Aachen - Bistum: Millionen-Schiedsspruch überraschend vertagt

Bistum: Millionen-Schiedsspruch überraschend vertagt

Von: Robert Esser
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Bischof Heinrich Mussinghoff
Bischof Heinrich Mussinghoff lässt prüfen, inwiefern zentrale Trägereinheiten für Kitas dem Bistum eine finanzielle und personelle Entlastung bringen könnten. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Es ist wahrhaft ein Kreuz mit Metaphern. Quasi arm wie eine Kirchenmaus ist Karl-Joseph Begaß am Freitagnachmittag vom Aachener Klosterplatz zur nächsten Haltestelle gestiefelt - und dann im Bus zurück nach Würselen-Bardenberg gedieselt, mit einem Fahrschein für 5,20 Euro zwischen den Fingern.

Zum Greifen nah war viel, viel mehr. Kurz zuvor hätte nämlich ein Urteil des Diözesanen Schiedsgerichts, das zig Millionen Euro wert sein könnte, hunderte Pfarren mit Geld beglücken sollen. Oder eben nicht. Wenn´s denn gefallen wäre. Hätte, könnte, wäre. Es ist anders gekommen.

Und Begaß - ehrenamtlicher Rendant von St. Peter und Paul und Sprecher des Aktionsbündnisses „Kirche vor Ort”, das nach eigenen Angaben noch 110 Pfarren und 260.000 Katholiken vertritt - ist stinksauer. Er weiß noch immer nicht, was aus seiner brisanten Klage gegen die hiernach völlig ungerechte Verteilung der Kirchensteuereinnahmen auf dem Fusionskurs von Bischof Heinrich Mussinghoff geworden ist.

Warum? Weil am Freitag beide Beisitzer des Vorsitzenden, Professor Peter Roggendorf, - einer offenbar unentschuldigt - nicht zum lang ersehnten und längst offiziellen Verkündungstermin im Generalvikariat erschienen waren. So vertagte der Kirchenrechtler Roggendorf das Finale der millionenschweren Marathonklage der kleinen Bardenberger Pfarre um eine Woche, auf kommenden Freitag. Und Begaß wurde nach jahrelangem kirchenrechtlichen Hickhack erneut ergebnislos in den Bus nach Hause gesetzt.

Ausgestanden ist die Sache damit nicht: 13,4 Millionen Euro will St. Peter und Paul noch für die rund 530 Gemeinden der Diözese für 2008 rausholen. Weitere 12 Millionen Euro wollen die Bardenberger für 2009 über die vom Bistum zugewiesenen Beträge hinaus kassieren - genauso wie 2007. „Ist eigentlich ´ne einfache Kiste”, sagt Begaß. Mehr Kirchensteuern, weniger Abzüge für die Pfarrbasis. Einfach, weil logisch sei die Rechnung. Doch unterm Strich komme immer weniger bei den Pfarren an.

Im Jahr 2000 flossen nach der Kalkulation des Klägers 56,1 Prozent der Kirchensteuereinnahmen an die Pfarren. Innerhalb von fünf Jahren zwischen 2003 und 2008 sollten die kirchengemeindlichen Zuwendungen um 20 Millionen Euro auf 47,2 Millionen abgeschmolzen werden. Offensichtlich sei die Bistumsleitung nunmehr bestrebt, „den Anteil der Gemeinden von zirka 40 auf 25 Prozent zu mindern”, heißt es in der Klageschrift von St. Peter und Paul.

Außerdem streitet man vor der Schiedsstelle um Personalkostenschlüssel, Sachkostensäulen und mehr. Es geht um massenhaft Geld. Aber auch darum, ob Bischof Mussinghoff den umstrittenen Reform- und Konsolidierungskurs inklusive der Zwangsfusionierung von dutzenden Pfarren und der verordneten Verschlankung von Pfarrverwaltungshoheiten in vier eigens gegründeten Zentren ins Ziel bringt.

Der Jurist Frank Schafranek vertritt die Herzogenrather Pfarre St. Gertrud; er hat seit einer Woche Klärendes in der Tasche. Im beispielhaften Wortlaut: Es wurde „Einigkeit darüber erzielt, dass die Kirchengemeinde St. Gertrud ungeachtet der Gründung eines Kirchengemeindeverbandes weiterhin selbst bestimmen darf, wer die Buchungs- und Kassengeschäfte durchführt”. Trotz anders lautender bischöflicher Zielsetzung.

Und dies hört sich - bildlich gesprochen - wahrlich nicht so an, als ob die Schiedsstelle bei Klagen gegen Bischof Mussinghoffs Bistumsspitze weihevoll nur viel Rauch um nichts macht.
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