Übach-Palenberg - Der Heiratsantrag im XXL-Format

Der Heiratsantrag im XXL-Format

Von: Christoph Pauli
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Heiratsantrag am Kornfeld: Nicole Lürken ist begeistert von der „großartigen“ Idee von Peter Peters. Foto: Christoph Pauli
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Große Sache: Der XXL-Antrag im Kornfeld. Foto: Peters

Übach-Palenberg. Der letzte Sonntag begann für Nicole Lürken mit einer Ausrede. Ihr Freund Peter Peters teilte ihr mit, dass er arbeiten müsse. Das kam nicht so überraschend, denn der 26-Jährige ist Agrarbetriebswirt, und in dieser Zeit wird die Ernte eingefahren - Sonntagsarbeit inklusive.

So ist es dann auch gekommen, wenn man so will: Peter Peters hat die Ernte eingefahren, wenn auch in einem Sinn, wie es Nicole Lürken an diesem Morgen niemals erahnt hätte. Und noch weniger hat sie erahnt, dass an diesem Tag die zukünftige Frau Peters aus ihr werden würde. „Wenn ich eines Tages von ihm einen Antrag erhalte, dann wird es etwas Größeres“, hatte sie schon vermutet. So gut kannte sie ihren zur Perfektion neigenden Freund. Aber was dann geschah, hat doch für ein paar Schlagzeilen gesorgt...

Ein „Blind Date“ steht an

Am Nachmittag jedenfalls meldete sich ihr Freund wieder zurück, er holte die 22-Jährige in Marienberg ab. Nun hätte man durchaus hellhörig werden können auf den folgenden fünf Kilometern, denn es gab schon ein paar Abweichungen von den üblichen Fahrten. „Er hat sich mega auffällig verhalten.“ Nicole Lürken bekam die Augen verbunden. „Wenn uns einer gesehen hätte, hätte er an eine Entführung glauben können.“

Unterwegs auf dem Weg zum Kornfeld in Übach wurde aus dem Wagen ein Quiztaxi, die junge Kauffrau, die im Marketingbereich der Enwor arbeitet, hatte allerhand Fragen zum Reiseziel. „Aber so richtig Verdacht habe ich nicht geschöpft.“

Eine Überraschung stand an, das war klar, aber wie groß diese Überraschung sein würde, schwante ihr nicht. Man kann die Überraschung sogar vermessen. Peter Peters hat es getan, sie ist einen Hektar groß. Ein Jahr lang hat er an seiner Idee getüftelt, wie er einen möglichst originellen Antrag stellen könnte. Einen ersten Gedanken, den Antrag mit aufgeschichteten Heuballen zu stellen, gab er auf. Das gab es schon vor einem Weilchen in Jülich-Mersch.

Am Laptop bereitete er den Antrag vor. Das Feld wurde in kleine Quadrate zerlegt, „Nicole willst Du mich heiraten“ wurde programmiert, jeder Buchstabe 15 Meter groß. Die Koordinaten wurden per GPS in den großen Traktor übertragen, den sich der clevere junge Mann bei seinem Chef geliehen hatte. Peters arbeitet noch nicht im elterlichen Hof, sondern in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb.

Ihr Sohn sei immer ein ganz ruhiger Junge gewesen, sagte seine Mutter Petra. Keiner, der bei „Wetten, dass...?“ mit seinem Traktor auf zwei Reifen um Sektgläser Slalom fährt und dabei mit Kürbissen jongliert. Eher ist der 26-Jährige ein Mann für die Außenwette, denn an diesem Tag fräste er also fünf Stunden lang mit dem Grubber seine Botschaft in den Boden. „Der Grubber ist ein landwirtschaftliches Gerät, das zur Lockerung und Krümelung des Bodens eingesetzt wird“, so steht es in der Gebrauchsanleitung. Aber an diesem langen Vormittag wurde das Gerät zweckentfremdet für einen romantischen Antrag. Peters hatte für seine Milimeterarbeit drei Freunde mitgebracht.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er sich verfahren hätte. Der Termin wurde vom Erntezyklus vorgegeben. Erst musste das Weizenfeld abgeerntet sein. Ausgesucht hatte er sich ein abgelegenes Areal des elterlichen Betriebs, abgeschirmt von einem Maisfeld. Und doch kamen Passanten vorbei, machten erste Bilder. Der Buchstabenzieher befürchtete in diesen digitalen Zeiten, dass sein Antrag schon in Internet kursierte, noch bevor er gestellt wurde.

Die Arbeit war noch nicht vollendet, weitere zwei Stunden lang tragen die vier Freunde sackweise Kalk auf, um die Konturen der Großbuchstaben besser zu betonen. Das Werk war vollendet, und sie sahen, dass es gut war.

Inzwischen stand auch die Hebebühne am Rande des gigantischen Antragsformulars. Der Vater – erst ein Tag vorher eingeweiht – hatte sie organisiert. Hans-Peter Peters nennt sich auch Agrarbetriebswirt. Er findet diesen neuen Namen herrlich. „Ich bin Landwirt.“ Manchmal tragen die Agrarbetriebswirte selbstironische T-Shirts mit dem Aufdruck „Großflächendesigner“.

Mutter Petra kannte die Pläne ihres Großflächendesigners Peter schon deutlich länger. „Irgendwann musste man doch mit jemanden darüber sprechen“, hatte Peters gesagt, als die Vorfreude längst aus ihm herausstrahlte.

Beim künftigen Bräutigam wuchs die Aufregung an diesem Sonntag, die Arbeit auf dem Feld ist Routine, auch wenn er im Alltag eher selten Buchstaben in die Krume bastelt. Aber jetzt stand die wichtigste Frage in seinem Leben an. Die Freunde hoben die „blinde“ Braut in den Korb der Hebebühne. Der Chef umkreiste das Paar auf dem Weg in den siebten Himmel mit seiner Drohne. Nicole Lürken interpretierte das Geräusch als großes Insekt. „Mach‘ das weg“, sagte sie auf dem Weg nach oben.

In der Familie Peters werden Heiratsanträge gerne in luftiger Höhe gemacht. Die Schwester von Peter Peters, Anne, gab ihr Ja-Wort in einem Riesenrad in London. Und jetzt war auch das junge Glück in 20 Metern Höhe angekommen. Auf dem Bildern der Drohnenkamera sieht man, wie Peters seiner Freundin die Augenbinde abnimmt, vor ihr kniet und die alles entscheidende Frage stellt. Die Antwort kommt sekundenschnell, ein Wort, ein Kuss. Strenggenommen hätte sich Peters die filigrane Feldarbeit auch sparen können, denn Lürken hat bereits zugesagt, als sie den Antrag im Kornfeld nicht einmal gesehen hatte.... Bauer findet Frau.

Die Hochzeit der beiden jungen Leute, die sich schon vor neun Jahren in der Jugendgruppe des THW Boscheln kennenlernten, ist noch nicht terminiert. Es ist ein Projekt für das nächste Jahr. Wenn schon der Antrag im XXL-Format ausgefallen ist, was wird dann erst an diesem Tag passieren? Peter Peters hat noch keine Pläne. Er genießt gerade die schöne Aussicht. Für den morgigen Sonntag hat er wieder Arbeit angemeldet. Seine künftige Frau hat es grinsend vernommen.

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