Demjanjuk verklagt „Bild.de”: Verlag weist Vorwürfe zurück

Von: dpa
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Der frühere KZ-Wachmann John Demjanjuk wird am Donnerstag (12.05.2011) nach der Urteilsverkündung aus dem Verhandlungssaal im Landgericht in München (Oberbayern) gebracht. Foto: dpa

Düsseldorf. Der ehemalige KZ-Wächter John Demjanjuk verklagt das Onlineportal „Bild.de” und verlangt für das Verfahren Prozesskostenhilfe.

Weil ihm in erster Instanz vom Düsseldorfer Landgericht nur 5000 statt der geforderten 25.000 Euro Hilfe zugestanden worden waren, habe sein Anwalt Beschwerde vor dem Oberlandesgericht eingelegt, teilte das Gericht am Mittwoch mit.

Demjanjuk war im vergangenen Mai in München wegen Beihilfe zum Mord zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er war nach Überzeugung des Gerichts als Wachmann im KZ Sobibor an der Ermordung von mehr als 28.000 Juden beteiligt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Demjanjuk wirft dem Portal vor, mehrfach in vorverurteilender und herabwürdigender Weise über ihn berichtet zu haben. Ein Sprecher von „Bild.de” wies Demjanjuks Vorwürfe am Mittwoch zurück: „Unsere Berichterstattung hat die Grenzen einer zulässigen Verdachts- bzw. Gerichtsberichterstattung gewahrt, daher bestehen aus unserer Sicht keinerlei Geldentschädigungsansprüche.”

Ein Sprecher des Landgerichts teilte mit, Demjanjuk habe trotz der noch anhängigen Beschwerde bereits Klage eingereicht und verlange 5100 Euro Schmerzensgeld. Ein Termin für die Verhandlung stehe noch nicht fest (Az.: 12 O 341/11). Sollte das Oberlandesgericht der Beschwerde ganz oder teilweise stattgeben, könnte Demjanjuk seine Schmerzensgeldforderungen entsprechend erhöhen (Az.: I-15 W 93/11).

Zwar konnte Demjanjuk im Strafprozess keine konkrete Tat zugeschrieben werden. Das Gericht schloss sich jedoch der Argumentation der Anklage an: Da Sobibor allein der planmäßigen Ermordung von Menschen diente, habe sich jeder mitschuldig gemacht, der dort Dienst tat.

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