Bischof bietet einen Dialog an, nur vier Familien kommen

Von: Sandra Kinkel
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Kurze Rast: Bei der Pause auf einem Waldspielplatz ist Bischof Mussinghoff im Gespräch mit den Wanderern. Foto: Sandra Kinkel

Kreuzau. Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff möchte mit den Menschen im Bistum ins Gespräch kommen. „Dialog-Prozess“ nennt sich das Projekt. Jetzt hatte er bewusst Familien mit Kindern aus dem Kreis Düren eingeladen, mit ihm einen Spaziergang zu machen.

„Ich möchte mir die Sorgen und Nöte der Menschen anhören, aber auch das, woran sie Freude haben“, sagt der Bischof. Doch offenbar wird dieser Wunsch nur von ganz wenigen im Bistum geteilt: Ganze vier Familien waren der Einladung des Bischofs ins Rurtal gefolgt.

Diese Tour in der Region Düren war die erste im Rahmen des „Dialog-Prozesses“, an der der Bischof persönlich teilgenommen hat. „Es ist sehr schade, dass nur so wenig Familien heute dabei sind“, sagt Thomas Thönneßen von der Regionalstelle in Düren, der die Wanderung organisiert hat. „Ich hatte mir eine größere Resonanz erhofft. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es allein in der Region Düren um die 50 katholische Kindergärten gibt, die alle Werbung für unsere Aktion gemacht haben. Und ich kann mir nicht erklären, warum nicht mehr mitgegangen sind.“

Für Bischof Mussinghoff ist die dürftige Beteiligung offenbar nicht so sehr ein Nachteil: „Wenn heute wirklich 60 Leute mitgegangen wären“, sagt er, „wäre es sehr kaum möglich gewesen, mit den Einzelnen ins Gespräch zu kommen.“ Das gelingt dem Aachener Kirchenoberhaupt aber auch bei der Zahl von vier Familien nur schwer.

Rita Blömacher zum Beispiel wollte mit Mussinghoff während der dreistündigen Wanderung über die Rolle der Frau in der Kirche diskutieren und auch darüber, wie seine persönliche Meinung zu homosexuellen Paaren ist. „Ich wollte erfahren, wie modern der Bischof ist. Leider hat sich dazu nicht die Gelegenheit ergeben.“

Und auch die zweite Hoffnung, die sie mit der Wanderung verbunden hat, hat sich zerschlagen: Die Neu-Zugezogene, deren Kinder in Drove und Untermaubach in den Kindergarten gehen, hatte gehofft, bei dieser Gelegenheit andere Familien kennenzulernen. „Das hat ja leider nicht so geklappt.“ Der Nachmittag habe ihr aber trotzdem Spaß gemacht, sagt sie am Ende.

Es sind die Teilnehmer des Spaziergangs, die immer wieder das Gespräch suchen, auf den Bischof zugehen, ihm Fragen stellen. Und nicht umgekehrt. „Für mich“, sagt Simone Maas aus Langerwehe, die gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden Töchtern Charlotte (6) und Theresa (2) mitwandert, „ist es wichtig, dass Kinder noch mehr in der katholischen Kirche eingebunden werden.“ In ihrer Pfarrgemeinde würde sonntags eine spezielle Kinderkirche angeboten. „Das klappt gut“, sagt die Mutter. „Aber ich denke, da könnte noch mehr für die Kinder getan werden.“

Ähnlich sieht das auch Iris Froitzheim, Leiterin des katholischen Kindergartens in Barmen, die genau wie einige ihrer Kolleginnen am Samstag mit von der Partie war. „Die Kirche muss vor Ort viel präsenter sein“, sagt sie. Tobias Ollig aus Düren, der mittlerweile mit seiner Familie in Bergisch-Gladbach lebt, ist mit seinem kleinen Sohn Jonah (1) bei der Bischofswanderung dabei. „Ein Thema, das uns im Augenblick ganz besonders bewegt“, sagt der junge Vater, „ist die Kinderbetreuung. Darüber habe ich mit dem Bischof gesprochen.“

Heinrich Mussinghoff hat sich bei der zwanglosen Wanderung von Unter- nach Obermaubach, wo der Tag mit einem Gottesdienst endet, über die Arbeit in den Kindertagesstätten informiert. Und auch das ein oder andere Persönliche preisgegeben. „Ich mache auch in diesem Jahr da Urlaub, wo ich immer Urlaub mache“, hat er Katharina Neuerer aus Merzenich erzählt. „In Israel und im Schwarzwald.“

Dem Bischof hat die Wanderung durch das Rurtal gefallen. „Es war für mich wirklich eine gute Gelegenheit, zwanglos und ohne Beschlüsse fassen zu müssen, mit Menschen aus dem Bistum in Kontakt zu kommen.“

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