Aachen - Bombenalarm am Autonomen Zentrum

Bombenalarm am Autonomen Zentrum

Von: mik
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Bombenattrappe
Spezialkräfte aus Düsseldorf stellten die Bombenattrappe sicher. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Die Stille ist unheimlich dort, wo sonst rund um die Uhr fahrende Autos und Züge lärmen. Es ist Samstag, 20.30 Uhr, ab und zu raschelt das Flatterband der Polizei im Wind. Dann ein Knall, fast so, als schlage ein Fenster krachend zu. Ein Polizist sagt: „Das war aber ein schwacher Buff.”

Gut zehn Minuten später hebt die Polizei die weiträumigen Absperrungen rund um den Hauptbahnhof auf. Die vor dem „Autonomen Zentrum” (AZ) abgelegte Paketbomben-Attrappe stellt keine Gefahr mehr dar.

Wegen der täuschend echt wirkenden Attrappe, die genau vor der Türe des AZ an der Vereinsstraße abgelegt worden war, ermittelt nun die Polizei. Gegen 16 Uhr war einem Vertreter des linksalternativen Veranstaltungszentrums das Paket aufgefallen. Nach „Nachrichten”-Recherchen war es mit der Aufschrift „An die Antifa” versehen.

Örtliche Antifagruppen halten gelegentlich im Autonomen Zentrum Treffen ab. Das Paket sollte offenbar durch einen aufgeklebten antifaschistischen Slogan unverfänglich wirken. Ein Sprecher des AZ, der namentlich nicht genannt werden will, vermutet dennoch, dass die Attrappe von Neonazis abgelegt worden ist.

Schüsse und Pfefferspray

Die Polizei nimmt das Paket jedenfalls sehr ernst. Nachdem sie informiert ist, kommt es gegen 17 Uhr zu ersten Absperrmaßnahmen. Auch die Feuerwehr wird hinzugerufen. Eingesetzte Polizisten glauben zwar schon früh, dass man es wahrscheinlich mit einer Attrappe zu tun hat. Doch angesichts wachsender Auseinandersetzungen zwischen rechter und linker Szene nehmen die Beamten die Sache nicht auf die leichte Schulter.

Wieder Farbanschläge

Vor Wochen noch hatten Neonazis Schüsse mit einer Gaspistole und einer Zwille auf Besucher des AZ abgefeuert. Zudem hatten Neonazis während eines Treffens Pfefferspray in das AZ gesprüht und eine Flasche mit unbekannter Flüssigkeit in den Eingang geworfen.

Überdies ist es am Wochenende nach Informationen der „Nachrichten” abermals zu Farbanschlägen durch Neonazis auf zwei Häuser in Aachen gekommen. Betroffen: ein Aussteiger aus der rechten Szene und die Ratsfrau Renate Linsen-von Thenen (Linke).

In Kornelimünster schlugen Unbekannte zudem Fenster ein, nachdem Neonazis vor Wochen einem dort nicht mehr wohnenden Antifaschisten mittels Sprühaktion den Tod angedroht hatten. Betroffen von dem Glasschaden nun: die neuen Mieter.

Entsprechend sensibilisiert reagiert denn auch die Polizei am Samstag wegen des Paketes. Die Beamten fordern Sprengstoffspezialisten des Landeskriminalamts (LKA) aus Düsseldorf an. Diese treffen kurz vor 20 Uhr am AZ ein. Auch die Hauptverkehrsstraßen zwischen Marschiertor und Normaluhr werden für den Straßenverkehr und Fußgänger gesperrt.

Kurz darauf legt sich die ungewöhnliche Stille über Teile des Bahnhofsviertels. Geschützt mit Panzerweste und Helm sowie ausgestattet mit einem Trolley voller Spezialwerkzeug nähert sich einer der LKA-Experten dem Paket.

Tatsächlich stuft der Spezialist dessen Innenleben - Drähte und authentisch wirkende Bombenbau-Utensilien - als ernstzunehmend ein. Polizisten vermuten sogar zunächst, das Paket sei so heikel, dass man es vor Ort kontrolliert sprengen müsse.

Doch der Knall um 20.30 Uhr hat mit einer Sprengung nichts zu tun. Es handelt sich nur um das Geräusch eines Spezialgerätes, mit dem die Attrappe entschärft wird. Minuten später sichern die Beamten Spuren und heben die Absperrmaßnahmen im Umfeld des Hauptbahnhofs auf.
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