Aachen/Köln - Der Anwalt des Glaubens sagt: Freut Euch!

Der Anwalt des Glaubens sagt: Freut Euch!

Von: Thorsten Karbach
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Ein Buch im Zeichen der Kirche: Der 20-jährige Georg Dietlein hat „Freut Euch! Bekenntnisse eines jungen Christen“ geschrieben. Mit 13 begann er, Theologie zu studieren. Foto: Thorsten Karbach

Aachen/Köln. Unglaublich! Georg Dietlein war 13 Jahre alt, als er sein Theologie-Studium aufgenommen hat. Morgens ging er in die Schule, nachmittags an die Universität. Kaum drei Jahre später schrieb er ein wissenschaftliches Buch über „Macht und Allmacht Gottes bei Wilhelm von Ockham“. Mit 16. Und nun hat der Kölner Georg Dietlein, immer noch 20 Jahre jung, sein neues Werk in der Hand.

Es heißt „Freut Euch! Bekenntnisse eines jungen Christen“. Erschienen ist es im Mai im Aachener MM-Verlag.

„Ich hatte eine solche Einführung in den Glauben schon länger geplant“, sagt Dietlein. Ein gewisser Josef Ratzinger hat 1968 seine „Einführung in das Christentum“ veröffentlicht. Auch Hans Küng hat eine solche geschrieben. Dietlein weiß das. „Alle Theologen wollen eine solche Einführung geben.“ So auch der junge Kölner. Auch wenn es letztlich ein spontaner Gedanke war, diesen Plan in die Tat umzusetzen.

Er war in einer Woche in der Schweiz bei einem Symposium in St. Gallen. Die Veranstaltung wirbt damit, die „leaders of tomorrow“ zusammenzubringen. Also die Anführer der Zukunft. Und er war unter ihnen. Zwischen den Vorträgen blieb Dietlein genug Zeit, um seine Gedanken zu Gott und Glauben in Worte zu fassen. „Es ist ein Glaubensbuch – und zwar mehr ein persönliches als ein theoretisches. Es ist mein Bekenntnis, dass Glauben Spaß machen kann“, sagt er. „Dieses Buch versteht sich als persönliches Glaubensbekenntnis eines jungen Christen, der angetan ist von seinem Glauben, und aus diesem Glauben heraus sein Leben gestalten möchte“, schreibt er.

Ein positives Ausrufezeichen

Den Titel hat er dem Philipperbrief entnommen. Freut Euch! Dietlein will mit seinen Worten ein positives Ausrufezeichen setzen. Er weiß, dass es die katholische Kirche schwer hat. Das Bistum Aachen verliert jedes Jahr rund 11 000 Katholiken, zählt – so die gerade erst veröffentlichten aktuellen Zahlen 2012 – gerade noch 1,1 Millionen Gläubige. Das sind noch einmal fast 9744 weniger als 2011. Und die Zahl der Gottesdienstbesucher sank von 107.615 auf 101.875. 2006 wurden noch 130.353 gezählt. „Das Christentum hat sich mehr denn je zu rechtfertigen in der Welt, die auch alternative Ansätze von Glück und Hoffnung, Sinn und Zukunft kennt“, schreibt er.

Die Kirche hat Georg Dietlein schon in jungen Jahren bewegt. Er wurde in einer katholischen Familie groß. Einer ganz normalen Familie, sagt er. Die Eltern Ärzte, auch Kirchgänger. Aber Georg Dietlein konnte selbst entscheiden, ob und wann er in die Kirche ging. Vollkommen zwanglos. Er hat die Kirche für sich entdeckt. Er ging bald jeden Sonntag, besuchte eine katholische Grundschule und zunächst auch ein ebensolches Gymnasium, wurde Ministrant in St. Stephan und dann im Kölner Dom. Er geht regelmäßig zur Beichte, betet täglich – auch Rosenkränze – und nimmt an Wallfahrten teil. „Die Messe ist nicht alles, und nur den Weltjugendtag zu besuchen ist irgendwie blöd“, sagt er. Es ist ein bewegtes Leben, dass er als katholischer Christ in Köln führt – während in Rio de Janeiro der Weltjugendtag läuft.

Das Theologiestudium war die logische Konsequenz des ausgeprägten Glaubens des Hochbegabten (eine Klasse hat er übersprungen), auch wenn er es natürlich unglaublich früh aufnahm. In seinem Buch steht: „Ich stellte mir die existenziellen Fragen meines Daseins: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben? Wie soll ich Gott ‚begreifen‘?

Wenn Gott die Liebe ist, wie kann Gott das viele Leid in der Welt zulassen? Welche Rolle spielen eigentlich Jesus Christus und die Kirche? Welche Rolle spiele ich in der Kirche?“ Ja, er war tatsächlich 13 Jahre alt. „Auch wenn ich ein wenig älter aussah“, meint er und lacht. Die „Süddeutsche Zeitung“ nannte ihn ein Wunderkind.

Nun gibt Dietlein mit seinem Buch selbst Antworten auf existenzielle Fragen des (katholischen) Glaubens, will die Freude der Kirche in die Welt rufen. Fast 200 Mal steht diese Freude in der Heiligen Schrift. Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof im Erzbistum Köln, nennt den Begriff in seinem Vorwort zu Dietleins Buch einen Kernbegriff des christlichen Glaubens. Schwaderlapp schreibt: „Wer sich heute öffentlich zu seinem Glauben bekennt, hat es oftmals gar nicht so einfach. Er muss mit Fragen rechnen, auch mit Anfeindung und Spott.“

Nicht bekehren

Dietlein kennt das. Er setzt sich damit auseinander. Nicht nur, wenn er seine Kirche rechtfertigen muss, sagt er oftmals „Wir als katholische Kirche“. Er will dabei nicht bekehren. Wohl eher nachdenklich machen. „Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass auch ein weiteres Buch über den Glauben keinen Menschen wirklich zum Glauben ‚führen’ kann“, schreibt er. Dennoch tritt er für seine katholische Kirche ein.

Er ist ein Anwalt des Glaubens. Das Bild passt gut, denn Dietlein hat nach drei Jahren Theologie begonnen, Rechtswissenschaften zu studieren. Und BWL. Letzteres hat er mittlerweile abgeschlossen, das Jurastudium dauert noch.

Seine BWL-Bachelorarbeit trug übrigens den Titel: „Dienstleisterin Kirche? Was Kirche von strategischem Management lernen kann“. Er will sie veröffentlichen. Das strategische Ziel der Kirche beschäftigt ihn schon länger. Er hat es im Evangelium nach Matthäus entdeckt. Dort steht: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Jura, Jagd und Politik

Jura und den Anwaltsberuf nennt er eine spannende Sache („Es gab Momente, in denen ich mir vorstellen konnte, Anwalt zu werden. Als Anwalt ist man auch manchmal Seelsorger“). Er hat sich politisch engagiert, war sehr aktiv in der Schüler Union und der Jungen Union, dann in CDU und im Ring Christlich-Demokratischer Studenten. Er hat zum Abitur einen Jagdschein gemacht, spielt Querflöte und hat sich vor einem Jahr einer Studentenverbindung angeschlossen. Doch seine Nähe zur Kirche wird ihn in zwei Jahren wieder zum theologischen Studium an das Collegium Albertinum führen. „Der Priesterberuf würde doch gut zu mir passen“, sagt er. Sein Bruder wird Arzt.

„Von keinem von uns erwartet Gott, dass wir jede Sekunde an ihn denken, zu ihm beten und jeden Moment unseres Handelns ganz bewusst auf ihn ausrichten. Das ist vermutlich nur die Berufung von ganz wenigen“, schreibt Dietlein in seinem Buch. Er kommt dieser Berufung dabei sehr nah. Er lebt seinen Glauben mit der Freude, von der er schreibt – auch wenn er ihn mit Worten wie Demut, Aufopferung und Verzicht verbindet. „Leiden ist ein Teil der Liebe“, sagt er dazu.

Die will er als Priester im Sinne seiner Kirche erfahren. „Ich will Gutes tun“, sagt er bestimmt. Und er schreibt in seinem neuen Buch: „Ich bin der festen Überzeugung: Die Botschaft, die vor 2000 Jahren aus der tiefen Karfreitagstrauer der Jünger Christi jubelnde Osterfreude werden ließ, kann auch heute noch die Herzen der Menschen berühren und ihre tiefste Sehnsucht stillen.“ Sätze wie diese werden in Zukunft folgen. Ganz sicher. Zwei weitere Bücher sind schon in Planung. Eines soll vom Kreuzweg handeln, das andere trägt den Arbeitstitel „Gott braucht Dich!“ Dietlein sagt: „Gott braucht mich. Er braucht Menschen, die sich für ihn entscheiden.“ Er hat sich bereits entschieden.

 

Georg Dietlein: Freut Euch! Bekenntnisse eines jungen Christen, MM Verlag, Aachen, 232 Seiten, 14,80 Euro

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