Das tödliche Ende einer aus den Fugen geratenen Liebe

Von: Marlon Gego
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Die beiden Täter Patrick G. und Corina Ö. wurden zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Foto: Harald Krömer
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Viele Fragen bleiben auch nach der Verurteilung offen. Foto: Harald Krömer
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Die beiden Täter Patrick G. und Corina Ö. wurden zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Foto: Harald Krömer

Aachen/Titz. Auf dem Weg zum Aachener Landgericht ist Arno Bormann am Montag noch einmal an dem Windrad neben der Autobahn 4 vorbeigefahren, an dem eine Joggerin am 22. April um kurz nach 8 Uhr die Leiche von Christina F. gefunden hatte. „Was für ein überflüssiger, sinnloser Tod“, dachte Bormann.

Einige Stunden später verurteilte die Schwurgerichtskammer, deren Vorsitzender Richter Bormann ist, die beiden Täter zu langen Freiheitsstrafen. Mit dem Urteil endete ein langer, aufwendiger Prozess, in dem viele Fragen offen geblieben sind. Und es endete auch die Geschichte einer völlig aus den Fugen geratenen Liebe.

Patrick G. (32) und Corina Ö. (29) aus Titz-Rödingen waren sieben Jahre lang ein Paar, bevor sie sich im Herbst 2009 trennten. Ihm passten ihre Launen nicht, ihre Eifersucht und ihre Wutausbrüche, ihr passte nicht, dass er ein Haus zu bauen begann und deswegen kaum mehr Zeit für sie hatte. Da aber beide in ihrem Leben niemanden sonst außerhalb ihrer Familien hatten, nahmen sie ihre Beziehung bald nach der Trennung wieder auf. Lose und informell und in jedem Fall so, dass niemand davon erfuhr. Die Eltern lehnten den jeweiligen Partner ihres Kindes ab.

Die Jahre gingen dahin. Patrick G.s Leben war auf das Werden seines Hauses ausgerichtet, an dem er mit seinem Vater nach der Arbeit und an den Wochenenden arbeitete. Zeugen und Arbeitskollegen beschrieben Patrick G. als außergewöhnlich fleißigen und freundlichen Menschen. Was Corina Ö.s Lebensziel war, wusste später vor Gericht niemand zu sagen. Sie begann eine Ausbildung als Gesundheitsassistentin am Krankenhaus in Erkelenz und ging hin und wieder mit dem Hund der Familie spazieren, den Corina Ö. als ihren besten Freund bezeichnet. Viel mehr ist von ihr nicht bekannt.

Als Patrick G. Ende August 2013 in Düren-Echtz Christina F. kennenlernte, änderte sich ihr Leben schlagartig. Während Patrick G. lediglich ein ungezwungenes Vergnügen suchte, glaubte Christina F., den Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Sie log Patrick G. vor, sicher zu verhüten. Ende Oktober war sie schwanger. Richter Bormann sagte am Montag, „für die vom Leben gewiss nicht verwöhnte Christina F. ging im Herbst 2013 ein lebenslanger Traum in Erfüllung“. Corina Ö. war von Christina F.s Rolle in Patrick G.s Leben nicht begeistert, aber sie nahm es hin. Zum Problem wurde Christina F. erst, als Patrick G. Corina Ö. am 4. Januar 2014 sagte, dass Christina F. ein Kind von ihm erwarte. Richter Bormann erklärte am Montag, dass das Kind nicht in Patrick G.s Lebensplanung gepasst habe.

Das Vorspiel zum Mord an Christina F. liest sich wie ein zweitklassiger Krimi. Patrick G. und Corina Ö. versuchten, Christina F.s Kind mit Medikamenten abzutreiben, die Corina Ö. im Erkelenzer Krankenhaus stahl und die Patrick G. Christina F. ins Essen mischte oder ihr zu trinken gab. Als das nichts nutzte, griff Corina Ö. ihre schwangere Widersacherin während eines Spaziergangs mit Patrick G. am Lucherberger See in Inden an und warf sie zu Boden. Doch Christina F. und ihrem Kind geschah nichts, Corina Ö. entkam unerkannt.

Am Tag der Tat, dem 21. April, telefonierten Patrick G. und Corina Ö. vormittags drei Mal, und schrieben sich vier SMS. Am Mittag schliefen sie miteinander, auf dem Rücksitz von Patrick G.s BMW. Anschließend fuhr er nach Düren-Echtz, um Christina F. zu einem Ausflug abzuholen, Corina Ö. fuhr nach Rödingen ins Haus ihrer Eltern, in dem sie bis zu ihrer Verhaftung lebte. Um 15.34 Uhr rief Patrick G. sie vom Hof seiner Großeltern in Linnich-Hottorf aus an. 18 Minuten später war Corina Ö. da. Ob Christina F. zu diesem Zeitpunkt schon tot war, ließ sich vor Gericht nicht mehr klären.

Patrick G., sagte Richter Bormann, habe der Schwurgerichtskammer eine Reihe „absurder Erklärungen“ geliefert, die so nicht zutreffen konnten, wenigstens zum Teil nicht. „Und wer in so vielen Punkten lügt“, sagte Bormann, „dem kann man gar nichts mehr glauben.“ Zumal dann nicht, wenn auch noch die von Polizei und Gerichtsmedizin gesammelten Indizien gegen ihn sprachen.

Im Urteil steht, dass Patrick G. Christina F. mit einer Schaufel erschlug, und dass Corina Ö. die Tat mit ihm gemeinschaftlich geplant habe. Außerdem entsorgte sie die Leiche im Echtzer Windpark, nahm Christina F. noch ihre persönlichen Sachen ab und entsorgte sie.

Patrick G. erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe, frühestens in 15 Jahren kann eine vorzeitige Freilassung das erste Mal geprüft werden. Corina Ö. wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt, sie könnte, wenn ihr die Gefängnisleitung dann gute Führung attestiert, 2023 aus der Haft entlassen werden. Die Schwurgerichtskammer hielt ihr zu Gute, dass sie, auch wenn sie nur teilweise die Wahrheit gesagt habe, maßgeblich zur Aufklärung des Falles und zur Verurteilung beigetragen habe, auch zu ihrer eigenen.

Richter Bormann sagte am Montag, dass mit dem Urteilsspruch verhindert werde, dass Patrick G. und Corina Ö. ihr Leben so führen können, wie sie es vor der Tat gemeinsam geplant haben: als Paar, in Patrick G.s Haus in Titz-Rödingen, das fast fertig gebaut ist. Die beiden Verurteilten tragen die Prozesskosten, Patrick G.s Haus wird höchstwahrscheinlich versteigert.

Ein gemeinsames Leben werde es für Patrick G. und Corina Ö. wohl nicht geben, auch wenn Arno Bormann festgestellt zu haben glaubt, dass Corina Ö. Patrick G. noch immer liebt.

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