Aachen/Düren/Heinsberg - Darlehen für die Pille: Beratungsbedarf steigt

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Darlehen für die Pille: Beratungsbedarf steigt

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Düren/Heinsberg. Verhütungsmittel kosten Geld. Geld, das Hartz-IV-Empfängerinnen, Angestellten im Niedriglohnbereich und Studentinnen oft fehlt. Die Folge der finanziellen Probleme: ungewollte Schwangerschaften.

„Bundesweit ist die Anzahl der Konfliktberatungen in den letzten Jahren gesunken, aber bei uns stieg der Beratungsbedarf”, sagt Waltraud Breihahn von Donum Vitae Aachen. 2007 waren es noch 265 Konfliktberatungen, im vergangenen Jahr 319.

Zahlen darüber, wie viele ungewollte Schwangerschaften auf finanzielle Engpässe zurückzuführen sind, gibt es nicht. Aber dass das fehlende Geld für Verhütungsmittel in der Region immer häufige als Grund genannt wird, halten die Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen für wahrscheinlich.

Ein Fonds für die Verhütung

Verschlechtert hat sich die Situation durch das Gesundheits-Modernisierungsgesetz, das 2004 in Kraft trat. Zuvor bezahlten die Sozialämter Bedürftigen die Verhütungsmittel. Seit Hartz IV müssen auch arme Frauen diese Kosten selbst tragen.

Eine Hartz-IV-Empfängerin hat monatlich 351 Euro zur Verfügung. 12,90 Euro davon sind für Gesundheitspflege vorgesehen. Spirale, Hormonimplantat oder eine Sterilisation sind damit unerschwinglich. Auch die Pille ist mit zehn bis 15 Euro pro Monat für viele Frauen zu teuer. Außerdem muss die Pille regelmäßig genommen werden.

Aber was, wenn die Packung leer ist und das Portemonnaie auch? Viele Frauen weichen auf das günstigere, aber auch unsicherere Verhütungsmittel Kondom aus oder verzichten ganz darauf. Die ungewollt Schwangeren sitzen später in den Beratungsstellen und sagen Sätze wie „eigentlich musste ich die Pille kaufen, aber es war einfach kein Geld da”.

Immer häufiger ist daher in den Beratungsstellen von Donum Vitae und Pro Familia auch schon vor einer ungewollten Schwangerschaft das fehlende Geld für Verhütungsmittel ein Thema. In Aachen und Düren wurden bereits Lösungen für das Problem gefunden: In Düren können Empfängerinnen von Arbeitslosengeld II über das Sozialamt ein zinsfreies Darlehen beantragen. In Aachen greifen Beratungsstellen seit dem 1. Januar 2009 auf den sogenannten Verhütungsmittelfonds für Bedürftige zurück, um 50 bis maximal 90 Prozent der Kosten für die sogenannten „Hilfsmittel zur Familienplanung” zu übernehmen. 15.000 Euro kostet das die Stadt jährlich.

Die Beraterinnen aus Heinsberg wünschen sich ein solches Angebot auch für ihre Klientinnen. Was Irina Naber von der Donum-Vitae-Beratungsstelle in Heinsberg jedoch besonders ärgert, sind die Unstimmigkeiten des Systems: „Der Staat bezahlt einer bedürftigen Frau, und das sind bei weitem nicht nur Hartz-IV-Empfängerinnen, zwar mehrere Schwangerschaftsabbrüche aber keine Sterilisation. Das ist doch widersprüchlich.”
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