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Bitte keine Einladungen mehr an Einbrecherbanden

Von: Udo Kals
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Einbrecher
Ein als Einbrecher verkleideter Rolladenbau-Meister demonstriert mit einem Stemmeisen die Einbruchsicherheit eines modernen Rolladens. Foto: dpa
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Die Einbruchszahlen steigen landesweit rasant: Innenminister Ralf Jäger will gegensteuern. Foto: dpa

Aachen. Der NRW-Innenminister hat sein Handwerk gelernt, ohne Frage. Behände greift Ralf Jäger im Aachener Polizeipräsidium zum Schraubenzieher, setzt drei-, viermal an den richtigen Stellen an und schwupps hat er das Fenster in wenigen Sekunden aufgehebelt. Handschellen klicken in diesem Moment nicht, vielmehr loben die anwesenden Ordnungshüter um Polizeipräsident Klaus Oelze ihren Dienstherrn aus Düsseldorf. Denn der hat seine Botschaft im Rahmen seiner Werbetour für die Initiative „Riegel vor!“quasi im Handumdrehen unter Beweis gestellt.

„Schlecht gesicherte Fenster oder Türen sind für Einbrecher eine Einladung. Wer aber wenige Euro mehr in die Sicherheit investiert, macht es dem Kriminellen viel schwerer“, sagt Jäger – und erklärt: „Einbrecher haben es eilig. Und wenn sie gut gesicherte Fenster und Türen nicht schnell knacken können, hauen sie ab.“ Und so gelangen laut Jäger in mittlerweile 40 Prozent der Fälle die Täter nicht mehr in eine Wohnung.

Damit die Einbruchszahlen sinken, trommelt er, wie auch Oelze und andere Polizeichefs, landesweit für die Initiative „Riegel vor!“ (siehe Text links). Denn landesweit steigen die Einbruchszahlen seit Jahren. Und derzeit besonders rasant. In den ersten zehn Monaten des Jahres habe es knapp 43000 Einbrüche und Einbruchsversuche gegeben, 9,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, sagt Jäger. Und er fügt an: „Nach den Erfahrungen meiner Fachleute setzt der Trend setzt sich fort.“ Was „viel mit der Osterweiterung der Europäischen Union zu tun“ habe. Dass zunehmend gut organisierte Banden aus Osteuropa ins Blickfeld gerieten, die gezielt in Städten entlang der als Fluchtwege gut geeigneten Autobahnen zuschlagen, hatte bereits der Aachener Polizeipräsident im Frühjahr unterstrichen, als er verkünden musste, dass eine wahre Einbruchswelle im Jahr 2011 über die Städteregion Aachen geschwappt war. So wurden im Vorjahr 2062 Einbrüche registriert – ein Plus im Vergleich zu 2010 um 23,2 Prozent (Kreis Heinsberg: minus 2,4 Prozent auf 821 Einbrüche, Kreis Düren: plus 0,3 Prozent auf 1029). „Das war ein schlechtes Jahr“, sagt Oelze nun und rechnet auf der Grundlage der bislang vorliegenden Zahlen für 2012 mit einem Rückgang der Einbruchszahlen um rund zehn Prozent.

Damit die Prognose auch Realität wird, ist bereits seit September eine 20-köpfige Ermittlungskommission aktiv, die sich – wie landesweit weitere 39 Sokos – besonders auf Wohnungseinbrüche konzentriert. Und dies laut Jäger erfolgreich: „Seitdem konnten deutlich mehr Täter dingfest gemacht werden.“ So seien erst in der Vorwoche bei einer Großrazzia im Ruhrgebiet 127 Wohnungen durchsucht, 23 Menschen festgenommen und Diebesgut gefunden worden. „Die Einbrecherbanden sollen merken, dass wir sie fest im Blick haben und konsequent gegen sie vorgehen“, sagt Jäger – und dies möglichst auch grenzübergreifend.

Denn nicht nur der Aachener Polizeichef Oelze stellt fest: „Wir haben ein Grenzproblem.“ Auch Jürgen Hezel, der lange Zeit die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Euregio koordiniert hat und nun Kripo-Chef des Polizeibezirks Eupen ist, betont: „Die Täter sind grenzüberschreitend aktiv – ob in Belgien, Deutschland oder in den Niederlanden. Da ist es egal, ob man in Eupen wohnt, in Aachen oder Maastricht.“ Neben den Problemen des Alltags zwischen Lüttich, Maastricht und Aachen – so wird der Informationsaustausch etwas aus datenschutzrechtlichen Gründen oftmals erschwert – erinnert Jäger auch an Erfolge, etwa als im Vorjahr insgesamt 60 Tatverdächtige ermittelt und identifiziert werden konnten. Sie hatten in den drei Ländern Raubüberfälle verübt, waren in Wohnungen und Häuser eingestiegen, hatten Autos gestohlen. Das Ergebnis: 225 Einbrüche sowie andere schwere Straftaten wurden aufgeklärt. Die ersten Kriminellen sind bereits verurteilt mit Strafen bis zu siebeneinhalb Jahren Haft. „Weitere Gerichtsverhandlungen stehen bevor“, sagt Jäger.

So erfolgreich sind die Ordnungshüter nicht immer. „Wir können nicht immer und überall präsent sein“, sagt Oelze. „Jeder kann selbst eine Menge gegen Wohnungseinbrüche tun“, sagt Jäger, bevor er zum Schraubenzieher greift, zum Fenster geht und behände demonstriert, wie leicht es aufzubrechen ist.

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