Köln - Das erste Eau de Cologne wird 300

Das erste Eau de Cologne wird 300

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Wie vor 300 Jahren: Ein Mitarbeiter von Farina demonstriert die Befüllung historischer Flakons. 1709 kreierte Johann Maria Farina in Köln einen Duft, den er zu Ehren der Stadt „Eau de Cologne” nannte. Foto: dpa

Köln. Wie roch es wohl auf den luxuriösen Festen des Rokoko? Nach pudrigen Perücken und ausdünstenden, ungewaschenen Menschenleibern in seidenen Gewändern? Falsch. Nach Bergamotte, Limette, Orange und anderen Zitrusfrüchten. Warum?

Weil sich damals alles, was Rang und Namen hatte, um diesen Duft aus Köln riss; um das erste „Eau de Cologne” überhaupt, von Johann Maria Farina. Am 13. Juli wird der Duft 300 Jahre alt. Der Duft ist immer noch derselbe, das Rezept streng geheim. So geheim, dass früher sogar die Fässer mit den Essenzen mit Codenamen versehen wurden und auch heute nur der Geschäftsführer des Familienunternehmens, Johann Maria Farina, die finale Mischung vornimmt. Seit acht Generationen leitet niemand anderes als ein Farina das Unternehmen.

Als Johann Maria Farina 1709 aus dem italienischen Ancona nach Köln kam, widmete er den ersten Duft, den er damals kreierte, seiner neuen Heimatstadt. Die Zitrusfruchtnoten waren zugleich ein Stück alte Heimat, in der damals alle großen Düfte ihren Ursprung hatten. Und da Französisch die Sprache am Hofe war, wählte der Italiener am Rhein einen franzöischen Namen für seine Kreation: „Eau de Cologne”. Daraus wurde später unter den Preußen, als auch „Trottoir” zum „Bürgersteig” wurde, „Kölnisch Wasser”.

Erst 1803 übrigens kaufte Wilhelm Mülhens von einem anderen Herrn Farina die Namensrechte und brachte ein Parfum auf den Markt, das äußerlich dem Farina-Duft sehr stark ähnelte, aber eben nur äußerlich. Das war der Beginn der Unternehmensgeschichte von 4711 und zugleich der Beginn eines jahrhundertelangen Rechtsstreits zwischen Farina und dem heute bekannteren „Echt Kölnisch Wasser”.

Farina war vor 300 Jahren eine zweifache Duftrevolution gelungen. Zum einen setzte sich sein Parfum von den gängigen schweren Noten, Zedernholz oder Moschus, ab. Zum anderen gelang es ihm, fast reinen Alkohol (96 Prozent) zu destillieren, womit die im Alkohol gelösten Essenzen konserviert werden konnten. Sein Parfum füllte Farina in grüne Flacons, die ein weißes Etikett mit dem geschwungenen Schriftzug seines Namens und eine rote Tulpe - damals hoch begehrtes Luxusobjekt - zierte. Daran hat sich bis heute kaum geändert.

An allen Königs- und Fürstenhäusern lag Farina in der Luft. Das halbe Jahresgehalt eines Beamten kostete eine Flasche damals. Napoleon ließ sich Stiefel so anfertigen, dass er einen Flakon im Schaft verstauen konnte, auf Goethes Schreibtisch sollen mit dem Duft getränkte Tücher immer griffbereit gelegen haben. An den König von Thailand wurde ebenso geliefert wie an die britische Königin Elisabeth. All das ist in einem der größten Firmenwirtschaftsarchive weltweit zu finden. Auch, dass 1912, im Rahmen einer Avantgarde-Ausstellung in Köln, unter anderem Wassily Kandinsky, Paul Klee und Pablo Picasso Flacons entworfen haben.

Inzwischen bietet Farina 26 Parfums an, „aber das Eau de Cologne ist immer noch das Hauptprodukt”, sagt der Geschäftsführer. Er glaubt, dass das positive Image die Ursache dafür ist. Von Erinnerungen an die Kindheit und Vertrautheit spricht er, wenn innerhalb einer Familie Farina über Generationen gekauft wird. „Das ist für viele ein Stück Geschichte, der Duft des Rokoko”, sagt der Geschäftsführer. „Unser einziges Problem ist, wenn wir mit 4711 in eine Ecke gestellt werden.” Das kommt zu Farinas Leidwesen aber immer wieder vor.

Bloß kein Allerweltsprodukt

Erfreulicher findet er da, dass es derzeit eine Renaissance des Eau de Cologne als Parfum-Gattung gibt und er immer wieder Hommagen an das erste Eau de Cologne entdeckt - auch wenn häufig die Qualität nachlasse, sagt Farina. So würden teure Rohstoffe oft durch synthetische ersetzt.

Die aus aller Welt angelieferten ätherischen Öle werden bei Farina nicht sofort verwertet, sondern nach längerer Lagerung mit verschiedenen Jahrgängen gemischt, um saisonale Schwankungen auszugleichen. Heute wie vor 300 Jahren. Weitere Konstante: Das zurückhaltende Auftreten. Keine radikalen Veränderungen, keine offensive Werbung. „Unsere Kunden wollen nicht, dass das ein Allerweltsprodukt wird”, sagt Johann Maria Farina. Es sei wichtiger, einen Kunden über Jahrzehnte zu halten, als zehn zu gewinnen, die nach drei Jahren wieder weg sind. „Alles ist auf Langfristigkeit angelegt”, sagt Farina. Wie wahr, nach 300 Jahren.

Öffnungszeiten und Führungen im Farina-Haus

Die ältestes Parfum-Fabrik der Welt, Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH, befindet sich in Köln immer noch an der Stelle, wo sie vor 300 Jahren gegründet wurde. Heute lautet die Adresse allerdings Obenmarspforten 21, das ist schräg gegenüber des Wallraf-Richartz-Museums.

Das Farina-Haus hat von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 16 Uhr, geöffnet. Kostümführungen finden donnerstags um 17 Uhr , samstags um 16 Uhr und sonntags um 15 Uhr statt. Kinderführung: sonntags um 14 Uhr. Der Eintritt beträgt neun Euro, Kinder ab sechs Jahren zahlen 4,50 Euro, ab 14 Jahren sieben Euro. Private Führungen können unter 0221/3998994 oder museum@farina-haus.de vereinbart werden. Kostenpunkt: 160 Euro.

Eau de Cologne ist inzwischen ein Gattungsbegriff, der den Grad Duftstoff-Verdünnung wiedergibt: drei bis fünf Prozent. Eau de Toilette entspricht in der Regel sechs- bis neunprozentigem Duftstoffgehalt, Eau de Parfum zehn bis 14, Extrait Parfum 15 bis 30 Prozent.
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