Krefeld - Decken, Kerzen, Mehl: Wie sich Prepper für den Weltuntergang rüsten

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Decken, Kerzen, Mehl: Wie sich Prepper für den Weltuntergang rüsten

Von: Christoph Pauli
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Prepper bereiten sich darauf vor, im Katastrophenfall möglichst lange im Haus bleiben zu können: Bastian Blum in seinem Keller in Krefeld, in dem er alles hortet, was er so zum Überleben benötigt. Bis hin zur Wasseraufbereitungsanlage ist alles da. Foto: Christoph Pauli

Krefeld. Bastian Blum kennt natürlich die Weltuntergangsuhr, so wie er die meisten Bedrohungen weltweit kennt – er beschäftigt sich quasi ständig mit Katastrophen. Der 39-Jährige wohnt in einem Mehrfamilienhaus mitten in Krefeld und arbeitet als Sicherheitsbeauftragter einer Hochbaufirma. Privat ist Blum ein sogenannter Prepper.

Prepper bereiten sich auf den Ernstfall vor (englisch: to prepare), die Katastrophe, den größten anzunehmenden Unfall (GAU). Und es gibt so viele von ihnen in Deutschland, dass sie eine Gemeinschaft gegründet haben. Ins Leben gerufen hat sie Blum, und er ist immer noch ihr Chef und Sprecher. Wann immer es irgendwo Hochwasser oder ein anderes Naturunglück gegeben hat, ist er ein gefragter Gesprächspartner. Dann kann man ihn schon mal im „ARD-Morgenmagazin“ sehen, mit einer Taschenlampe am Gürtel, die er immer trägt. Man weiß ja nie.

Decken, Kerzen, Mehl und Zucker

Er sei im Zuge der Bankenkrise 2008 Prepper geworden, berichtet Blum. Die Krise habe bei ihm ein „mulmiges Gefühl“ hinterlassen. Je mehr er sich mit der Vorbereitung auf alle möglichen finalen Szenarien befasse, desto mehr fühle er sich gewappnet gegen eine mögliche Bedrohung. „Das Preppern ist mein Hobby, meine Leidenschaft“, sagt Blum.

Die Zahl der Menschen, die Vorräte horten, weil sie Katastrophen oder gar den Weltuntergang befürchten, wachse, sagt Blum. Mit jedem Unfall oder Terroranschlag gibt es neue Facebook-Freunde. Etwa 20 Millionen Deutsche hätten in den vergangenen 15 Jahren Katastrophen erlebt. Aus Blums Sicht sind das 20 Millionen potenzielle Prepper, die Anleitung brauchen. Denn: „Einfach drauflos-preppern bringt nichts.“

Es gehe nicht darum, herauszufinden, wo sich der nächste Bunker befindet. Der versierte Prepper treffe eigene Vorkehrungen. Manche Prepper bleiben anonym aus Angst davor, dass ihre Vorräte von Fremden geplündert werden. Insgesamt, so schätzt Blum, seien bundesweit mehr als 100.000 Keller nach Prepper-Maßstäben angelegt. Als das Bundesamt für Kata-strophenhilfe vor gut einem Jahr sein neues Zivilschutzkonzept vorstellte, um die Bevölkerung „auf eine für die Zukunft nicht grundsätzlich auszuschließende existenzbedrohende Entwicklung angemessen vorzubereiten“, wuchs die Gemeinde weiter.

Blum jedenfalls hat sich vorbereitet: falls Hochwasser, ein Unfall in einem Chemiewerk oder – schlimmer noch – ein atomarer GAU das Verlassen seiner Wohnung unmöglich machen. Er selbst war viele Jahre als Ausbilder im Katastrophenschutz in Vereinen wie dem Malteser Hilfsdienst, dem Technischen Hilfswerk oder dem Deutschen Roten Kreuz engagiert. Gewachsen sei aber die Erkenntnis, dass man besser eigene Vorkehrungen trifft, um sich und die Familie zu schützen. Es könne durchaus Situationen geben, „in denen es ratsam ist, möglichst lange im Haus zu bleiben, bis der Katastrophenschutz die Lage im Griff“ habe. Vorbereiten könne sich jeder, sagt er. „Auch wenn er keinen Keller besitzt.“

Im Keller hat Blum auf wenigen Quadratmetern Vorräte gestapelt: Decken, Lebensmittel, Kerzen, Plastiktonnen, die mit Mehl und Zucker gefüllt sind, aber auch Gaskocher, Schlafsäcke, Hygieneartikel, Gasmasken, Verbandszeug, abwaschbare Kleidung, Bergungsseile oder eine Anlage zur Wasseraufbereitung. „Sechs Wochen könnte man damit überleben“, hat er ausgerechnet.

Verstärkt Anfragen aus der Aachener Region

Waffen bunkert er nicht, dafür aber immer frische Batterien für das Notfallradio, das den Kontakt zur vielleicht verseuchten Außenwelt herstellt. Die Dinge lagert er in einem abgeschlossenen Kellerraum. Seine Frau hat die Wohnung einstweilen zur sicheren Zone erklärt. Natalia stammt aus dem russischen Sotschi, Katastrophenmanagement habe mit zu ihrer Lehrerausbildung gehört, sie teile das „Hobby“ ihres Mannes, sagt sie.

Es gebe verstärkt Anfragen aus der Aachener Region, berichtet Blum. Bei einer Tagung von mehreren Notfall-Organisationen hatte er den Vorschlag unterbreitet, dass die Jodtabletten in der Städteregion Aachen nicht für den Ernstfall gebunkert, sondern vorab verteilt werden sollen.

Blum und die Prepper-Gemeinschaft geben Ratschläge. Die Gruppe bietet auf ihrer Homepage oder bei den wöchentlichen virtuellen Sprechstunden Überlebenstipps. Es geht dann um „Selbstvorsorge, Selbstverteidigung und Eigenheimschutz, Überleben im Winter als auch im Sommer oder auch die aktuellen Probleme am Wohnsitz“.

Seit August 2017 ermittelt der Generalbundesanwalt gegen mehrere Mitglieder der Prepper-Szene in Mecklenburg-Vorpommern, die sich in Chats darüber ausgelassen haben sollen, dass ein Krisenfall auch eine Chance zur Machtübernahme sein könne. In der Szene werden solche Leute „Doomer“ genannt. „Das sind Leute, die sich als Prepper ausgeben, ihren Fokus aber auf Waffen und Verteidigung legen und überall Krisen und Kriege wittern. Sie hoffen geradezu, dass eine Katastrophe kommt, damit sie sich profilieren können“, sagt Blum. Man müsse sich davon deutlich abgrenzen. Er weiß, dass seine Organisation viele Spinner anzieht. „Wir müssen aufpassen, dass die Verschwörungstheoretiker nicht mit den Ängsten der Leute spielen“, sagt er.

Ab und an veranstaltet Blum eine kleine Übung. Dann stellt er sechs Stunden lang den Strom in der Wohnung ab. „Man sieht dann die Schwachstellen, und wie abhängig man von Strom ist“, sagt er. Kühlschrank, Telefon und Fernseher fallen aus, warmes Wasser wird nicht mehr angeboten. Beim letzten Mal hat Blum den Versuch für sich vorzeitig abgebrochen. „Es war so langweilig, dass ich ins Bett gegangen bin.“

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