Demonstration für sofortigen Schramma-Rücktritt in Köln

Von: dpa
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Köln / OB Fritz Schramma
Fritz Schramma machts nicht mehr, jetzt geht das Rennen um seine Nachfolge los. Foto: ddp

Köln. Die Suche nach einem neuen CDU-Kandidaten für die Kölner Oberbürgermeister-Wahl gestaltet sich schwierig. Wolfgang Bosbach, Unions-Fraktionsvize im Bundestag, sagte ebenso ab wie Konrad Adenauer, ein Enkel des gleichnamigen ersten Bundeskanzlers. Unterdessen wurde der amtierende Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) von den Grünen zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.

Auch die SPD äußerte sich am Montag skeptisch, ob Schramma noch bis nach der

OB-Wahl am 30. August im Amt bleiben könne. Der 61-Jährige hatte am Sonntag angekündigt, dass er nicht wieder kandidieren werde. Dem seit 2000 amtierenden OB war vorgeworfen worden, die politische Verantwortung für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs wegzuschieben.

An diesem Dienstag steht in Köln möglicherweise ein weiterer Rücktritt im Zusammenhang mit dem Archiv-Einsturz an. Der Aufsichtsrat der Kölner Verkehrs-Betriebe beschäftigt sich dann mit personellen Konsequenzen. Dabei geht es vor allem um den Technischen Vorstand Walter Reinarz (CDU).

Dieser steht in der Kritik, weil er wichtige Informationen über Grundwasser-Probleme in der U-Bahn- Baustelle neben dem Archiv nicht an Schramma weitergeleitet hatte.

Der Einsturz des Archivs, bei dem vor einem Monat zwei Menschen ums Leben kamen, wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den U-Bahn-Bau ausgelöst.

Der Kölner SPD-Fraktionschef Martin Börschel sagte, wenn Schramma sofort zurücktrete, könnten seine Amtspflichten bis zur Wahl von Stadtdirektor Guido Kahlen (SPD) und der Ersten Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) wahrgenommen werden.

Vor dem Rathaus demonstrierten am Montagabend mehr als 150 Menschen für den sofortigen Rücktritt Schrammas.

In einem Aufruf hieß es, Schramma habe nicht nur ein schlechtes Krisenmanagement gezeigt, sondern im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau mit „unbeschreiblicher Arroganz” Einwände und Sorgen der Bürger ignoriert.

Jörg Frank, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Kölner Grünen, forderte Schramma zum Rücktritt auf. Der Kölner CDU-Chef Jürgen Hollstein nannte dies „völligen Quatsch”.

Schramma bleibe bis zur Wahl im Amt, versicherte er. Bosbach kritisierte unterdessen den Umgang seiner eigenen Partei mit Schramma. „Offen gesagt: Ich hätte mir gewünscht, dass die ganze CDU ihm den Rücken gestärkt hätte”, sagte er der „Kölnischen Rundschau”.

Auch der Kölner CDU- Fraktionschef Winrich Granitzka sagte der dpa über Schramma: „Ich weiß, dass er sich schon ein bisschen allein gefühlt hat.” Der Generalsekretär der NRW-CDU, Hendrik Wüst, bestritt dagegen mangelnde Unterstützung.

Er sehe jetzt „eine Chance für die CDU in Köln, die Erneuerung fortzuführen”. Die Kölner CDU war in den vergangenen Jahren immer wieder von Affären belastet worden.

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