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Bordellbetreiber ließ Stiefvater und Schwester töten: Prozess beginnt Freitag

Von: Marc Pesch
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf. Der Fall liest sich wie die Vorlage zu einem Krimi: Weil er um sein Erbe fürchtete, soll ein 56-jähriger Mann aus dem hessischen Burghaun einen Mörder angeheuert haben, der in Düsseldorf seinen Stiefvater und dessen Tochter umbringen sollte.

Wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, erledigte dieser seinen Auftrag wie ihm geheißen - die Polizei hörte allerdings bei der Tat mit. Sie konnte die beiden Männer anhand von Sprachfetzen später identifizieren und festnehmen.

Ab Freitag müssen sie sich nun wegen Mordes vor dem Landgericht Düsseldorf verantworten. Die Tat ereignete sich im Juni 2010. Die Staatsanwaltschaft vermutet Geldgier als Motiv. Denn Bordellbetreiber Detlef W. (56) befürchtete offenbar, von seinem Stiefvater (82) enterbt zu werden.

„Die Familie besitzt ein Vermögen im hohen sechsstelligen Bereich. Um die Enterbung zu verhindern, soll er den mitangeklagten Johannes K. dazu angestiftet haben, den Stiefvater und dessen Tochter zu erschießen”, sagt Staatsanwalt Matthias Ridder. Die eigene Mutter habe der mutmaßliche Täter indes „verschonen” sollen.

So sah der Plan aus, mit dem W. sich im Juni gemeinsam mit K. im Sommer vergangenen Jahres auf den Weg nach Düsseldorf gemacht haben soll: K. habe an der Tür der Familie geklingelt und sich als Paketbote ausgegeben, sagt der Leiter der Mordkommission Udo Moll. „Unter diesem Vorwand hat er sich Zugang zur Wohnung verschafft.” In der Wohnung habe er dann die Mutter in ein benachbartes Zimmer gesperrt, den Stiefvater und dessen Tochter gefesselt und beide durch Schüsse in den Hinterkopf getötet.

„Es war wie eine Hinrichtung”, so Staatsanwalt Ridder. Er geht davon aus, dass auch die Voraussetzungen für die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld vorliegen. „Mit Heimtücke und Habgier sind zwei Mordmerkmale erfüllt.”

Die Polizei in Düsseldorf war den beiden Männern damals durch spektakuläre Ermittlungen auf die Spur gekommen. Eines der beiden Opfer hatte während der Tat mit einem Handy noch den Notruf der Polizei wählen können, sodass das Geschehen in der Leitstelle der Polizei aufgezeichnet wurde. Mit den dadurch erlangten Sprachfetzen wurde anschließend bundesweit nach den Tätern gefahndet.

Die Spur führte die Ermittler schließlich nach Burghaun, da Sprachforscher herausgefunden hatten, dass der oder die Täter aus Hessen stammen müssen. Überdies war der Stiefsohn des 82-jährigen Opfers am Tattag auf der Autobahn zwischen Düsseldorf und seinem Heimatort Burghaun bei einer Geschwindigkeitskontrolle geblitzt worden.

Nach anschließenden Telefonüberwachungen schließlich setzte sich das Puzzle zusammen - und die beiden Männer konnten festgenommen werden. Während Detlef W. bislang den Ermittlern gegenüber keinerlei Angaben gemacht hat, hat der mutmaßliche Auftragsmörder bereits ein Geständnis abgelegt. Im Prozess soll ab Freitag nun eine Vielzahl von Zeugen gehört werden. „Insgesamt 22 Verhandlungstage sind angesetzt”, so Gerichtssprecher Peter Schütz. Das Urteil soll frühestens am 19. Dezember verkündet werden. Im Falle einer Verurteilung drohen beiden Angeklagten lebenslange Haftstrafen.
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