Bewährungsstrafe für jugendlichen Intensivtäter

Von: dpa
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Düsseldorf. Er soll zwei Jungen wie Sklaven auf dem Dachboden gehalten haben: Dafür - und wegen einer Reihe weiterer Taten - hat ein 17-Jähriger am Donnerstag in Düsseldorf eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren kassiert.

Wie ein Sprecher des örtlichen Amtsgerichts sagte, muss der junge Intensivtäter zudem an einer „individualpädagogischen Maßnahme in einer Projektgruppe” teilnehmen.

Worum genau es sich dabei handelt, wollte der Sprecher nicht sagen - nur so viel: Das Projekt sei außerhalb von Nordrhein-Westfalen, so dass der Jugendliche seinem bisherigen familiären Umfeld entzogen werde. Wegen des Alters des Angeklagten hatte das Jugendschöffengericht des Düsseldorfer Amtsgerichts unter Ausschluss der Öffentlichkeit getagt.

Die Ermittler hatten im Oktober 2010 auf einem eiskalten Dachboden in Düsseldorf zwei 13 und 15 Jahre alte Jungen befreit. Laut Anklageschrift sollten die beiden Diebstähle für ihren Peiniger begehen. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass Emre noch etliche weitere Jugendliche zu Straftaten genötigt hatte. Zudem soll Emre versucht haben, Geschäftsleute mit einer fingierten Spendenaktion abzuzocken.

Wie der Gerichtssprecher sagte, wurde der Jugendliche nun wegen Freiheitsberaubung, Nötigung, Körperverletzung, Bedrohung, versuchten Betrugs, Diebstahls und versuchten Diebstahls verurteilt. Die Staatsanwaltschaft habe eine zweijährige Bewährungsstrafe gefordert. Das Gericht habe letztlich aber berücksichtigt, dass der 17-Jährige nicht strafrechtlich vorbelastet gewesen sei und seit seiner Festnahme im Herbst fünf Monate in Untersuchungshaft war.

Zum Prozessauftakt vor zwei Wochen hatte auch der ältere der beiden Jungen, die auf dem Dachboden über der Wohnung der Eltern ihres Peinigers festgehalten worden waren, ausgesagt. Überraschenderweise wollte er den Angeklagten nicht belasten - möglicherweise aus Angst.

Trotzdem: „Das Gericht ist nach der Beweisaufnahme überzeugt gewesen, dass sich die Freiheitsberaubung wie in der Anklage beschrieben ereignet hat”, berichtete der Sprecher aus der Verhandlung. Ausschlaggebend seien unter anderem Aussagen von Polizisten gewesen, die die Jungen befreit hatten.

Die Eltern des Verurteilten sollen mit der Erziehung völlig überfordert gewesen sein. Der 17-Jährige räumte vor Gericht ein, im Juni 2010 seiner Mutter mit der Faust auf den Kopf geschlagen und ihr eine Prellung zugefügt zu haben. Seinen Vater habe er mit einem Messer bedroht.

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