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„Calatrava-Campus” steht vor dem Aus

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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So könnte der neue Campus Maastricht, ein Entwurf des Architekten Santiago, einmal aussehen. Vorausgesetzt, bis November wird das 35-Millionen-Euro-Loch wird gestopft. Foto: Servatius

Maastricht/Aachen. Ein neuer Campus in Maastricht nach Entwürfen von Santiago Calatrava - das wäre es wohl gewesen. Calatrava scheint schließlich so etwas wie das Synonym für atemberaubende Architektur mit internationaler Ausstrahlung zu sein.

Er hat Bahnhöfe, wie den in Lüttich, wo sich die Wege von Menschen aus der ganzen Welt kreuzen, entworfen. Und seine Herkunft, Valencia, hätte endlich als Beweis für das von den Maastrichtern oft beschworene mediterrane Flair der Stadt dienen können. Wie gut hätte das alles zum von der Stadt ersehnten, weltoffenen Image gepasst.

Aber ob Calatravas Glanz jemals das verwaiste Gelände neben dem Uniklinikum erreichen wird, darf unter den gegebenen Umständen stark bezweifelt werden. Denn die Wohnungsbaugenossenschaft Servatius, die das Projekt „Calatrava-Campus” stemmen will, steckt in finanziellen Schwierigkeiten.

35 Millionen Euro fehlen. Mindestens. Schon über ein Jahr ziehen sich die Unstimmigkeiten mit dem Den Haager Ministerium für Wohnungsbau. „Sehr besorgniserregend”, findet Minister Eberhard van der Laan die Entwicklungen und hat einen externen Verwalter bestellt, nachdem der Aufsichtsrat von Servatius geschlossen zurückgetreten war.

Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre der Campus im Herbst 2011 fertig geworden. Aus einem rechteckigen See hätten doppelreihig Würfel auf Stelzen geragt, in denen Studentenzimmer, Appartements und Büroräume untergebracht worden wären. Der Kopf des Baus wäre breiter ausgefallen: Unter einem gerippten halbrunden Dach hätte sich die Sporthalle verborgen, gesäumt von weiteren Würfeln. Mittig, in Verlängerung der Längsachse, hätten sich zwei mal drei Würfel getürmt. Ein bisschen wie ein stilisierter Rochen wirkt der Bau im Modell. Vor allem internationale Studenten hätten hier untergebracht werden sollen.

Heute, ein Jahr nach dem Spatenstich, ist davon noch nicht viel zu sehen. Lediglich die Fundamente sind gegossen. Runderherum ein Zaun, das war´s.

Seit Mai tut sich nichts. Am 1. November wird die interne Entscheidung fallen, ob es überhaupt weitergeht oder eventuell nur in einer abgespeckten Variante. 165 Millionen Euro sollte der Bau ursprünglich kosten, jetzt sind es 35 Millionen mehr, vielleicht sogar 60 Millionen. Und selbst wenn Servatius Geld auftreiben kann, beispielsweise indem die Gesellschaft einen Teil ihrer Sozialwohnungen verkauft, ist immer noch nicht gewährleistet, ob sich die Investition rentiert, ob die Vermietung der Räume wieder genug einbringt.

Die Stadt Maastricht hat bislang zugesagt, eine Million Euro beizusteuern. Die Sporthalle der Gemeinde, die einmal auf dem Campus-Gelände stand, musste dem Projekt weichen, die neue soll von der Stadt mitgenutzt werden können. Dazu die Million. Die Uni Maastricht beteiligt sich nicht an den Baukosten, sie will sich nur über einen Zeitraum von zwanzig Jahren einmieten. Und genau das ist das Problem, denn wie aus informierten Kreisen zu vernehmen war, sind keine klaren Absprachen über die Höhe der Mieten getroffen worden. Zumal die Hochschule auch nicht zwingend auf den Calatrava-Campus angewiesen ist.

Alternativen zum Campus

In der Stadt gebe es, so hieß es, durchaus Alternativen, um Studenten unterzubringen oder Büros einzurichten. Die Alternativen wären höchstwahrscheinlich nicht so repräsentativ wie ein „Calatrava-Campus”, aber zweckmäßig. Die Uni gibt - ebenso wie Servatius selbst - offiziell keine Statements zu den Vorgängen ab.

Das Ministerium für Wohnungsbau findet dagegen sehr deutliche Worte für das, was bei Servatius vor sich geht. Von „wenig Vertrauen” ist die Rede, da sich „Servatius nicht an die Regeln gehalten” habe. Denn die Auflagen für Genossenschaften, die Sozialwohnungen bauen, sind klar definiert. Sie dürfen nur einen bestimmten Anteil in kommerzielle Projekte stecken.

Ein Drittel aller Investitionen sind es im Falle des Campus Maastricht. Während das Ministerium jetzt neben der Uni Maastricht auch die Gemeinde in der Pflicht sieht, ist bei diesen beiden Parteien derzeit wenig Bewegung erkennbar. „Mehr als eine Million werden wir nicht investieren”, sagt der Sprecher des Dezernenten für Stadtentwicklung, Gertjan Bos. Image hin oder her.

Campus-Projekt auf Chemelot bei Sittard

Im Gegensatz zum eher klassischen Maastrichter Campus-Projekt, wo Studenten und Hochschulmitarbeiter sowie Büros untergebracht werden sollen, soll auf dem Chemelot-Campus in Sittard-Geleen eine räumlich und inhaltlich engere Kooperation zwischen der Hochschule Zuyd in Heerlen und fachverwandten industriellen Partnern initiiert werden. Ähnlich also wie beim Campus-Projekt der RWTH Aachen.

„Ruhig angehen” lassen wolle der Betreiber des Industrieparks Chemelot das ganze, sagt Sprecher Klaas Bos. Das Molekularforschungs-Unternehmen Cebic Europe habe gerade einen neuen Bürokomplex gebaut, der Zellentwickler Cellmade habe sich eingemietet und die Hochschule will in Kürze Labors einweihen. Vergleichbar mit den Ambitionen der RWTH (14 Cluster, rund 20.000 neue Arbeitsplätze) ist das bislang sicher nicht.
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