Das Produkt von Anfang an fest im Blick

Von: Sabine Rother
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Vom Rohstoff bis zum Kunden: Bei der Eröffnung des Smart-Objects-Innovation-Lab im Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen bilden junge Leute des FIR die Stationen eines Produkts nach, die man demnächst - dank einer speziellen Technologie zur Ortung - jederzeit im Blick behalten kann. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Gibt es dieses T-Shirt auch noch in Größe 44?” Wenn in Zukunft eine Kundin diese Frage stellt, kann es sein, dass die Verkäuferin nicht etwa den ganzen Stapel im Regal durchsuchen muss, sondern mit einem kurzen Blick auf einen Scanner die gewünschte Auskunft gibt.

Ortswechsel: In der Maschinenhalle eines Industrieunternehmens laufen Wartungsarbeiten an, und in kürzester Zeit kennen die Einsatzkräfte, die dank eines sprachgesteuerten Inspektionssystems sogar die Hände zur Arbeit frei haben, den technischen Zustand der Anlage inklusive korrekter Angaben zu nötigen Ersatzteilen. Keine Utopie: „Smart Objects” - was soviel bedeutet wie „intelligente Objeke” - stehen im Mittelpunkt beim „Smart-Objects-Innovation-Lab” (SOIL), das jetzt im Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen im Rahmen der 3. Aachener Informationsmanagementtagung eröffnet wurde. Damit ist der Cluster „Logistik” bereit für den Campus der Hochschule, wo man 2012 maßgeschneiderte Räume beziehen kann.

„Wir sind in Aufbruchstimmung”, betont Professor Volker Stich, Geschäftsführer des FIR, das 1953 als Landesinstitut gegründet wurde. „Mit dem Smart-Objects-Innovation-Lab heben wir unser drittes Kind aus der Taufe, jetzt ist die Familie komplett.”

Und damit auch jeder Gast des kleinen Eröffnungsfestes die Zielsetzung von SOIL verstehen konnte, bildeten fünf junge Leute des FIR mit entsprechend beschrifteten T-Shirts die Smart-Objects-Kette vom Lieferanten (etwa für Garn oder Vlies) über den Produzenten, Großhändler, Einzelhändler bis zum Kunden nach, bei dem das Spezialetikett sogar noch durch den Kassiervorgang mit der Information „bezahlt” gefüttert werden kann. Als symbolischen Akt gab es natürlich noch das von Stich entschlossen ausgeführte Durchtrennen des seidig-roten Absperrungsbandes - mittels einer schlichten Papierschere.

Neben dem neuen Forschungslabor, das nun ganz offiziell für Unternehmen unterschiedlichster Art Lösungsmöglichkeiten zu automatisierten Informationsflüssen, zur Nachverfolgung, Sicherung und Ortung von Produkten entwickelt, existiert bereits das ERP-Innovation-Lab (Enterprise Resource Planning). Hier beschäftigt man sich mit dem Einsatz und der Vernetzung der in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen bis hin zum Informationsaustausch.

Als zweites Labor wurde das Service-Science-Innovation-Lab (SSIL) zur Untersuchung neuer Dienstleitungskonzepte eingerichtet. Ziel beim Umgang mit den Smart-Objects ist es nun, Produktions- und Logistikelemente mit ihrer Umwelt „ins Gespräch” und durch diverse Methoden zur Interaktion zu bringen. „Wir gehen vor Ort in die Betriebe und erarbeiten gemeinsam, was sinnvoll ist”, betont SOIL-Leiter Peter Laing. „Nur so ist eine Akzeptanz möglich.

In gewissen Arbeitsbereichen dürfen zum Beispiel Tasten oder Touch-Screen-Flächen nicht zu klein sein, weil dort oft Leute mit großen Händen damit arbeiten müssen.” Stichwort Effizienz: Was nützt einem Unternehmen der Einsatz „intelligenter Objekte”, die als „Tags” (englisch: „Aufhänger, Etikett”) eine Radiofrequenzidentifikation ermöglichen? „Der Kunde kann nachvollziehen, wo seine Ware ist, wann er die Lieferung erhält und ob es zudem das richtige Material ist, das er etwa zur Fertigung eines Kleidungsstücks braucht”, gibt Projektleiter Matthias Deindl einen kleinen Einblick. „Smart Objects dienen gleichfalls als Systeme, die vor Diebstahl und Produktfälschung schützen.”

Unter anderem die Textilindustrie gehört zu den zukunftsorientierten Kunden des FIR, aber auch Automobilhersteller, Handel und Maschinenbau sind Nutzer der Smart Objects. Mit Forschungen zu Identifikationstechnologien wie Barcode oder Mobiltechnologie sowie Telematik (Technologie, die Telekommunikation und Informatik verknüpft) und sogenannten „Agentensystemen”, bei denen mehrere gleichartig oder unterschiedlich spezialisiert handelnde Einheiten (Software-Agenten) gemeinsam ein Problem lösen, hat man Erfahrung.

Was letztlich im Hinblick auf neue Systeme überzeugt, ist „Echtzeit”, die Stich und FIR-Direktor Professor Günther Schuh in ihrer Einladung zur Tagung als „richtige Information, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zum richtigen Zweck” umschreiben. Stich: „Für mich ist es faszinierend, wenn sich bei uns Wettbewerber auf einer neutralen Ebene treffen und austauschen, um vernünftige Standards zu schaffen.”

Sogar eine Demo-Fabrik

Was zunächst noch auf engem Raum geschieht, erhält nach dem Umzug den optimalen Rahmen: 200 Quadratmeter pro Lab sowie eine Demo-Fabrik auf 1500 Quadratmetern Campus-Fläche. Wie könnte die Zukunft der Smart-Objects aussehen? Hier hätte die Verkäuferin, die der Kundin das passende T-Shirt heraussucht, noch während sie die Daten auf ihrem Scanner liest, die Zusatzinformation, dass es zu diesem Kleidungsstück sogar einen Pullover oder einen modischen Rock gibt...
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