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Das Café wird zur Tauschbörse umfunktioniert

Von: Leandra Kubiak
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Kleidertausch-Veranstaltungen gewinnen an Attraktivität. Auch in Aachen gab es in diesem Jahr mehrere Tausch-Aktionen, unter anderem im „Chico Mendes“. Foto: Greenpeace Aachen, KHG
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Kleidung tauschen, anstatt sie neu zu kaufen: Für viele ist das nichts Ungewöhnliches mehr. Auch in Aachen gab es in diesem Jahr mehrere Tausch-Aktionen, unter anderem im Café „Zuhause“. Foto: Greenpeace Aachen, KHG
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Kleidung tauschen, anstatt sie neu zu kaufen: Für viele ist das nichts Ungewöhnliches mehr. Auch in Aachen gab es in diesem Jahr mehrere Tausch-Aktionen, unter anderem im Café „Zuhause“. Foto: Greenpeace Aachen, KHG
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Hosen, T-Shirts, Röcke: Im „Chico Mendes“ hatte alles seine Ordnung.

Aachen. 60 neue Textilien werden pro Kopf pro Jahr eingekauft – so heißt es in einer Broschüre, die die Greenpeace-Gruppe Aachen unlängst veröffentlicht hat. Eine ziemlich hohe Zahl, die Konsequenzen nach sich zieht: unter anderem einen riesigen Berg Altkleidung. Einer Angabe von Greenpeace zufolge fallen allein in Deutschland jährlich 750.000 Tonnen Altkleidung an. Eine kaum greifbare Menge.

Doch die Masse an Altkleidung ist nicht das Einzige, das Umweltschützern an dem massenhaften Konsum von Kleidung Sorgen bereitet. Mit der massenhaften und vor allem billigen Produktion in den Textilfabriken, zum Beispiel in China, Indien und Bangladesch, geht häufig die Verwendung giftiger Chemikalien einher, die Mensch und Natur schaden. Und das sei der Grund, warum sich auch Greenpeace mit dem Thema der umweltfreundlichen und nachhaltigen Produktion von Mode befasst, sagt Ingrid Krümmel-Seltier von der Ortsgruppe in Aachen.

Kampagne gegen Gifte

Seit 2011 führt Greenpeace die Kampagne „Detox“ durch und versucht damit, Textilhersteller zu gewinnen, die sich verpflichten, bis 2020 auf die Verwendung von elf der schädlichsten Chemikaliengruppen zu verzichten. Bisher beteiligen sich 31 Textilhersteller an der Kampagne. Im Zuge von „Detox“ veranstaltete Greenpeace Aachen im Sommer eine Kleidertauschparty – die erste in der Geschichte der Aachener Gruppe.

Gemeinsam mit der Greenpeace-Gruppe „Lawitox“, die sich mit den Themen Landwirtschaft und Kleidung befasst, hat Ingrid Krümmel-Seltier den Kleidertausch organisiert. Und das, obwohl sie mit Themen wie Kleidertausch oder Secondhand vorher so gut wie nichts zu tun hatte. Da sie sich für die „Detox“-Kampagne engagiert hat, war die Beteiligung am Projekt quasi logische Konsequenz.

Der Kleidertausch war eine bundesweite Aktion von Greenpeace. An einem Tag hat die Aktion in 44 Städten quer durch Deutschland stattgefunden. „Und da wir für ‚Detox‘ aktiv waren, konnten wir da natürlich nicht kneifen“, sagt die Aktivistin. So zog die Ortsgruppe Aachen mit.

Voller Erfolg

Obwohl es etliche Vorläufer im Bereich des Kleidertauschs gibt, hätte eine solche Aktion für viele immer noch einen „Bäh“-Beigeschmack, meint Krümmel-Seltier. „Der Begriff ‚Kleidertausch‘ löst bei einigen aus meinem Freundeskreis einen Ganzkörper-Herpes aus“, witzelt sie.

Vielleicht war das einer der Gründe dafür, dass sie selbst die größte Kritikerin der Tauschaktion war, wie sie sagt. Das Ergebnis der Veranstaltung hat schließlich bewiesen, dass die Zweifel unbegründet waren: Sie war ein voller Erfolg. Über den Tag verteilt fanden sich rund 80 Personen im Café „Zuhause“ an der Sandkaulstraße in Aachen ein.

Doch die Veranstaltung brachte auch eine ganze Menge Arbeit mit sich: Aus dem Café musste im Vorfeld eine Tauschbörse mit Umkleidekabinen und Kleiderständern gezaubert werden. Zu sechst hat sich das Greenpeace-Team der Aufgabe angenommen. „Zum Glück hatten wir eine nette Unterstützung der Mitarbeiter aus dem Café“, erinnert sich Krümmel-Seltier. Gemeinsam habe man beispielsweise Umkleidekabinen aus Biertischen gebaut.

Etliche Kleidungsstücke wurden von den Besuchern mitgebracht: Von Jeans über T-Shirts bis hin zu Kleidern und Jacken. Ein Großteil der Textilien fand vor Ort einen neuen Besitzer. Bevor die Kleidung angeboten wurde, wurde jedes Teil kurz auf seinen Zustand geprüft. „Unterwäsche und Schuhe sind bei der nächsten Aktion wohl nicht noch einmal dabei“, zieht die Aktivistin Bilanz. Zu viel Aufwand, die Teile einzeln zu begutachten.

Der Kleidertausch boomt

Durch den Kontakt mit vielen jungen Menschen habe Krümmel-Seltier die Erfahrung gemacht, dass die meisten keine Probleme mit dem Gebrauch bereits genutzter Kleidung hätten. Im Gegenteil: Man könnte sagen, der Kleidertausch boomt. Immer häufiger hört man von Veranstaltungen, auf denen Klamotten getauscht werden – teils öffentlich, teils im privaten Rahmen. Und auch im Internet gibt es immer mehr solcher Angebote. „Kleiderkreisel“ ist eine der Plattformen, auf der online gebrauchte Kleidung verkauft, verschenkt oder getauscht werden kann. 8,5 Millionen Mitglieder hat die Plattform nach eigenen Angaben weltweit.

Das Prinzip der Kleidertausch-Veranstaltungen ist denkbar einfach: Wer Kleidung abgeben möchte, kann diese zu den Veranstaltungen mitbringen. Alle Besucher können dann in dem Angebot an Kleidung stöbern und sich neue Teile mitnehmen. Je nach dem, wie groß die Veranstaltung ist, gibt es feste Regeln: Ein Besucher darf dann beispielsweise nur so viele Teile mit nach Hause nehmen, wie er selbst mitgebracht hat.

Beim Kleidertausch in Aachen ging es da lockerer zu. „Bei uns durfte sich jeder so viel mitnehmen, wie er wollte“, sagt Krümmel-Seltier. Erfahrungsgemäß sei es ohnehin so, dass mehr Kleidung mitgebracht, als schließlich mit nach Hause genommen werde. Leer musste also niemand ausgehen.

Genutzt werden die Angebote, wie die Kleidertausch-Treffen, deutlich stärker von Frauen als von Männern. Diese Erfahrung hat auch die Gruppe „Open Globe“ Aachen gemacht. Auch sie hat im Frühjahr erstmalig einen Kleidertausch in Aachen veranstaltet – in Kooperation mit der Katholischen Hochschulgemeinde Aachen (KHG). Ort des Geschehens war das Café „Chico Mendes“ an der Pontstraße in Aachen.

Über drei Stunden hinweg wurde gestöbert, rund 150 Leute kamen. Sinn der Veranstaltung sei aber nicht nur gewesen, Kleidung auszutauschen. Den Veranstaltern sei es auch darum gegangen, ein neues Bewusstsein zu schaffen, erzählt Marina Biller von „Open Globe“. Vor Ort wurde – in Form von Broschüren und Plakaten – zum Beispiel darüber aufgeklärt, wo billige Kleidung herkommt und wie sie produziert wird. „Open Globe“ ist ein entwicklungspolitisches Netzwerk für junge Menschen und Teil des „Eine Welt Netz NRW“, dem Dachverband entwicklungspolitischer Vereine in Nordrhein-Westfalen.

Handlungsalternativen aufzeigen

Die „Open Globe“-Ortsgruppe Aachen hat sich im Oktober vergangenen Jahres gegründet. Derzeit hat sie fünf Mitglieder – neue Mitstreiter sind gern gesehen. Ziel der Gruppe ist es, über globale Ungerechtigkeit aufzuklären und entsprechende Handlungsalternativen aufzuzeigen. Neben dem Kleidertausch hat die Gruppe unter anderem bereits ein „Taste The Waste“-Kochen veranstaltet, bei dem in Anlehnung an den gleichnamigen Film mit Lebensmitteln gekocht wurde, die andernfalls ihren Weg in die Mülltonne gefunden hätten.

Der Zuspruch nach den Kleidertausch-Aktionen von „Open Globe“ und Greenpeace war groß. Es habe viele Anfragen nach weiteren Treffen gegeben, berichten beide Veranstalter. Und daher lag auf der Hand: Die Aktion muss wiederholt werden. KHG und „Open Globe“ haben im Oktober gleich die zweite Tauschbörse im „Chico Mendes“ eröffnet. „Beim ersten Kleidertausch war der Raum schon fast zu klein“, sagt Marina Biller. Im Oktober wurde der Café-Bereich daher um weitere Räume erweitert. „Wir stellen uns das als eine Art Rundgang vor“, sagte die 27-Jährige vorab. „Neben einem Stand mit Kleidung wird es dann immer einen Tisch mit Informationen zu dem Thema geben.“

Der nächste Greenpeace-Kleidertausch ist für Mitte Januar geplant. Diesmal setzt Greenpeace auf eine Kooperation mit dem Bündnis „Fairhandel(n)“.

Ökologisch produzierte Kleidung

Speziell für Frauen gibt es in Aachen eine weitere Möglichkeit, gebrauchte Kleidung zu kaufen und zu verkaufen: Seit einigen Jahren wird regelmäßig Aachens Mädelsflohmarkt „aixtravagant“ veranstaltet, jeweils in der Aula Carolina auf der Pontstraße. Der nächste Termin ist der 21. Mai. Getrödelt wird immer von 12 bis 18 Uhr.

Private Tauschringe, Flohmärkte und Secondhand-Läden sind die eine Möglichkeit eines nachhaltigeren Kleiderkonsums. Die andere Möglichkeit ist, langlebige und ökologisch produzierte Kleidung zu kaufen.

Im August hat Greenpeace Aachen einen Ratgeber herausgebracht, der zusammenfasst, was man beim Kauf von Kleidung beachten sollte, um die Umwelt zu schonen. Das Heft listet außerdem Geschäfte in Aachen, die Kleidung mit bestimmten Gütsiegeln führen. Die Siegel bewerten jeweils entweder die ökologische Herstellung oder die Fairness bei Herstellung und Vertrieb der Mode. Greenpeace beschränkt sich dabei auf die ökologischen Produktsiegel „GOTS“ und „IVN Best“ und die Fairness-Siegel „Fairtrade Certified Cotton“ und „Fair Wear Foundation“.

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