Aachen - Bistum braucht Nothilfe aus Kolumbien

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Bistum braucht Nothilfe aus Kolumbien

Von: dpa
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Bischof Heinrich Mussinghoff
Heinrich Mussinghoff, Bischof von Aachen. Foto: Robert Esser

Aachen. Padre Alberto macht im Januar den Anfang: Ab 2010 will das Bistum Aachen katholische Geistliche aus seinem Partnerland Kolumbien einfliegen, um den dramatischen Priestermangel in Deutschland abzufedern.

„Die Priesterzahlen sind im Sinkflug”, erklärten Bischof Heinrich Mussinghoff und Domkapitular Heiner Schmitz, Leiter der diözesanen Pastoralpersonal, am Mittwoch. In Ländern wie Kolumbien und Polen gibt es im Gegensatz zur Bundesrepublik mehr Priester, als dort gebraucht werden. Allein im Bistum Aachen sinkt die Zahl der Priester indes nach einer Prognose des Generalvikariats zwischen 2009 und 2017 von 270 auf 175 Geistliche.

An der Pfarrbasis sind für die 71 Gemeinschaften von Gemeinden laut Schmitz dann nur noch 143 Priesterstellen vorgesehen.

Für denselben Seelsorgeraum, der rund 530 ehemals eigenständige Pfarrgemeinden umfasst, standen 2002 noch 446 Priester zur Verfügung. Priester aus Polen seien allerdings laut einer aktuellen Studie der Deutschen Bischofskonferenz „keine Lösung, da mitunter Mentalitätsprobleme auftauchen”, die einer reibungslosen Zusammenarbeit mit hiesigen Pfarrgremien und flachen Hierarchien im Wege stünden.

Während des dreijährigen Engagements von Padre Alberto aus dem kolumbianischen Medellin will die Bistumsleitung in Aachen im Rahmen eines Pilotprojekts testen, in welchem Umfang die Personallücken mit Pfarrern aus Südamerika geschlossen werden können. Zuvorderst müssten natürlich die Sprachprobleme gelöst werden, sagte Schmitz.

Teurer als geplant wird für das Bistum im übrigen das geplante Besucherzentrum „Dominformation”: Statt 800.000 soll es nunmehr 1,2 Millionen Euro kosten soll. Deshalb versteigern moderne Fundraiser im Schatten des Münsters über Ebay ab Mittwochabend rund 750 Sachspenden: vom Alemannia-Schal des ehemaligen Aachener Oberbürgermeisters über Akkuschrauber und Massagegeräte bis zu einem Schmuckkästchen aus Damaskus aus dem Besitz von Bischof Heinrich Mussinghoff. Doch die Nöte bleiben. Trotz der Online-Auktion (http://www.ebay.de, Suchwort „yzy”) und eines Jahresüberschusses in Höhe von 23,9 Millionen Euro aus dem Haushaltsvorjahr plagen Generalvikar Manfred von Holtum Geldsorgen.

Die Prognosen klingen dramatisch. „Allein 2009 sanken die Kirchensteuereinnahmen um 6,4 Prozent, im nächsten Jahr erwarten wir mindestens noch einmal zehn Prozent weniger”, rechnet von Holtum vor. Einnahmen aus der Einkommensteuer schrumpfen besonders stark - zuletzt um 17,5 Prozent. Bemerkbar machen sich zudem tausende Kirchenaustritte.

„Aber in erster Linie machen uns die Finanzkrise und die Arbeitslosigkeit zu schaffen”, betont Finanzdirektor Joachim Eich. Er fügt hinzu, dass dies erhebliche Folgen auf die Gebäudesituation habe. 3000 Häuser und 935 Kirchen gehören zur Diözese. 2017 wird statistisch nicht mal mehr jede sechste einen eigenen Priester haben. Zudem drücken jährliche Instandhaltungskosten von 18 Millionen Euro. „Aber uns stehen höchstens zehn Millionen Euro zur Verfügung”, sagt Eich. Trotzdem gebe es noch keinen Plan, bestimmte Kirchen zu verkaufen, beteuert er.

Stattdessen soll das Management des Gebäudebestandes optimiert und kostengünstiger werden. Pilotprojekte dazu laufen in Steinfeld und Aachen-Mitte, wo bereits reihenweise Pfarren fusionierten und den Schulterschluss suchten. Insgesamt 71 der sogenannten Gemeinschaften von Gemeinden sollen zum Jahreswechsel unter Dach und Fach sein. „Mitte 2010 wird die Bildung der Kirchengemeindeverbände abgeschlossen sein”, sagt Mussinghoff.

Unkonventionelle Lösungen für ungenutzten Baubestand gibt es indes schon: etwa in Aachen die Umwidmung von St. Josef zu einer Grabeskirche und den Umbau des Klosters St. Alfons zu einem Bürokomplex. Im Mönchengladbacher Stadtteil Waldhausen will man die Kirche St. Peter sogar zu einer Kletterhalle umfunktionieren. „Uns ist wichtig, dass die Substanz der Kirchengebäude dabei unbeschädigt bleibt und ein Rückbau jederzeit möglich ist”, erläutert Eich.

Auf dem Rückzug befinden etliche Ehrenamtler bereits. Viele resignieren. Sogar das reformkritische Aktionsbündnis „Kirche vor Ort”, das ehemals 110 Pfarren vertrat, bröckelt. „Es hat keinen Sinn, die Stimmung in den Pfarrgemeinden schönzureden. Sie ist verhalten und negativ”, räumt der Generalvikar ein. „Die Bereitschaft zum Ehrenamt ist spürbar zurückgegangen.” Für rund 8000 Sitze in Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen, die an diesem Wochenende vergeben werden, stellen sich diesmal gerade genauso viele Kandidaten zur Verfügung. Auch hier scheint die Kirche keine echte Wahl zu haben.

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