Christopher Street Day: Party im Nieselregen

Von: dapd-nrw
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Christopher Street Day
Ein verkleideter Teilnehmer hält in Köln bei der Parade zum Christopher Street Day einen Schirm. Das diesjährige Motto des CSD lautet: Ja, ich will. Es soll darauf aufmerksam machen, das sich Homosexuelle vor dem Gesetzt nicht über die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare verfügen. Foto: dpa

Köln. Für Annika Mai-Stinder und Lea Buchholz aus Osnabrück beginnt der Christopher Street Day (CSD) an diesem Sonntag schon um sieben Uhr morgens. Beide müssen in ihre Kostüme schlüpfen und haben dann eine lange Anreise zur CSD-Parade nach Köln vor sich.

Die 25-jährige Lea wählt ein altes Brautkleid, das im Stil eines Fracks zugeschnitten ist. Ihre Partnerin entscheidet sich für ein weites Hemd über roter Lingerie, eine Netzstrumpfhose und Lederstiefel.

„Die Kostüme waren Arbeit, das Wetter ist schrecklich und es ist eine lange Fahrerei, aber für uns ist es das absolut wert”, sagt Annika. Und als um zwölf Uhr im stetigen Nieselregen an der Deutzer Brücke die große Parade beginnt, ist das Paar von Anfang an dabei.

Trotz des schlechten Wetters ist der Umzug auch in diesem Jahr gut besucht: Tausende Schwule, Lesben, Bi-, und Transsexuelle sind gekommen, um gemeinsam mit den schaulustigen Kölnern ein Fest für Toleranz und gegenseitigen Respekt zu feiern. Die zur Schau getragenen Kostüme sind erneut ausgefallen: Auf den rund 100 Festwagen und im Publikum sieht man Männer in Lack und Leder, schrille Federboas - und viel nackte Haut.

Auch wenn sich Annika und Lea für schlichtere Kleidung entschieden haben, können beide den Spaß an der Provokation nachvollziehen: „Schwule müssen sich im Alltag noch mehr zurückhalten als Lesben, um nicht diskriminiert zu werden. Da ist es bestimmt eine große Befriedigung, einmal im Jahr so richtig aufzudrehen”, sagt Lea.

Diesjähriges Motto lautet „Ja, ich will!”

Die laute Musik, die bunten Wagen und die tanzende Menschenmenge erinnern bewusst an den Kölner Karneval und unterstreichen in ihrer Intensität den dringlichen Wunsch nach Gleichberechtigung. „Gleiche Rechte für Geile Lesben”, steht drastisch auf einem der Festwagen. „Wenn man uns nicht hört, wenn wir flüstern, schreien wir eben”, fordert Manuel Hochburg (32) aus Köln.

Das diesjährige Motto der europaweit größten CSD-Parade lautet „Ja, ich will!”. Denn die völlige rechtliche Gleichbehandlung von Lebenspartnerschaft und Ehe ist die Hauptforderung des diesjährigen CSD. Bislang dürfen „verpartnerte” Lesben und Schwule gemeinsam keine Kinder adoptieren und sind steuerlich schlechter gestellt.

Seit Freitag organisierten deshalb verschiedene Organisationen wie die deutsche Aids-Hilfe und der Kölner Lesben- und Schwulentag Konzerte und Veranstaltungen rund um das Thema der politischen Gleichbehandlung. Obwohl homosexuelle Paare im Alltag längst akzeptiert seien, müsse rechtlich noch viel getan werden, sind sich die Veranstalter einig.

„Wir werden damit vertröstet, dass wir unsere eingetragene Lebenspartnerschaft genauso feiern können wie eine Hochzeit”, kritisiert Theresa Sieg, eine der Aktivistinnen für Gay Pride Cologne. „Aber trotzdem ist die Ehe den Heteros vorbehalten. Damit muss Schluss sein.”

Auch Heterosexuelle feiern mit

Das mediale Interesse am CSD ist auch in diesem Jahr groß. Mehrere Fernsehsender übertragen live die Bilder des bunten Treibens unter dem Kölner Dom. Das „Schlagerstündchen” von WDR 4 mit Helene Fischer ist in diesem Jahr erstmalig in den Rahmen der Parade eingebettet.

Und auch viele Heterosexuelle verfolgen das Spektakel vom Balkon aus oder begleiten die Parade. Als gegen Mittag dann doch die Sonne herauskommt, ist die Partystimmung für viele perfekt: „Die Fröhlichkeit ist einfach ansteckend, außerdem möchten wir unseren Kindern beibringen, dass Menschen unterschiedlich, aber alle wertvoll sind”, sagt ein junger Familienvater.

Für das lesbische Paar Annika und Lea ist der CSD seit Beginn ihrer Beziehung Tradition: „Wir hatten hier unser Outing, schon allein deswegen feiern wir jedes Jahr”, erzählt Lea. Für die nächste Veranstaltung 2013 haben beide einen ehrgeizigen Plan: „Bis dahin sind wir nicht eingetragene Lebenspartner, sondern verheiratet.”
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