Aachen - Bundespräsident Steinmeier lässt sich Aachens Schätze zeigen

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Bundespräsident Steinmeier lässt sich Aachens Schätze zeigen

Von: Christoph Pauli und Hermann-Josef Delonge
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Szenen eines Tags in Aachen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lässt sich mit Ehefrau Elke Büdenbender von Dompropst Manfred von Holtum durch die Domschatzkammer führen,... Foto: Andreas Herrmann
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...trifft vor dem Dom auf seinen ehemaligen Fahrer Adi Wilms,... Foto: Philipp Klein
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...trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein,... Foto: Andreas Herrmann
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...und genießt am Abend das Festbankett im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Am Ende und zum Abschluss eines langen Tages gibt es Kabeljau und Riesengarnele (wahlweise: Kohlrabi-Kürbiszylinder) zu Rote-Bete-Lauchsalat, Filetmedallion vom Eifelrind (wahlweise Ziegenkäsemedaillon) zu dünner Pfannkuchenrolle gefüllt mit Gemüsen vom Markt und die in Aachen wohl unvermeidlichen Printen, in diesem Fall mit Vanilleeis auf geeister Bierschaumcreme mit Apfelwürfeln.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender haben das Vergnügen, diese Menüfolge im Krönungssaal des Aachener Rathauses in Gesellschaft von rund 300 geladenen Gästen zu genießen. Ein Ambiente, das beiden nicht unbekannt ist; der Bundespräsident und frühere Bundesaußenminister zählt qua Amt zu den Stammgästen bei der Verleihung des Karlspreises.

Am Montag ist der Anlass ein anderer: Steinmeier absolviert seinen offiziellen Antrittsbesuch als Staatsoberhaupt in NRW, immer begleitet von Ministerpräsident Armin Laschet und Ehefrau Susanne. Deklariert ist das als Privatbesuch, die Aachener Polizei dagegen betreibt einen Aufwand wie bei einem Staatsempfang.

„Willkommen im wirtschaftlichen Schlüsselland der Bundesrepublik“, begrüßte Laschet das Staatsoberhaupt am Morgen. Ein paar Stunden später stehen der SPD- und der CDU-Politiker auf dem Campus der RWTH neben dem parteilosen Professor Günther Schuh, der wie immer bei wichtigen Terminen vorher noch einen Abstecher zum Friseur gemacht hat.

Wenn Laschet einen überzeugenden Werbebotschafter für sein Land sucht, lädt er regelmäßig Professor Schuh ein, der vor fast drei Jahren den Elektroautohersteller e.GO Mobile AG gegründet hat. Der Professor für Produktionssystematik wirbt dann für ein „Engineering Valley“ in Nordrhein-Westfalen – ihm geht es dabei nicht nur um die Ausbildung, sondern um die Haltung dahinter.

Laschet und Schuh sind per du, verstehen sich gut. Neulich sind sie bei Markus Lanz zu Gast gewesen, getrennt nur durch ein kleines Tischchen, inhaltlich passt nicht sehr viel zwischen die Männern. Vielleicht hätte der Wissenschaftler auch in Laschets Kabinett eintreten können, stattdessen berät er die Landesregierung im „Ständigen Expertenrat Elektromobilität“. Die beiden Männer „telefonieren manchmal zu ungewöhnlichen Zeiten“, verrät Schuh. Und bei einem dieser spätabendlichen Kontakte kam auch die Anfrage, ob denn ein Besuch des Bundespräsidenten in Aachen denkbar wäre. „Das kam wie auf dem silbernen Tablett“, sagte Schuh freudig zu. Es ist ein Werbetag für das Land, für die RWTH Aachen und auch für E-Mobilität. Das soll die Botschaft an diesem Tag sein: Steinmeier besucht eine Region, in der es eindrucksvolle Lösungen für Zukunftstechnologien gibt, „in der neue Erkenntnisse überzeugend in industrielle Produktionen, umgesetzt werden“, sagt Laschet.

Mit der Kanzlerin hat Schuh von Amts wegen schon ein paar Mal Kontakt gehabt, mit einem deutschen Staatsoberhaupt noch nie. „Ich fand ihn schon als Außenminister grandios“, sagt Schuh. „Wie er die schwierige Zeit nach der Bundestagswahl moderiert hat, fand ich richtig überzeugend.“ Wegen solcher innenpolitischen Probleme war der für den November geplante Versuch verschoben worden, Union, Grüne und FDP schafften es nicht bis nach Jamaika, Steinmeier musste amtliche Gespräche führen.

Mit mehrmonatiger Verspätung bereist er nun sein Heimatland just an dem Tag, an dem der Koalitionsvertrag unterzeichnet wird. Das Cluster Produktionstechnik auf dem RWTH Aachen Campus ist eines der größten Forschungslabore zum Thema Produktionstechnik und Industrie 4.0 in Europa. Der SPD-Politiker steht im Werkzeugmaschinenlabor WZL an einem Prüfstand. „Montage“ steht auf einem Schild, aber gemeint ist nicht der Wochentag, vielmehr erläutert Professor und Direktor Robert H. Schmitt, wie eine „messtechnisch-gestützte Montage“ in der Zukunft aussehen kann. Das Konzept steht für einen Paradigmenwechsel in der industriellen Produktion, in der die räumlich und zeitlich starre Verknüpfung von Objekten und Orten vollständig aufgelöst wird. Das Institut ist ebenfalls an der Entwicklung des Elektroautos e.GO Life beteiligt.

Ein paar Meter entfernt steht der nächste Fototermin an. Günther Schuh stellt einige Prototypen des e.GO Life vor. Genutzt wird ein Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft, um eine kostengünstige Prototypen- und Kleinserienproduktion zu ermöglichen, sagt er. Die Serienproduktion läuft im Frühjahr an, doch sind bereits 2600 der umweltfreundlichen Stadtautos vorbestellt.

Die meisten seiner Zuhörer sind aus Düsseldorf angereist in schweren Limousinen mit Verbrennungsmotoren. Wie so ein Besuch in fünf Jahren aussehen würde? Steinmeier ist ein aufmerksamer Zuhörer, aber es ist ein Schnelldurchlauf in der Heimatstadt des Ministerpräsidenten. Nach 43 Minuten rauscht die Kolonne wieder ab. Es ist nur ein Kurzvisite, wie so häufig geht es um die Kraft der Bilder, die Laschets Botschaft untermalen. „Nicht nur in Bayern und Baden-Württemberg werden Autos hergestellt, hier in Aachen gibt es interessante Antworten in der aktuellen Diesel-Debatte“, sagt der Ministerpräsident. „Innovationen kommen eben nicht nur aus Kalifornien, sondern auch aus NRW.“

Gut zwei Stunden später stehen Tradition und Geschichte auf dem Programm – beim Besuch im Aachener Dom. Dabei kommt es zu einer überraschenden Begegnung: Steinmeier trifft auf Adi Wilms, seinen langjährigen Fahrer aus der Zeit als Außenminister: „Nein, wie isset“, ruft er dem 71-Jährigen zu, der in Baesweiler lebt. Es folgen kräftiges Schulterklopfen und ein kurzes herzliches Gespräch. Dann führt Dompropst Manfred von Holtum durch das Gotteshaus. Die Fotografen bekommen nur kurz Gelegenheit, ihrem Beruf nachzugehen, der Rest ist Privatsache. Das Präsidentenpaar gönnt sich einige Minuten der Ruhe und Besinnung, bevor der Tag mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und dem Festbankett im Krönungssaal des Rathauses zu Ende geht.

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