Aachen/Düsseldorf - Blitz-Marathon: Polizei fehlen Einsatzkräfte

Blitz-Marathon: Polizei fehlen Einsatzkräfte

Von: Marlon Gego
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In Nordrhein-Westfalen durften die Bürger mitreden, wo die Polizei bei ihrem zweiten 24-Stunden-Blitzmarathon Tempokontrollen durchführt. Innenminister Ralf Jäger (SPD) will am Freitag (10.30) vorstellen, welche Vorschläge gemacht wurden. Foto: dapd

Aachen/Düsseldorf. Die landesweiten Tempo-Kontrollen am Dienstag sind bei der Polizei ähnlich unbeliebt wie bei vielen Autofahrern.

Stephan Hegger, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, erklärte am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung, der sogenannte Blitz-Marathon überfordere die personellen Möglichkeiten der Polizei bei weitem. Insgesamt werden von Dienstag, 6 Uhr, bis Mittwoch, 6 Uhr, 3300 Polizisten und 200 kommunale Beamte an 3142 Stellen im Land die Geschwindigkeit kontrollieren. Unter den eingesetzten Polizisten seien viele, die eigentlich mit völlig anderen Aufgaben betraut seien, deren Arbeit während des Blitz-Marathons liegenbleibe.

Trotzdem stehen sowohl die GdP als auch die Polizeibehörden der Region hinter der Aktion von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD), die erstmals im Februar stattfand. Karl Völker etwa, Sprecher des Aachener Polizeipräsidenten, sagte am Freitag, vor dem Hintergrund der steigenden Zahl der Verkehrstoten in der Städteregion im ersten Halbjahr 2012 (acht im Vergleich zu vier im ersten Halbjahr 2011) sei der „Blitz-Marathon” sinnvoll. Landesweit ging die Zahl der Verkehrstoten um 13 Prozent zurück. „Wenn das ganze Theater dazu führt, dass es nur einen Verkehrstoten weniger gibt, hat es sich schon gelohnt”, sagte Völker.

Das Wort „Theater” trifft es gar nicht schlecht, denn in der Tat äußern viele Autofahrer ihren Unmut auch über den boulevardesken Charakter des Blitz-Marathons. Hegger hingegen sagt: „Alles, was Aufmerksamkeit für die Gefahren des Rasens bringt, ist gut.” Dem Aufruf des Innenministers, der Polizei Raserstrecken zu melden, damit dort geblitzt werden könne, folgten 15.000 Bürger. An 2673 dieser Stellen will die Polizei am Dienstag tatsächlich auch blitzen. Während einer Pressekonferenz erklärte Jäger, viele Bürger hätten angekündigt, die Polizisten mit Kaffee und Kuchen unterstützen zu wollen, die Unterstützung sei riesengroß.

In einer Diskussion auf den Internetseiten unserer Zeitung allerdings konnte man sich jüngst davon überzeugen, dass die Zahl der Blitz-Marathon-Gegner wohl mindestens so groß ist wie die der Befürworter. Ein Artikel, der die Aktion ankündigte, wurde von unseren Lesern eifrig kommentiert. Einige sprachen von „Abzocke”, andere von „untauglichem Mittel”, einer forderte gar die generelle Abschaffung von Radarkontrollen. Ein Vater, dessen damals neun Jahre alter Sohn 1989 von einem zu schnellen Auto angefahren wurde, schrieb daraufhin, sein Sohn habe damals fast vier Wochen lang im Koma gelegen und sich von dem Unfall bis heute nicht erholt. Der Vater bat, die kritische Haltung zum Blitz-Marathon zu überdenken. Sein Beitrag markierte das Ende der Diskussion.
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