Eschweiler - Bombenfund: 300 Bewohner müssen aus ihren Wohnungen

Bombenfund: 300 Bewohner müssen aus ihren Wohnungen

Von: Patrick Nowicki
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Ein Großaufgebot der Polizei begleitete die Evakuierung um Umkreis der Baustelle an der Phönixstraße. Foto: Patrick Nowicki
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Zahlreiche Rettungskräfte waren vor Ort, um die Menschen in Pumpe am Donnerstag zu betreuen.
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Arbeit erledigt: Fritz Pütz (links) und Holger Jacobi vom Kampfmittelräumdienst mit den Zündern in der Hand vor der Bombe.

Eschweiler. Eine 125 Kilo schwere amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Donnerstagnachmittag dafür gesorgt, dass in Pumpe-Stich an die 300 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Bei den Abrissarbeiten des ehemaligen Kohlebrücken-Widerlagers an der Phönixstraße machte ein Bagger den explosiven Fund.

Dies löste eine ganze Alarmkette aus. Als der Kampfmittelräumdienst aus Kerpen eintraf, herrschte Klarheit: Ein Areal im Umkreis von etwa 300 Metern musste evakuiert werden, die Bombe könnte noch hochgehen. Um 19.11 Uhr, über vier Stunden nach dem Fund, gaben die Sprengstoffexperten Entwarnung. Die Bombe, an der sich zwei Zünder befanden, war fachmännisch entschärft.

Fritz Pütz vom Kampfmittelräumdienst mit Hauptsitz in Düsseldorf erinnerte sich noch gut an Pumpe-Stich. Nur 100 Meter entfernt wurde vor sechs Jahren eine ähnliche Bombe entdeckt. Sie lag im Boden an der Einmündung der Phönixstraße auf die Straße Pumpe. Dort baute der Landesbetrieb den neuen Verkehrsknotenpunkt. Jetzt am Widerlager. Zwar wurde das ganze Gebiet mit Metalldetektoren abgesucht, aber an dem Widerlager ist so viel Erdreich, Schutt und Schlacke angehäuft worden, dass die Sensoren nicht ausschlagen. „Hier ist einiges im Zweiten Weltkrieg heruntergekommen. Es ist also gut möglich, dass wir weitere Bomben finden“, befürchtet er, dass dies nicht sein letzter Einsatz in Pumpe-Stich war.

Eine amerikanische Fliegerbombe war also dafür verantwortlich, dass die Pumper für einige Stunden aus ihren Häusern mussten. Auch der Verkehr in der Stadt war massiv betroffen. Denn die Straße Stich musste gegen 17 Uhr von der Wilhelminenstraße an und die Eschweiler Straße ab der Einmündung Alte Rodung vollständig gesperrt werden. Die Autos wurden durch den Stadtwald geführt. Um den reibungslosen Ablauf kümmerten sich zahlreiche Polizisten, die auch durch eine Hundertschaft unterstützt wurden.

Es dauerte einige Stunden, bis alle Menschen informiert waren und sich aus ihren Wohnungen begaben. Mehrmals musste der Rettungswagen vorfahren, um Schwerkranke und Bettlägerige zu transportieren. Einige von ihnen kamen in umliegende Krankenhäuser. In der Mensa der Waldschule kümmerten sich die Retter um die Verpflegung der Menschen. Sämtliche Löschzüge der Stadt waren vor Ort und wurden zudem durch Feuerwehrleute aus Alsdorf, Stolberg und Langerwehe ergänzt. Das Technische Hilfswerk versorgte alle mit Getränken. Das Ordnungsamt der Stadt koordinierte die Evakuierung.

Dass sich die Entschärfung hinzog, lag an einer großen Gasleitung im Erdreich, die die Öfen im ESW-Röhrenwerk versorgt. Dort ging der Betrieb nämlich weiter. Damit die Produktion nicht stoppen musste, wurde der Gashahn nicht zugedreht, sondern der Leitungsdruck gesenkt. Dies dauerte bis kurz vor 19 Uhr. Dann erst konnten Fritz Pütz und sein Kollege Holger Jacobi mit der Entschärfung beginnen. Diese gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn ein Zünder hakte. Die Jahre im Erdreich haben auch dem hochwertigen Stahl der Bombe zugesetzt. Zum Äußersten, einer kontrollierten Sprengung, kam es jedoch nicht. So endete der Einsatz mit viel Aufsehen glimpflich.

Es kommt nicht mehr vor, dass die Sprengstoffexperten auf einen Bombentypus treffen, der ihnen unbekannt ist. „Im Westen sind ausschließlich deutsche, amerikanische und britische Bomben gefallen. Diese sind uns alle bekannt“, sagt Fritz Pütz. Heikel wird es allerdings, wenn es sich um einen zeitverzögerten Zünder handelt. Die Zündkapsel ist deutlich schwieriger zu entfernen. Der gestrige Einsatz in Pumpe fällt unter die Rubrik Routineeinsatz.

Um 19.11 Uhr endete der Einsatz für das Duo vom Kampfmittelräumdienst allerdings noch nicht. Die 125 Kilogramm schwere Bombe musste noch zum Zwischenlager nach Köln gebracht werden. Anschließend wird sie im Sauerland von einer Spezialfirma zerlegt und entsorgt.

Aufatmen herrschte anschließend bei den zahlreichen Rettern und Anwohnern. Das Fazit fiel von allen positiv aus: keine Verletzten, keine besonderen Vorkommnisse. Am Freitag gehen die Arbeiten an der Landesstraße 238 n an der Phönixstraße und an der dortigen Indebrücke weiter. Diese ruhten natürlich am Donnerstagnachmittag.

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