Aachen - Bohren gegen die Schwerkraft: „Eismaulwurf” funktioniert

Bohren gegen die Schwerkraft: „Eismaulwurf” funktioniert

Von: Benjamin Jansen
Letzte Aktualisierung:
Forschung in eisigen Höhen: Da
Forschung in eisigen Höhen: Das FH-Team am Morteratsch-Gletscher

Aachen. Seinen ersten eisigen Einsatz hat der Aachener „Eismaulwurf” erfolgreich gemeistert. Ohne Frostbeulen, aber mit vielen wertvollen Erkenntnissen kehrte das Projektteam der Fachhochschule Aachen vom Morteratsch-Gletscher zurück, wo sich die Einschmelzsonde „Ice Mole” zwölf Tage lang durch Eis und Schneematsch gegraben hat.

„Wir haben bewiesen, dass unser Konzept funktioniert. Trotzdem sind wir auf viele Fehlerquellen gestoßen, die uns im Labor verborgen geblieben wären”, sagte Professor Bernd Dachwald nach dem Feldversuch im Schweizer Oberengadin.

Bereits mit der ersten Bohrung bestätigte das FH-Team, dass man eine Sonde gegen die Schwerkraft durch dicke Eisschichten manövrieren kann - die Kombination von Schmelzkopf und Bohrer, die zwei Jahre im Fachbereich für Luft- und Raumfahrttechnik erprobt wurde, brachte den „Eismaulwurf” Schritt für Schritt dem Tageslicht näher. „Die Geschwindigkeit muss aber noch verbessert werden, indem wir die Elektronik stabilisieren und einen leistungsfähigeren Generator anschließen”, betonte Projektleiter Changsheng Xu.

Eine Weiterentwicklung des Prototyps soll in zehn bis 15 Jahren auch auf den Polkappen des Mars eingesetzt werden. Dort soll sich der „Ice Mole” nämlich im Rekordtempo durch fremde Eiswelten graben und nach außerirdischem Leben forschen. Auf dem in fast 4000 Metern Höhe gelegenen Morteratsch-Gletscher ging es jedoch nur im Schneckengang vorwärts: Die Sonde legte gerade einmal 30 Zentimeter pro Stunde zurück - vorausgesetzt es gab keine Komplikationen. Denn im zweiten Testlauf nahm sich der „Eismaulwurf” eine unfreiwillige Auszeit. „Die Sonde ist auf einen Riss im Eis gestoßen und die Eisschraube hat nicht mehr gezogen”, berichtete Dachwald. Durch den Einsatz von Eispickeln konnte das rund 30 Kilogramm schwere Gerät befreit werden. Zwei Mal mussten die Raumfahrtexperten die Sonde vom Gletscher zum Lager schleppen, da die Steuerung des „Eismaulwurfs” ausgefallen war. Nach einem Software Update bahnte sich der „Ice Mole” aber wieder seinen Weg. Nicht nur durch Eis, sondern auch durch Dreckschichten, wie die dritte Bohrung bestätigte. Einziger Wehrmutstropfen: Der Kamera, die den Prozess festhalten sollte, ging nach wenigen Stunden der Strom aus.

Im kommenden Jahr will das Aachener FH-Team erneut Richtung Schweiz aufbrechen. Bis dahin soll eine ausgereifte Version des „Eismaulwurfs” entstehen, die allerdings deutlich kostenintensiver sein wird. Um den Etat zu erhöhen, stellte Dachwald deshalb einen Förderantrag beim Bundeforschungsministerium. Die Chancen, dass der Antrag bewilligt wird, stehen in den Augen von Dachwald „50:50”.
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