Centre Charlemagne: Neues Zentrum für Aachens Geschichte

Von: Martina Feldhaus
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Das Centre Charlemagne mit dem neuen Eingang aus Glas, der zum Katschhof hin ausgerichtet ist. Die Fassade vom Architekten Gerhard Moritz Graubner ist denkmalgeschützt und wurde deshalb kaum verändert. Foto: Harald Krömer
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Das Herzstück des Centre Charlemagne ist der 800 Quadratmeter große Dauerausstellungsraum mit vielen Exponaten und interaktiven Stationen zu Aachens Geschichte. In der Mitte schwebt – auf Stelzen und mit einer Lichtmembran umkleidet – der 200 Quadratmeter große Raum für Wechselausstellungen. Darunter entsteht ein Geschichtslabor. Foto: Harald Krömer
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Links: Das Gebäude auf der Seite Johannes-Paul-II.-Straße, mit Eingang zum Bürgerservice. Foto: Harald Krömer
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Fenster zum Ausstellungssaal: Im Raum für Museumspädagogik sollen Kurse, Workshops und Vorträge stattfinden. Die Zielgruppe: Touristen, Aachener und Schulen, wie Museumspädagogin Pia vom Drop (v.l.) Kulturdezernentin Susanne Schwier, Baudezernentin Gisela Nacken und Gerd Wagner, im Kulturbetrieb zuständig für die Route Charlemagne, erläutert. Foto: Harald Krömer

Region. Touristen, Menschen auf Einkaufsbummel, Marktbesucher, Berufstätige und jede Menge Öcher: Zu Tausenden sind sie in den vergangenen Jahren über den Aachener Katschhof, pittoresk gelegen zwischen Dom und Rathaus, geschlendert, gelaufen, gehetzt. Viele haben wohl gesehen, dass auf der Seite in Richtung Johannes-Paul-II.-Straße eine Großbaustelle ist.

Gerüste, Baumaterialien, Kräne, Bagger und Lkw zeugten davon. Sonst war von außen aber kaum zu erkennen, was da genau vor sich ging.

„Dieses Haus ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Gebäude von innen wirken kann“, sagt Klaus Schavan, technischer Leiter des Gebäudemanagements der Stadt Aachen. Er und sein Team haben die Metamorphose des 60er-Jahre-Baus in den letzten vier bis fünf Jahren hautnah miterlebt und begleitet. Das ehemalige Verwaltungsgebäude – den meisten bekannt als Aachener Bürgerservice – ist in dieser Zeit Stück für Stück zum sogenannten Centre Charlemagne umgebaut worden.

Das Centre Charlemagne wird, wie der Name schon sagt, der zentrale Anlaufpunkt für die Route Charlemagne – einem touristischen Pfad durch Aachens Geschichte, aufgehängt an verschiedenen herausragenden Gebäuden in der Altstadt. Wer will, kann schon jetzt Teile davon ablaufen. Rathaus, Dom, Internationales Zeitungsmuseum, Super C und Couven-Museum gehören dazu. Jede Station steht für ein bestimmtes Thema – Macht, Religion oder Wissenschaft – jeweils mit Exponaten und Darstellungen über Aachens Vergangenheit und Gegenwart.

Und im Centre läuft künftig alles zusammen. Hier soll der Startschuss sein, hier sollen Häppchen Appetit machen auf den Rest der Route, hier gibt es ein nagelneues Stadtmuseum. Denn das Centre Charlemagne wird selbst zum Ausstellungsort. In Dauerausstellungen werden die groben Linien der Stadtgeschichte nachgezogen, stets orientiert an Karl dem Großen und mit Blick auf die Geschichte Europas. Auch Räume für Wechselausstellungen, Museumspä-dagogik und Besprechungen sowie ein Auditorium und ein Geschichtslabor für Schulklassen wird es geben.

Für all das wurde innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudes jede Menge bewegt, umgebaut, abgerissen und neu gemacht. Sanierung im Bestand heißt das im Fachjargon. Eine echte Herausforderung für Planer – Gebäudemanagement sowie die Architekten vom Aachener Büro „hks“ – und Ausführende. Aber eine, die nach vielen Hürden – nach Wassereinbrüchen, harten Wintern und unerwarteten Mängeln, nach Bauzeitverlängerungen und Kostensteigerungen – gelungen ist. Zweieinhalb Monate vor der Eröffnung erstrahlt der ehemals dunkle Verwaltungsbau mit den niedrigen Decken und veralteter Innenarchitektur in neuem Glanz.

„Von außen sieht man gar nicht, wie toll es hier drinnen ist“, schwärmt Schavan. Gemeinsam mit einer Gruppe aus städtischen Vertretern, darunter die Bau- und die Kulturdezernentinnen Gisela Nacken und Susanne Schwier, steht er im neu gestalteten Foyer des Centre. Gekommen sind sie durch den angebauten Windfang aus Glas, der das Gebäude 70 Quadratmeter größer macht und auf dem historischen Katschhof zum regelrechten Blickfang geworden ist.

Das Foyer ist hell, die lange Theke für den künftigen Kassenbereich mitsamt Museumsshop steht bereits. Dahinter gibt es demnächst die Audio-Guides, mit denen Besucher – wie bereits im Rathaus – auf Wunsch durch die Centre-Ausstellungen geführt werden können. Links vom Eingang wird das Museums-Café angesiedelt, mit Panoramablick auf Dom und Rathaus, rechts der Info-Bereich, wo Neugierige kurz und knapp etwas über das Haus selbst, die gesamte Route Charlemagne und andere Kulturhäuser der Stadt erfahren.

Klare Linien

Dass hier Profis geplant haben, sieht man. Modern, hell und offen ist der Inneraum, klare Linien und glatte Oberflächen bestimmen das Bild. Auch dort, wo das Herzstück des Centre Charlemagne liegt. Auf das blicken Schavan, Nacken und Schwier nun. Sie stehen an einem Geländer aus Glas und Metall – und blicken nach unten. Dort, wo einst das Verwaltungsparkhaus lag, tut sich der neue Ausstellungsbereich auf. Aufwendig wurde das Untergeschoss ausgebaggert und dann neu bebaut. „Dazu waren umfangreiche Sicherungsarbeiten nötig. Archäologische Funde gab es aber glücklicherweise nicht“, erklärt Brigitte Schuh, Projektleiterin beim Gebäudemanagement.

Entstanden sind an dieser Stelle 800 Quadratmeter Dauer- und 200 Quadratmeter Wechselausstellungsfläche. Letztere schwebt quasi als Raum im Raum auf Betonstehlen und zieht mit ihrer leuchtenden LED-Membran, die mit einem Zeitstrahl zu Aachens Geschichte beschriftet ist, alle Blicke auf sich.

„Beide Flächen sind wie für Aachen typisch in Dreiecksform gebaut worden“, erklärt Gerd Wagner vom städtischen Kulturbetrieb. Tatsächlich findet man das Dreieck in Aachen immer wieder – an Plätzen wie Hof oder Markt. Oben auf dem dreieckigen Neubau, der genau eingepasst wurde zwischen alten Bestand des Verwaltungsgebäudes und Wohnbebauung, liegt als Dach eine 8,5 Tonnen schwere Stahlkonstruktion. Sie besteht aus 121 Dreiecksteilen, acht Träger sind per Kran auf das Gebäude gehievt worden – Maß- und Schwerstarbeit war das.

All das ist Vergangenheit. Bautechnisch sind nur noch Kleinigkeiten zu erledigen. „Stromanschlüsse, etwas Technik und Rest-Flächen, die geschlossen werden müssen“, erklärt Klaus Schavan. Hauptaufgabe stattdessen nun: der Einbau der Ausstellungsinhalte. Hier soll’s – wie in einem zeitgemäßen Museum üblich – eine gute Mischung aus klassischen Exponaten und Multimedia-Stationen geben.

Darüber weiß Myriam Kroll, Kuratorin für das Centre, genau Bescheid. Sie leitet die Gruppe durch die Dauerausstellung, in einem Rundgang, wie ihn demnächst auch die Besucher gehen. Den Anfang macht eine eigenartige goldene Kugel mit kleinen Gucklöchern. Kroll: „Hier beginnen wir mit der Stadtgründung: Warum gibt es Aachen überhaupt? Zu sehen ist da drin ein Film über die römischen Thermen.“ Die Kugel soll einstimmen auf den Rest der Ausstellung.

Die erzählt in groben Schritten Aachens Historie nach, von den Römern über Karl den Großen und seinen Mythos, mittelalterliche Krönungen, Stadtentwicklung und Stadtbrand bis hin zu Barock-, Napoleon- und preußischer Zeit sowie Erstem und Zweitem Weltkrieg. Am Ende gibt’s den Blick in die Zukunft. Viersprachig geht es in der gesamten Dauerausstellung zu, obendrein wird vieles mit einfachen Worten erläutert und kindgerecht aufgearbeitet.

„Das alles mutet vielleicht etwas plakativ an“, sagt Kulturdezernentin Schwier, während sie vorbei an Styroporresten, Abfallsäcken und Holzpaletten schreitet. „Aber dieser reduzierte Ansatz bringt alles auf den Punkt. Das ist einfach toll“, sagt sie. Und erfreut sich dann an den Hightech-Vitrinen. Sie werden von selbst milchig, wenn länger kein Besucher vorbeikommt – zum Schutz der Exponate. Alle hoffen nun, dass das Centre Charlemagne genau das wird, wozu es bestimmt ist: Ein Anlauf- und Treffpunkt, ein gut besuchtes Stadtmuseum mit Strahlkraft über Aachens Grenzen hinaus.

Vielleicht hilft dabei Karl selbst. Der in Bronze gegossene Kaiser, der nun viele Jahre im Krönungssaal des Rathauses stand, wird nämlich umziehen ins Centre. 900 Kilogramm ist er schwer. Der Transport stellt Myriam Kroll, Gerd Wagner und die anderen bislang noch vor ein Rätsel. Wenn er’s dann rüber geschafft hat, ist das bestimmt ein gutes Zeichen…

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