Aachen - Der Kampf der Theologen an der RWTH

Der Kampf der Theologen an der RWTH

Von: pep/tih
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Die Geschichte der Theologie in Aachen dokumentiert: Johannes P. Floß. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es war zu allen Zeiten ein Kampf ums Überleben. Den mussten – und müssen – die Geisteswissenschaftler an der Technischen Hochschule in Aachen immer führen. Einerseits waren die vormals Polytechnischen Schulen schon in ihren Anfangszeiten bestrebt, durch die Einrichtung von geisteswissenschaftlichen Fächern den klassischen Universitäten auf Augenhöhe zu begegnen.

Andererseits gab es bis in die letzten Jahrzehnte hinein immer wieder politische Bestrebungen, die Philosophische Fakultät der RWTH Aachen abzuwickeln.

Bei der Wiedereröffnung der RWTH am 3. Januar 1946 forderte der damalige Rektor Paul Röntgen „die Reform der Technischen Hochschulen, ihre Hinwendung zum Geistigen und die Überwindung des Spezialistentums“, eine „neue akademische Geisteshaltung“, die „Heranbildung eines neuen Ingenieurtyps, der nicht nur Spezialist sein soll“. Er wollte das notwendige „um die letzten Dinge kreisende ehrfurchtsvolle Staunen“ durch das Studium der Geisteswissenschaften gewährleisten.

Der Aachener Theologe Johannes P. Floß, der seit 1976 an der RWTH lehrte und 2002 emeritiert wurde, weist in seinem gerade erschienenen Buch „Theologie an der RWTH Aachen University“ (Einhard-Verlag, 180 Seiten, 9.80 Euro) auf diese gegenläufigen Bestrebungen und Entwicklungen hin. Gründlich stellt Floß die von vielen Umbrüchen, Einschnitten und Gefährdungen geprägte Geschichte des Faches Theologie an der RWTH in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Er durchforstete dafür die Vorlesungsverzeichnisse von 1954 bis 2001.

Bei der Vorstellung seines Buches zeigte sich Floß dankbar dafür, dass TH-Ingenieurwissenschaftler für den Erhalt der Philosophischen Fakultät gekämpft hätten, verschwieg aber nicht die Vorbehalte, die es gleichzeitig auch immer wieder von Vertretern der klassischen TH-Disziplinen gegeben hat. Erst seit 1988 ist die Theologie ein selbstständiges Fach in der Philosophischen Fakultät. Sie hat sich in Aachen interdisziplinär ausgeweitet, stabilisiert und wird über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus nachgefragt. Das „Miteinander der beiden Wissenschaftskulturen an der RWTH“ personifiziert sich für Floß in der Berufung des Theologen und Biologen Ulrich Lüke auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie im Jahr 1999.

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