Aachen - Buchmacher spielen Gesetzeshüter aus

Buchmacher spielen Gesetzeshüter aus

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Noch stehen die Chancen für Wettbüros gut: Doch dies soll sich bald auch in der Aachener Elsassstraße ändern, wo vier Buchmacher unübersehbar nebeneinander geöffnet haben - denn nur einer besitzt eine Konzession. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auf den ersten Blick hat Aachen keine Chance. Wer gegen Bayern München 100 Euro auf einen Pokalsieg der Alemannia setzt, könnte laut Internet-Quote den siebenfachen Einsatz kassieren. Selbst wenn die Sache illegal ist.

Nicht im weltweiten Netz, sondern auf der Straße. Wettbüros garantieren schnelles Geld, vor allem für den Buchmacher. Deswegen schießen die Läden überall in Nordrhein-Westfalen aus dem Boden.

Und es scheint vielerorts so, als ob die Behörden dem verbotenem Treiben tatenlos zusehen. Dabei soll es demnächst nicht nur Betreibern, sondern sogar Hauseigentümern an den Kragen gehen, die gesetzwidrig an Wettbüros vermieten. „Die Rechtslage ist klar”, sagt die Sprecherin des Innenministeriums, Carola Holzberg. „Nach dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofes Ende 2010 gab es einen eindeutigen Erlass: Gegen illegale Wettbüros ist konsequent vorzugehen!”, betont sie. Bloß: Folgen sind kaum irgendwo zu erkennen.

Allein in der Elsassstraße im Aachener Ostviertel gibt es vier Wettbüros, zwei davon brandneu. Sie heißen „Penalty”, „Tipico”, „My Bet” und „Stanleybet”. Und sie liegen direkt nebeneinander. In einem Schaufenster, das blickdicht verklebt ist, wird mit Gewinnen bis zu 100.000 Euro pro Wettschein geworben. Drinnen flimmern dutzende Flachbildschirme. Spielszenen und zahllose Quoten werden ausgestrahlt, ohne Ton.

Davor tummeln sich schon morgens zahllose Spieler. Zum Zocken. Viel Bargeld geht hier im dichten Raucherqualm über die Theke. Eintritt ab 18 Jahre, Einsatz ab zwei Euro. Für Fußballwetten vom Tivoli bis zum Azteken-Stadion in Mexiko-City - und für Eishockey, Tennis, Skispringen, Pferderennen und zahllose Sportarten mehr - rund um die Welt. Genauso international ist die Klientel, die in Aachen in derzeit acht „offizielle” Wettbüros gelockt wird. Doch nur ein einziger dieser Aachener Buchmacher besitzt laut Kölner Bezirksregierung tatsächlich eine Konzession.

„Wir stehen in engem Kontakt zu den Aachener Ordnungsbehörden”, erklärt die Sprecherin des Regierungspräsidiums, Christina Köntje. „Die Stadt weiß, dass sie gegen illegale Betreiber vorgehen soll”, stimmt sie der Düsseldorfer Kollegin zu. Doch das scheint schwierig. Nicht nur weil sich im Westzipfel auch noch eine unbekannte Zahl semiprofessioneller Wettbüros dazugesellt, die etwa als Vereinsheim oder Internetcaf getarnt sind. Meist ist alles fest in türkischer Hand.

„Unsere Leute sind vor Ort. Wir haben die Wettbüros durchaus im Visier”, erklärt Detlev Fröhlke. Der Leiter des Ordnungsamtes bestätigt: Mehrere Verfahren laufen bereits. Was durchaus teuer werden kann. Die Zwangsgelder starten bei 5000 Euro. Auch die Staatsanwaltschaft wird zuweilen eingeschaltet. In Einzelfällen wurden Wettbüros geschlossen. Früher. Heute ändert sich kaum etwas. Warum? „Wenn wir eine Unterlassungsverfügung erwirken, wechselt meist sofort der Eigentümer”, sagt Fröhlke. Dann sind der Ordnungsbehörde zunächst die Hände gebunden. Und der Wettspielbetrieb im betroffenen Geschäftslokal geht unverdrossen weiter.

Zwei Aachener Wettbüros hätten in den vergangenen Jahren bereits acht Mal, eines sogar neun Mal den Besitzer gewechselt, heißt es. Nach außen bleibt alles beim Alten. Deswegen setzen Aachen und andere von Wettbüros belagerte Kommunen nach dem Eilbeschluss aus dem Vorjahr auf ein weiteres Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster, das die Handhabe gegen Hauseigentümer juristisch zementieren soll. Es wird im Februar erwartet. Dann würden Immobilienbesitzer davor zurückschrecken, Mietverträge mit Wettbüro-Betreibern zu unterschreiben, hoffen die Ordnungsbehörden.

Noch müssen die Ordnungshüter oft frustriert zusehen, wie vor ihren Augen weiterhin Wettscheine gegen Bargeld über die Theken wandern. Gegenwärtig stehen die Chancen beim Kampf gegen die Buchmacher schlecht. In Aachen - und in Bayern übrigens genauso.
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