Der Kanarien-Weltmeister zwitschert in Kerkrade

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Weltmeisterliche Vögel: Der Kerkrader Hub de Bruyn und seine ausgezeichneten Deutschen Hauben-Kanarien. Foto: Verena Müller

Kerkrade. „Weltmeister” steht an der Haustür von Hub de Bruyn. Seit vergangener Woche darf sich der 49-jährige Beamte der Gemeinde Kerkrade so nennen. Mit vier Vögeln einer deutschen Vogelrasse, den Deutschen Hauben-Kanarien, hat der Niederländer bei der Meisterschaft im französischen Tour den ersten Platz belegt.

24.000 Vögel waren insgesamt dort zum Wettbewerb angemeldet. Verena Müller sprach mit ihm über Rivalitäten zwischen Züchtern, optimale Wettkampfvorbereitung und über die Frage, warum die Kanarienvögel im Sommer nicht in die Voliere dürfen.

Warum züchten Sie keine Dackel oder Kaninchen?

De Bruyn: Ne. Ne ne.

Wieso nicht? Ich sehe hier einen Dackel und einen Terrier?

De Bruyn: Ich habe mich schon immer für Vögel interessiert. Das kommt wahrscheinlich von meinem Opa. Der war Taubenzüchter. Früher hatte ich ganz verschiedene Vögel, auch Wildvögel, dann habe ich mich aber auf die Deutsche Haube konzentriert. Seit 1994 züchte ich die jetzt. Zu der Zeit habe ich mit dem Fußballspielen aufgehört. Direkt im ersten Jahr wurde einer meiner Vögel zum schönsten des Vereins in Eygelshoven, in dem ich Mitglied war, gewählt. Da bin ich auf den Geschmack gekommen.

Was unterscheidet denn einen guten Vogel von einem schlechten?

De Bruyn: Oh. Schwierig. Also maximal gibt es 100 Punkte für einen Vogel. 94 ist aber das Maximum, das man erreichen kann. Nach dem Motto „nobody is perfect”. Meine Vögel haben jeweils 92 Punkte erhalten.

Aber woran erkennt man einen guten Vogel?

De Bruyn: Bei dieser Sorte der sogenannten Positurvögel muss die Haube genau in der Mitte sein, sie muss ganz flach anliegen und bis zur Hälfte des Schnabels reichen. Auf dem Hinterkopf darf nur eine kleine kahle Stelle sein, am besten ist die Stelle aber geschlossen.

Und wie werden die Vögel für den Wettbewerb fit gemacht?

De Bruyn: Die werden gewaschen, dann ein bisschen abgetupft und kommen dann in einen speziellen Käfig zum Trocknen. Bevor die weggehen, mache ich die Schwanzfedern noch mit einer Zahnbürste sauber und gucke nach den Krallen.

Immerhin werden sie nicht geföhnt. Und welche Tricks gibt es noch? Spezielles Futter oder so?

De Bruyn: Nein. Manche Züchter tun Carotin ins Futter. Ich finde das aber nicht schön, wenn das Gefieder so orange wird. Die wichtigste Regel beim Züchten ist: Nie zwei Hauben miteinander kreuzen, sondern immer eine Haube und einen normalen.

Sie sagten eben, dass die Vögel vor dem Wettbewerb weggehen - fahren Sie nicht selbst mit?

De Bruyn: Nein, die werden zu Sammelstellen des Verbands gebracht und von sogenannten Convoyeurs begleitet. Vor Ort kommen die Vögel dann in Ausstellungskäfige.

Damit die Preisrichter nicht erkennen können, wo die Tiere herkommen, und ganz neutral urteilen?

De Bruyn: Naja. Am Ring kann man schon ablesen, von welchem Züchter der Vogel kommt. Ich hatte immer gute Vögel, hatte es aber immer sehr schwer, als Niederländer mit einer deutschen Rasse. Ich habe schon rund zehn Mal an der Weltmeisterschaft teilgenommen und war nicht immer einverstanden mit dem Urteil der Preisrichter.

Gibt es Fälle von Bestechung oder Sabotage?

De Bruyn: Eher von Diebstahl. Das ist nicht so selten. Deshalb kommen meine Vögel auch nicht nach draußen in die Voliere.

Sind die denn so teuer?

De Bruyn: Dazu möchte ich nichts sagen. Es gibt aber Züchter, die dreistellige Beträge für einen Vogel verlangen.

Wie ist das Verhältnis der Züchter untereinander?

De Bruyn: Nicht gut. Wie überall anders auch.

Aber Sie haben Ihre Weltmeister schon an die Konkurrenz, an einen deutschen Züchter, verkauft - ist das schlau?

De Bruyn: Ja klar, so ziehst du dir die Konkurrenz mit hoch. Ohne Konkurrenz siehst du deine eigene Arbeit auch nicht mehr kritisch.

Und was kommt jetzt, nach dem Weltmeistertitel?

De Bruyn: Früher habe ich immer gesagt, sobald ich mit einem Stamm den Weltmeistertitel hole, fange ich mit einer neuen Rasse an. Aber das mache ich doch nicht. Da sind zu viele schöne Vögel dabei.
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