„Das Wetter war früher doch verlässlicher“

Von: Claudia Schweda
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Kein gutes Wetterzeichen: Sieht Bodo Friedrich, Gründer von eifelwetter.de, diese Zirren am Himmel, die am Rand ein bisschen ausfransen, „dann kann ich Haus und Hof verwetten darauf, dass es innerhalb von 48 Stunden regnen wird.“ Eine Wetterprognose lasse sich zu 50 Prozent am Himmel erkennen. Foto: Andreas Gabbert
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Der Hobbymeteorologe Bodo Friedrich hat das Netzwerk eifelwetter.de gegründet. Foto: Schweda

Monschau. Wer im äußersten Westzipfel von Nordrhein-Westfalen wissen will, wie das Wetter wird, weiß, dass er sich auf den Wetterbericht für das ganze Land nicht unbedingt verlassen kann. Wenn es im Radio heißt, dass sich „ab mittags die Sonne durchsetzt“, können die Heinsberger und Aachener meist schon in der Sonne frühstücken.

Und wenn es „von Südwesten her am Abend trockener“ werden soll, haben die Eifeler einen schönen Nachmittag vor sich. Der Hobbymeteorologe Bodo Friedrich (69) aus Monschau-Mützenich ist mit eifelwetter.de in diese meteorologische Lücke vorgestoßen. Mit großem Erfolg.

Können Sie vor die Tür gehen, ohne gefragt zu werden, wie das Wetter wird?

Friedrich: (lacht) Nein. Ich werde eigentlich ständig danach gefragt. Aber meistens in einer freundlichen und liebenswürdigen Art. Und ich gebe selbstverständlich gerne Auskunft.

Sie sind halt ein sehr nützlicher Nachbar.

Friedrich: Auch meine Frau fragt mich, ob sie die Wäsche raushängen kann. Ein anderer fragt: Wie ist das mit Rasenmähen? Lieber heute? Oder geht’s auch morgen? Und die Leute sind einfach dankbar.

Werden Sie auch angerufen?

Friedrich: Natürlich. Eine Zeit lang haben mich belgische Landwirte – ich weiß auch nicht, warum es gerade die belgischen waren – telefonisch um Auskunft gebeten, ob denn gemäht werden kann oder nicht. Es muss halt drei Tage trocken bleiben, um Heu zu machen. Irgendwann habe ich sie gefragt, ob sie nicht einen Internetanschluss hätten, um auf unsere Internetseite zu gucken. Seitdem sind die Anrufe selten geworden. Oder: Wir werden häufig nach Sturm- oder Wasserschäden angerufen, weil die Versicherung einen Nachweis verlangt. Und dann schau ich nach und kann anhand meiner Aufzeichnungen sagen: Jawoll, dann und dann hat es sehr stark gewindet. Es müssen 62 Stundenkilometer da sein, sonst zahlt die Versicherung nicht. Und dann schicke ich ihnen die Kopie eines Messprotokolls. Das ist mit zusätzlicher Arbeit verbunden, aber man hat eine gewisse Freude darüber, dass man den Mitmenschen helfen kann.

Wie wird denn jetzt der Sommer?

Friedrich: Das ist natürlich eine hochinteressante Frage. In der Regel ist es aber so, dass man über einen längeren Zeitraum seriös keine Prognosen stellen kann.

Sie wollen sich rausreden.

Friedrich: Nein, nein. Es gibt Hilfsmittel, die einen tatsächlich hin und wieder in die Lage versetzen, eine solche Frage zu beantworten. Wir haben Bauernregeln. Und die teilen sich in die ein, die man am besten in die Tonne wirft, und in die, die auch wissenschaftlich untersucht sind und unseren Vorfahren Recht geben in ihren Wetterbeobachtungen. Und dazu gehört die Siebenschläferregel. Der Siebenschläfer war früher am 27. Juni. Seit der Umstellung auf den Gregorianischen Kalender liegt der Tag auf dem 7. Juli. Wir beobachten also etwa die Zeit ab Anfang Juli. Die Meteorologie weiß, dass sich um diese Zeit in Europa eine stabile Wettersituation für mehrere Wochen einstellt – welche auch immer. Und? Was beobachten Sie derzeit? Die Chancen, dass wir einen ordentlichen Sommer bekommen bis Mitte August stehen bei 65 bis 70 Prozent.

Haben Sie das Gefühl, dass das Interesse an Wetter zugenommen hat?

Friedrich: Ja. Es nimmt zu aufgrund extremer Wetterereignisse. Das Wetter war früher doch verlässlicher. Man stellte sich auf einen Sommer ein, der dann auch ein Sommer ohne großartige Ausreißer war. Aber durch die globale Erwärmung ist das Wetter nicht mehr so stabil. Denken Sie an das Hochwasser an der Elbe. Man sprach nach 2002 immer von einem Jahrhundertereignis. Dieses Jahrhundertereignis ist zu einem Jahrzehntereignis geworden. Und es scheint so, dass die Zeiträume, in denen sich solche gewaltigen unwetterartigen Entwicklungen wiederholen, immer kürzer werden. Und das berührt die Menschen, die das ja auch im Fernsehen verfolgen. Und so ist das Interesse am Wetter auch vor der eigenen Haustür nachvollziehbar sehr groß.

Haben Sie ein Lieblingswetter?

Friedrich: Ich bin passionierter Mountainbiker. Und da habe ich natürlich am liebsten sonniges, leicht windiges Wetter. Da macht das richtig Spaß. Und ich liebe den Winter und den Skilanglauf. Aber wir müssen feststellen, dass diese Perioden, in denen man Wintersport betreiben kann, in unseren Höhenlagen immer mehr abnehmen. Und mir tun die Leute leid, wie zum Beispiel in Rohren, die hier noch schwer in das wintersportliche Geschehen investiert haben. Die Chancen, dort wirtschaftlich zu arbeiten, werden immer geringer.

Wenn man im Radio das Wetter hört, liegt es für diese Region oft daneben. Woran liegt das?

Friedrich: Die kriegen ihre Daten vom Deutschen Wetterdienst. Der hat unglaublich viele Stationen und Wetterbeobachter. Ich kenne den Grund nicht, warum sie eher an der Eifel vorbei prognostizieren. Hin und wieder wird die Eifel erwähnt – wegen Wetterextremen. Aber die Eifel wird stiefmütterlich behandelt, habe ich zumindest den Eindruck. Und in diese Lücke sind wir hineingestoßen. Wir hier oben im Grenzraum haben die Möglichkeit, aufgrund der Messwerte unserer Stationen die Wetterentwicklung im Detail viel genauer zu beschreiben. Wir machen ja nicht den Wetterbericht für NRW, sondern für die Eifel und das benachbarte Ostbelgien. Und wir kriegen viele Zuschriften von Menschen, die sich freuen, dass wir das ehrenamtlich machen.

Sie haben ja auch außerhalb der Eifel vereinzelte Stationen. Wenn es dort mehr wären, würden Sie Ihr Prognosegebiet auf Heinsberg und den Norden des Kreises Düren ausweiten?

Friedrich: Ich will das nicht ausschließen. Aber wir verstehen uns eigentlich als die Wetterbeobachter, die sich der Eifel verschrieben haben. Die Stationen etwa im Kreis Heinsberg sind sehr hilfreich, um das Wetter in der Eifel zu bestimmen. Ich sag mal großzügig: Das ist die Voreifel.

Wie viele Menschen greifen auf Ihre Seite zu?

Friedrich: Wenn gar nichts los ist, also so ein Wetter herrscht, das weder Fisch noch Fleisch ist, dann sind es täglich 7000. Und wenn der Bär steppt hier oben in der Eifel – Hochwinter, Schneetreiben und in Aachen weiß man noch gar nicht, wie Schnee aussieht – dann haben wir über 20.000 Zugriffe pro Tag.

Dafür müssen Sie doch Serverkapazitäten irgendwo haben.

Friedrich: Wir haben einen eigenen Server, weil der normale Account irgendwann in die Knie ging und ich Probleme mit dem Provider bekam. Dann habe ich mir einen eigenen Server gemietet.

Das Wetter kommt von oben. Gucken Sie viel in den Himmel?

Friedrich: Unbedingt. Eine gute Wetterprognose lässt sich schon zu 50 Prozent am Himmel erkennen. Wenn ich mir die Wolkenstrukturen anschaue, da weiß ich genau, was kommt. Wenn die Zirren, diese Federwolken, so ein bisschen ausfransen und über uns hinwegziehen, dann kann ich Haus und Hof verwetten darauf, dass es innerhalb von 48 Stunden regnen wird. Oder ganz banal: Flugzeuge. Wenn deren Kondensstreifen am Himmel einen glatten Streifen ergeben, der bleibt, dann weiß ich, die Luft ist trocken, das verdunstet nicht: Da steht stabiles Wetter an. Oder Tau am frühen Morgen ist ein oft sehr sicheres Zeichen für gutes, stabiles Wetter im Sommer. Wenn man die Augen aufmacht und in die Natur hineinschaut, dann weiß man schon eine ganze Menge.

Aber alleine darauf verlassen Sie sich offensichtlich nicht. Hinter Ihnen stehen zwei Rechner, in Ihrem Garten eine hochwertige Messstation.

Friedrich: Es gibt offene Karten von Wetterdiensten, die ich nutze. Dort kann ich live erleben, wie sich Fronten bewegen. Ich kann auch in die Zukunft schauen – bis drei, vier, fünf, sechs Tage – und sehen, wie die Druckgebilde um uns herum sich entwickeln und wohin sie ziehen, um das dann mit unseren Daten der Messstationen und Beobachtungen runterzubrechen auf den lokalen Raum. Und wir liegen ja eigentlich ganz ordentlich mit unseren Prognosen.

Haben Sie mal so richtig danebengelegen?

Friedrich: Ja, Wetter ist chaotisch. Die Druckgebilde sind berechenbar. Aber schon ein kleiner Schlenker eines Druckgebildes in die nicht vorberechnete Bahn kann das Wetter völlig umgestalten. So dass anstatt Regen herrlicher Sonnenschein ist – und umgekehrt. Aber im Schnitt liegen wir mit unseren Prognosen doch recht gut. Ausreißer gibt’s bei den Hobbymeteorologen und bei den Professionellen (lacht). Das ist beruhigend für uns.

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