, hätten die Kölner heftigst protestiert, sagt Wolff. „Als dann ein neuer Schnabel am Kran angebracht wurde, war die Volksseele beruhigt.”

Auch Schriftsteller ließen sich vom Domkran inspirieren. Den „immerwährenden Kran” nannte ihn Herman Melville in seinem Tagebuch und erwähnte ihn später in seinem berühmten Roman „Moby Dick”. Zu seinem letzten Einsatz kam der Kran bei der Grundsteinlegung zum Weiterbau des Domes, Mitte des 19. Jahrhunderts. 1868 wurde die Konstruktion abgebaut - wenige Jahre bevor der Schlussstein in den Südturm eingesetzt wurde.

Das jahrhundertealte Holz des Krans wurde weiterverarbeitet und in Form von Souvenirs an verdiente Kölner Bürger verschenkt: Kreuze, Kran-Modelle, die teilweise als Tabakdosen benutzt werden konnten, Engelsköpfe, Federhalter und ein aufrecht sitzender Löwe als Treppenpfostenaufsatz. „Jedes Souvenir hat eine ihm anhängende unsichtbare Geschichte”, erklärt die Kulturhistorikerin Anna Ananieva von der Universität Mainz.

Leider seien nicht alle Souvenirs bekannt und erhalten, bedauert Dombauarchiv-Leiter Hardering. Da der Dom kein Museum hat, könnten die wenigen Souvenirs im Archiv auch nicht ausgestellt werden. „Acht solcher Stühle sollen zur Feier der Domvollendung 1880 an verdiente Kölner Bürger geschenkt worden sein, aber dieser scheint das einzig erhaltene Exemplar zu sein.”

Ein Mitglied des Zentralen Dombau-Vereins hatte Hardering vor wenigen Monaten angerufen: Eine Verwandte seiner Frau, deren Familie eine bekannte Ofenfabrik am Kölner Klingelpütz besaß, habe noch so einen Stuhl aus Kranholz zu Hause. Die alte Dame, die schon lange in Spanien lebe, wolle den Stuhl dem Dom spenden. „Sie wusste anscheinend gar nicht, was für einen Schatz sie da zu Hause hat”, sagt Hardering.
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