Castor-Transport wird teuer

Von: Christian Rein
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Teure Altlast: 450 Millionen Euro soll es kosten, den Jülicher Atommüll in die USA zu bringen. Von dort stammt der Kernbrennstoff. Foto: dpa

Jülich. Die Entsorgung der hoch radioaktiven Brennelement-Kugeln aus dem ehemaligen AVR-Versuchsreaktor wird offenbar sehr teuer. Wie der „Spiegel“ berichtet, dürfte es rund 450 Millionen Euro kosten, die 152 Castorbehälter aus dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) in die USA zu transportieren.

Von dort stammt der Kernbrennstoff. Das Nachrichtenmagazin schreibt: „Diese Summe soll das amerikanische Energieministerium dem Bundesforschungsministerium genannt haben.“

Das Bundesforschungsministerium bestätigt den genannten Betrag auf Anfrage unserer Zeitung allerdings nicht. Es dementiert aber auch nicht, dass das US-Energieministerium den Betrag genannt hat. In einer knappen Antwort aus Berlin heißt es: „Die Verhandlungen mit dem amerikanischen Energieministerium laufen und beschäftigen sich derzeit mit Sachfragen. Erst wenn diese geklärt sind, können die Kosten abgeschätzt werden.“

Auf den Transport der Brennelement-Kugeln in die USA hatten sich der Bund und das Land NRW als FZJ-Gesellschafter nach langem Streit erst im Juli 2012 verständigt. Erste Gespräche dazu waren positiv verlaufen. Wie das FZJ nun auf Anfrage unserer Zeitung sagt, bedürfe es aber noch einer grundsätzlichen Entscheidung der USA über die Annahme der Brennelemente, „bevor die konkreten Planungen hinsichtlich eventueller Transporte angegangen werden können“. Eine solche Entscheidung der amerikanischen Seite werde bis Ende dieses Jahres angestrebt. Zu möglichen Kosten äußert sich das FZJ nicht.

Der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) fordert indes FZJ und Bundesregierung auf, „alle bisherigen Erkenntnisse zum Transport der Castoren in die USA – auch die Kosten – auf den Tisch zu legen“. Krischer weist darauf hin, dass die Kosten für den Neubau oder die Ertüchtigung des Zwischenlagers in Jülich deutlich geringer wären als die genannten 450 Millionen Euro. Tatsächlich hat FZJ-Vorstandschef Achim Bachem im Februar 2011 die Kosten für eine weitere Lagerung der Brennelement-Kugeln in einem neuen Zwischenlager in Jülich mit 220 Millionen Euro beziffert.

Krischer meint, es sei falsch, die Castoren aus Jülich fortzuschaffen, „wie es Vertreter der Bundesregierung und des FZJ unvernünftiger Weise“ immer favorisiert hätten: „Neubau oder Ertüchtigung des Zwischenlagers in Jülich ist die sicherere, wohl aber auch die günstigere Lösung gegenüber dem Wegtransport.“

Genhmigungsverfahren stockt

Derweil gibt es keine Fortschritte im Genehmigungsverfahren für eine übergangsweise längere Lagerung der Castorbehälter bis zum 30. Juni 2016. Derzeit lagern sie nur auf Basis einer bis Jahresende befristeten atomrechtlichen Anordnung in Jülich – ein rechtliches Hilfskonstrukt, um einen genehmigungslosen Zustand zu verhindern. Nach Auskunft des Bundesamts für Strahlenschutz hat das FZJ immer noch nicht alle Unterlagen „in der notwendigen fachlichen Tiefe“ vorgelegt. Demnach geht es nach wie vor um den Prüfpunkt Erdbebensicherheit.

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