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Comiciade: Selbst Rubens spricht in Blasen

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Karl der Kleine: Heißbegehrt auf der Comiciade im Aachener Ludwig. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Rapunzels Augen leuchten so grün wie Smaragde. „Sind nicht echt“, sagt die Märchenfee lachend. Und der blonde Zopf ist ihr sicher auch nicht von selbst so schön lang gewachsen. Aber herrlich sieht sie schon aus in ihrem blauen Prachtkleid – wie taufrisch dem gleichnamigen Disneyfilm entsprungen.

Rapunzel heißt in Wirklichkeit Lani Riddle, stammt aus Vaals und hat an der Universität Maastricht Illustration studiert. Ihr Hobby, seit zehn Jahren: Cos­play. Das Kunstwort aus den englischen Begriffen „costume“ und „play“ steht für den ursprünglich in Japan entstandenen Verkleidungstrend, Figuren und Charaktere aus Comics, Mangas, Filmen oder Computerspielen in Kostümen und Verhalten so originalgetreu wie möglich darzustellen. Lani Riddle ist einer der schillernden Stars auf der ersten Comiciade in Aachen. Bereits kurz nach der Öffnung im Ludwig Forum Freitagmittag scharten sich die Autogrammjäger um die junge Dame in ihrem Prunkkostüm.

Zahlreiche Verlage vertreten

Der Auftritt der Cosplayer gehört zu den Höhepunkten der Comiciade, wenn sie am Samstag, am zweiten und letzten Tag der Veranstaltung, um 13 Uhr im Ludwig Forum zum Free-Style-Wettbewerb antreten. Comicfans kamen bereits am ersten Tag voll auf ihre Kosten – wo trifft man schließlich schon derart viele einschlägige Verlage mit ihren Neuerscheinungen und all die weltberühmten Stars der Szene wie Hermann, Walthéry oder Ulrich Schröder? Der Aachener Disney-Zeichner signierte und zeichnete, was die Feder hergab.

Mit dem richtigen Ansturm der Comicfans rechnen die beiden Veranstalter Alexander Samsz und Mario Wagner von der IG Aachener Portal e.V. erst am Samstag. Ein Jahr lang haben sie zusammen mit einem zwölfköpfigen Team die Comiciade vorbereitet; der breite Zuspruch und die Teilnahme von über 100 internationalen Zeichnern gibt ihnen recht: Die Comiciade war überfällig – organisiert von einem Stadtteilverein, der ursprünglich gegründet wurde, um den Aachener Norden zu beleben und insgesamt aufzuwerten.

Auch Alfred Neuwald schreibt sich die Finger wund; Band um Band signiert der Aachener sein Comicabenteuer „Barki und Karl der Kleine bei den Karolingern“. „Die Idee ist vor einem Jahr entstanden“, erzählt David Lulley vom Aachener Karnevalsverein (AKV), dem Herausgeber und Kooperationspartner des Autors. Der wundert sich noch immer: „Dass das so einschlagen würde“, das hätte er nicht gedacht. „Wir haben genug Ideen für weitere Projekte“, gibt Lulley einen vielversprechenden Ausblick auf die Zukunft von Karl dem Kleinen . . .

Comics, das sind keineswegs nur Abenteuer von Gesellen wie Goofy oder Donald Duck: Wer hätte wohl gedacht, dass Pablo Picasso, Andy Warhol, Salvador Dalí und selbst Rubens als Hauptdarsteller hübsch gezeichneter Bildergeschichten Sprechblasen von sich geben? Und wieder ist es ein Aachener, der mit echten Helden wahre Comicgeschichten schreibt und damit eine ganz eigene Lücke im großen Angebot ausfüllt: Willi Blöß, von Hause aus Architekt, später Inhaber einer Werbeagentur. „Irgendwann hatte ich das finanzielle Polster, um etwas ganz anderes zu machen“, erzählt er. Jetzt schreibt und zeichnet er Comic-Biografien von berühmten Künstlern.

Die Idee dazu ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Aachener Kunsthistoriker Gregor Jansen, seit 2010 Leiter der Düsseldorfer Kunsthalle. „Er führt mich zusammen mit Museumsleuten“, erklärt Blöß, der seine im Eigenverlag herausgegebenen Hefte vor allem in Museumsshops und Buchhandlungen vertreibt. 24 Stück sind bis jetzt erschienen, für jedes rechnet Blöß mit einem halben Jahr Arbeit. „Ich muss die Infos aus dicken Büchern so einstampfen, dass am Ende vier DIN-A4-Seiten Text übrig bleiben.“ Gerade mal drei Euro kosten die Comicbändchen über Frida Kahlo & Co., genau der rechte Preis für interessierte Schüler, die sich nach einem Museumsbesuch die teuren Künstler-Bios nicht leisten können.

Und so gibt es viele Neuentdeckungen auf der Comiciade Aachen, die man so gar nicht erwartet hätte. Lani Riddle schneidert übrigens alle ihre Kostüme selbst, wie fast alle der schätzungsweise 20 000 Cosplayer in Deutschland. „Ehrensache!“ 150 näh­te die Vaalserin bereits. „Als Rapunzel kleine Mädchen glücklich zu machen“, sagt sie. „Das ist das Schönste dabei.“

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