Der kleine Winzer von Maastricht

Von: Markus Bienwald
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Er liebt den Wein, der seine Familientradition geworden ist: Winzer Julka Holst vom Weingut Apostelhoeve in Maastricht. Foto: Markus Bienwald

Maastricht. Wer sich traut, den schmalen, eher schlecht als recht asphaltierten Weg hinaufzufahren, erkennt linker Hand, dass er nicht auf dem Holzweg ist. Denn ungefähr ab der Mitte der Strecke zwischen der Wohnbebauung mit Dorfcharakter und dem Weingut De Hoeve erstrecken sich auf der Fahrerseite die exakt aufgereihten Rebstöcke.

Für die Weinleute auf dem kleinen Hügel sind sie Zukunft und Geschichte zugleich. „Wir haben hier knapp neun Hektar Weinanbau“, sagt Julka Hulst. Zwar ist das nur ein kleiner Anteil an den etwa 250 Hektar Weinanbauflächen, die sich aktuell durch die Landschaft der Niederlande ziehen. Aber es sind eben neun Hektar, die eine Geschichte haben.

„Beim Wein haben alle recht“

1970 entschied sich die Familie Hulst, das Hobby Wein zum Beruf zu machen. „Den ersten Wein gab es 1973“, sagt Julka Hulst, 47. Doch das war eigentlich nur die Fortsetzung einer am Ort und in der Region gewachsenen uralten Tradition des Weinanbaus. „Die Weinkultur rund um Maastricht ist keine neue Sache“, sagt Hulst, denn schon als die Römer auch Maastricht besetzt hielten, gab es dort Wein . Im Mittelalter war Wein der wahre Durstlöscher, wie ohnehin alle alkoholischen Getränke, denn das Wasser war besonders fern der Flüsse ungenießbar.

Auf den Alkohol kommt es dem heutigen Chef des Weinguts allerdings nicht an. Vielmehr scheint in ihm tief die Geselligkeit als eine der urniederländischen Tugenden verwurzelt zu sein. „Und was passt besser dazu als ein guter Wein?“, fragt er bei einer Tasse ebenfalls sehr genießbaren Kaffees.

Doch der Weg zu gutem Wein, zur von ihm immer wieder gewünschten Qualität, ist so steinig und holprig wie die Auffahrt zum Weingut. „Kürzlich habe ich einen bekannten Weinbauer aus Belgien gesprochen, der mir von seiner zweitägigen Pflanzaktion erzählt“, sagt Hulst. Nach eben jenen zwei Tagen sei der Bekannte sehr ermattet gewesen und selbstverständlich der Meinung, damit sei die härteste Arbeit getan.

„Nun, da täuscht er sich, denn damit beginnt die Arbeit erst richtig“, sagt Hulst. Er ist seit seinem 16. Lebensjahr im Weingeschäft tätig, hat mit 18 die erste Fachausbildung begonnen und weiß, dass er nie auslernen wird. „Es ist ein steter Lernprozess und immer wieder kommt etwas anderes dazu“, sagt er. Welche Wahrheit im Wein liegt, kann er zwar auch nicht sagen, aber sicher ist, dass wenn zwei oder mehr Winzer zusammenkommen, immer mindestens einer genau das Gegenteil vom anderen empfiehlt. „Das Schöne am Wein aber ist, dass alle immer recht haben, denn über Wein kann man nicht streiten“, sagt Hulst.

Er sieht seine Familientradition als eine Fortsetzung dessen an, was im Mittelalter von der belgischen Grenze bis Maastricht reichte. „Damals waren dort sehr viele Weinberge“, sagt er und fegt damit die Mär vom Tisch, in den geografisch flachen Niederlanden sei das Weinmachen erst in den letzten Jahren zum Trend gewachsen.

Einen historischen Bezug hat beispielsweise der Cuvée XII Apostelhoeve, der nach dem gleichnamigen Gebäude benannt ist, das nach 1581 als Kelterei für das Umland von Maastricht zur Verfügung stand. Der Cuvée ist neben weiteren Weißweinen und einem reinen Riesling-Sekt eine von aktuell sieben Produkten des Weinguts. „Wir produzieren rund 70.000 Flaschen pro Jahr“, sagt Hulst und freut sich, dass die Exklusivität seiner Weine weltweit geschätzt wird.

„Zum Karlspreis-Dinner in Aachen für Königin Beatrix wurde unser Wein ausgeschenkt, und aktuell gibt es unseren Riesling einen Monat lang in der Business-Class der Air France“, sagt Hulst und lächelt. Dass gerade die Franzosen seinen Wein auswählen, freut ihn besonders. Darin erkennt er einen Beweis, dass sich Handarbeit und die Liebe zum Detail im Weinbau lohnen.

Aber wenn die Natur nicht mitspielt, dann nützt das alles nichts, das weiß auch Julka Hulst. 1981 war so ein Jahr, in dem kaum etwas übrigblieb, um es in Flaschen zu füllen. In diesem Jahr sieht der Profi mit gemischten Gefühlen auf die anstehende Ernte Mitte Oktober. „Das Frühjahr war zu trocken, dafür hatten wir einen super Sommer“, sagt er. So beginnt die Lese in diesem Jahr etwa zwei Wochen später als gewohnt.

Zeit genug also, noch vor der Lese einen Blick auf das Weingut zu werfen, dass – trotz des steinigen Wegs – so ein wundervoller Gegenentwurf zu der nur zwei Kilometer entfernten, oft hektischen Betriebsamkeit von Maastricht ist.

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