Aachen/Alsdorf - Chefredakteur Bernd Mathieu verabschiedet sich nach 23 Jahren Amtszeit

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Chefredakteur Bernd Mathieu verabschiedet sich nach 23 Jahren Amtszeit

Von: Hermann-Josef Delonge
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Sabine und Bernd Mathieu sowie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, umgeben von den Gästen anlässlich der Verabschiedung des langjährigen Chefredakteurs unserer Zeitung im Alsdorfer Langhaus. Foto: Andreas Herrmann
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Der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Dompropst Manfred von Holtum, der ehemalige Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes, der ehemalige IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Eschweiler und Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (von links). Foto: Andreas Herrmann
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Beatrix Bossle, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der AVG, und Johannes Werle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mediengruppe Rheinische Post und Geschäftsführer der ANV. Foto: Andreas Herrmann
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Andreas Müller, Geschäftsführer des Medienhauses Zeitungsverlag Aachen, vor den gut 350 Gästen im Alsdorfer Langhaus. Foto: Andreas Herrmann
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Michael Ernst, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des ZVA. Foto: Andreas Herrmann
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Aachens ehemaliger Generalmusikdirektor Kazem Abdullah. Foto: Andreas Herrmann
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Bernd Mathieu und sein Nachfolger Thomas Thelen. Foto: Andreas Herrmann
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Moderatorin Angela Maas und Bernd Mathieu. Foto: Andreas Herrmann
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NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Foto: Andreas Herrmann
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Sabine Mathieu. Foto: Andreas Herrmann

Aachen/Alsdorf. Zum Ende hin kam dann doch ein bisschen Wehmut ins Spiel. Das muss aber auch erlaubt sein, immerhin ging es gestern im Alsdorfer Langhaus, das Bürgermeister Alfred Sonders pünktlich für den Anlass hatte fertigstellen lassen, um einen Abschied. Bernd Mathieu, Chefredakteur dieser Zeitung, geht am 31. Juli in den Ruhestand.

Nach 23 Jahren im Amt (damit ist er der dienstälteste Chefredakteur in Deutschland) und nach mehr als 40 Jahren als prägender Journalist im Zeitungsverlag Aachen. Das ist viel mehr als nur ein Abschnitt, der zu Ende geht. Das ist eine Ära.

Es passte allerdings zu diesem Vormittag, dass davon, von „Ära“ nämlich, nicht oft die Rede war. Das Weihrauchfass blieb geschlossen. Außerdem neigen Journalisten bekanntlich zur Ironie und im Idealfall auch zur Selbstironie. Die gut 350 geladenen Gäste im Langhaus – Freunde, Kollegen, Wegbegleiter und natürlich auch ein paar Honoratioren – bekamen davon einige Kostproben; gelacht werden durfte also auch.

Vier Überraschungsgäste

Für die Portion Wehmut sorgten dann echte Überraschungsgäste. Vier Männer, vier Freunde von Bernd Mathieu und seiner Frau Sabine: Henning Krautmacher, Hannes Schöner und Jens Streifling, der Kern der Kölner Kultband Höhner, und Kazem Abdullah, der ehemalige Generalmusikdirektor der Stadt Aachen – Gesang, Gitarre und irischer Dudelsack treffen auf Klarinette. Heraus kam eine wunderbare kölsche Version des irischen Folksongs „Lily of the West“, unterlegt mit einem sehr persönlichen Text, der den Ton dieser Veranstaltung punktgenau traf: „Et letzte Jlas“.

Persönlich und wenig staatstragend: Das galt für alle Würdigungen, die an diesem Vormittag, der von der Journalistin und Herausgeberin Angela Maas moderiert wurde, zu hören waren. Andreas Müller, Geschäftsführer des Medienhauses Zeitungsverlag Aachen (ZVA), dankte dem „Freund und Kollegen“ für die „tolle gemeinsame Zeit“ und hob dessen „vorausschauende Innovationskraft“ hervor. Die war auch notwendig, denn unter Mathieus Ägide wurde aus der altehrwürdigen „Aachener Volkszeitung“ die zeitgemäßere und frischere „Aachener Zeitung“, wurden die Redaktionen von „Aachener Nachrichten“ und „Aachener Zeitung“ zusammengelegt, wurde der Umbau eines reinen Print- in ein Multimediahaus vorangetrieben und realisiert.

Immer engagiert für den Nachwuchs

Begeisterungsfähigkeit, Mut zu Veränderungen, frische Ideen und Einsatzkraft: Michael Ernst, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des ZVA, erinnerte sich lebhaft an den davon geprägten und deshalb wohl überaus überzeugenden Auftritt Mathieus im Bewerbungsverfahren für den Posten des Chefredakteurs vor 23 Jahren. Ernst hob neben anderem vor allem dessen Verdienste um den journalistischen Nachwuchs im Zeitungsverlag hervor. Die Volontärinnen und Volontäre genießen nämlich eine umfangreiche und vorbildliche multimediale Ausbildung. Die liegt Mathieu besonders am Herzen – auch als Professor an der Fachhochschule Aachen. Er wird diese Arbeit in der Akademie der Funke-Mediengruppe fortsetzen.

Es bestehen also berechtigte Zweifel daran, dass Mathieus Ruhestand auch wirklich ein Ruhestand wird. Es würde auch gar nicht zu ihm passen. Daran wird wohl auch die Reise nach Kanada nichts ändern, die im Kalender des Ehepaars Mathieu demnächst erscheinen wird – ein Geschenk der Gesellschafter, überreicht von Beatrix Bossle, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Aachener Verlagsgesellschaft (AVG), und Johannes Werle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mediengruppe Rheinische Post und Geschäftsführer der Aachener Nachrichten Verlagsgesellschaft (ANV).

Aus der rheinischen Provinz in die weite Welt: Das wiederum passt sehr gut. Mathieu ist Baesweiler – genauer: Oidtweiler – und damit ein Mann der Provinz aus Überzeugung und Leidenschaft. Ohne allerdings, auch darauf legt er Wert, provinziell zu sein. Das ist der Maßstab, den er auch immer an die Arbeit seiner Redaktion gelegt hat, ob als Leiter der Lokalredaktion Aachen-Stadt oder später als Chefredakteur. Wobei: Erst durch Mathieu wisse man ja, dass es Oidtweiler überhaupt gebe, stichelte Armin Laschet, nicht nur Ministerpräsident des Landes NRW, sondern auch überzeugter Kaiserstädter – genauer: Burtscheider.

Dass es zwischen den beiden schon mal ordentlich gekracht hat, verschwieg der Ministerpräsident nicht. Und entwickelte daraus seine Würdigung dessen, was guten Lokaljournalismus ausmache: Die Fähigkeit und Standhaftigkeit nämlich, über Leute zu berichten, denen man immer wieder direkt begegnet. In diesem Umfeld kritisch zu schreiben, sei nicht einfach. Bernd Mathieu habe diese Fähigkeit immer besessen und offensiv praktiziert – bei aller Loyalität zu der Region, in der er lebt und arbeitet. Man darf davon ausgehen, dass diese Tradition fortgesetzt wird, denn auch sein Nachfolger Thomas Thelen ist ein Eigengewächs des Zeitungsverlags und kommt aus der Region.

Der 50-Jährige wird sein Amt am 1. August offiziell antreten, unterstützt vom neuen stellvertretenden Chefredakteur Amien Idries (45) und von der neuen Chefin vom Dienst, Anja Clemens-Smicek. Man darf die Kabaretteinlage, die Thelen und sein Redakteurskollege Peter Pappert auf die Bühne legten, durchaus als Beweis des besonderen Betriebsklimas innerhalb der Redaktion werten. Bernd Mathieu, erhoben auf den Schild und getragen von Händen aus der Redaktion, während niemand Geringere als Angela Merkel, Martin Schulz und Papst Franziskus mit Tränen in den Augen daneben stehen: Was den Gästen im Langhaus da als „Gemälde der Frührenaissance, direkt aus den Vatikanischen Museen“ verkauft werden sollte, war tatsächlich eine überdimensionale, überaus treffende Zeichnung unseres Hauskarikaturisten Jürgen Tomicek.

Die Liebe zum 1. FC Köln

Die letzten Zeilen sollen aber, wie es sich gehört, Bernd Mathieu selbst gehören. Sichtlich bewegt bedankte der 63-Jährige sich bei seiner Redaktion und bei der Verlagsleitung. „Die Nachfolge ist gut geregelt“, sagte er mit Blick auf den neuen Chefredakteur, mit dem ihn nicht nur der Wohnort und die Leidenschaft zum 1. FC Köln verbinden. „Irgendwann braucht ein Team neue Impulse und neue Personen an der Spitze. Deshalb habe ich mich entschlossen, vorzeitig auszuscheiden.“

Mathieu erinnerte sich an Projekte, die ihm in seiner Zeit als Chefredakteur besonders am Herzen lagen: das regionale Hilfswerk „Menschen helfen Menschen“, die Projekte mit Unicef, über die viele Spendengelder an Menschen – vor allem Kinder – in Not in aller Welt gingen. Er erinnerte an seinen langjährigen Wegbegleiter Erich Behrendt, der erst im März im Alter von nur 63 Jahren gestorben ist. Und er bedankte sich mit warmen Worten bei seiner Familie, bei Ehefrau Sabine, den drei Kindern und den Schwiegerkindern.

„Es war mir eine Ehre“, schloss Bernd Mathieu. Uns übrigens auch.

 

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