Maastricht/Den Haag - Bild in Maastrichter Museum mit fragwürdiger Herkunft

Bild in Maastrichter Museum mit fragwürdiger Herkunft

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Beutekunst? Die Herkunft dieses Bilds im Vrijthof-Museum ist nicht mehr zu klären. Foto: Museum

Maastricht/Den Haag. Das Maastrichter Museum an het Vrijthof ist eines von 41 niederländischen Museen, in denen sich Beutekunst mit fragwürdiger Herkunft befindet. Die Untersuchungskommission fand dort ein Gemälde, dessen Herkunft nicht zweifelsfrei belegt werden kann.

Es handelt sich um die „Landschaft mit Felsen, Bergbach und Abtei“ von Jacques d’Arthois aus dem 17. Jahrhundert aus der Sammlung Wagner-de Wit, die die Grundlage der heutigen Kollektion des Museums darstellt.

Nur so viel ist bekannt: Das Bild war 1951 im Rahmen der Beutekunst-Rückführung durch die Stiftung Niederländischer Kunstbesitz beim Amsterdamer Auktionshaus De Zon eingeliefert worden. Mehr Informationen über die Herkunft des Bildes gibt es nicht – auch nicht beim Reichsbüro für Kunstgeschichtliche Dokumentation mit seinem einzigartigen Archiv.

1958 vermachte das Haager Ehepaar Wagner-de Wit seine Sammlung dem Maastrichter Museum. Das zugehörige Archiv ist verschwunden, weshalb die Herkunft aller Werke, die die Eheleute zwischen 1936 und 1954 gesammelt haben, als unbekannt angesehen werden muss. Ob sich weitere Kunstwerke mit fragwürdiger Herkunft im Museumsbestand befinden, ist nicht bekannt. In den 90er Jahren wurde dem Museum die Sammlung der Familie Bonhomme Tielens als Dauerleihgabe vermacht. Die Familienstiftung hatte die Herkunft der Kunstwerke untersuchen lassen und dabei keinerlei Hinweise auf problematische Herkunft gefunden. Alle Objekte aus dem 17. und 18. Jahrhundert waren zwischen 1939 und 1988 eingelagert.

Insgesamt handelt es sich bei der niederländischen Beutekunst um 139 Kunstwerke, die einst Eigentum jüdischer Sammler waren – 69 Gemälde, 24 Zeichnungen und 13 jüdische Ritual-Objekte, die während der Nazizeit von 1933 bis 1945 entweder beschlagnahmt oder geraubt wurden. Juden wurden oft auch gezwungen, ihre Kunstschätze weit unter Wert zu verkaufen. Nach Ende des Krieges gingen die Kunstwerke in den Besitz der niederländischen Museen über. Nun sollen sie an die Erben der einstigen Besitzer zurückgegeben werden, sofern diese zu ermitteln sind.

Bei 61 der insgesamt 139 Beutekunstwerke konnten die Eigentümer oder deren Erben inzwischen ermittelt werden. „Es sind schon viele Reaktionen von Erben bei uns eingegangen“, sagt Rudi Ekkart, der Vorsitzende der Beutekunst-Kommission, der die Untersuchung nach den gestohlenen oder zwangsverkauften Kunstwerken leitete. ,,Wir hoffen, dass sich noch mehr Erben melden.‘‘

Benno Tempel, der Direktor des Haager Gemeentemuseums, sagt dass die 19 Kunstwerke aus dessen Kollektion, die als Beutekunst identifiziert wurden, „noch keinem Eigentümer oder Erben zugeordnet werden konnten. Wir würden sie gerne an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben, weil wir wollen, dass kein Schatten auf unsere Kollektion fällt. Man will doch nicht in einem Land leben und ein Museum leiten, in dem Kunstwerke ausgestellt werden, die gestohlen wurden.“

Das Ergebnis der Untersuchung des niederländischen Museenverbands, bei der Experten vier Jahre lang die Beutekunst in niederländischen Museen aufgespürt haben, hat die langjährige Vermutung bestätigt, dass in holländischen Museen viel Beutekunst hängen könnte.

Unter den 139 „Beutekunstwerken“ befinden sich unzählige Meisterwerke. Etwa „Odalisque“ von Henri Matisse, „Bild mit Häusern“ von Wassily Kandinsky, „Ansicht von Delft aus dem Norden“ von Jan van Goyen, „Kinder am Strand“ von Isaac Israels, „Hirtin mit dem Kind in der Landschaft“ von Jacob Gerritszoon Cuyp sowie das Gemälde „Lazarus en der reiche Mann‘‘, von einem unbekannten Maler. Weitere Meisterwerke sind von Hans Memling, Ferdinand Bol, George Hendrik Breitner, Paul Klee.

Allein 19 Kunstwerke wurden im berühmten Haager Gemeendemuseum gefunden. Viele Beutekunstwerke hängen auch im Rotterdamer Museum Boijmans van Beuningen, dem Amsterdamer Rijksmuseum sowie dem Stedelijk Museum in Amsterdam.

Die niederländische Museenvereinigung hat eine Webseite eingerichtet, auf der die Objekte der Beutekunst zu sehen sind.

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